|
Emmet Ray ist ein begnadeter Gitarrist, der in den
Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts unermüdlich
durch Amerika tourt. Alkoholexzesse, Spielleidenschaft
und seine notorische Unzuverlässigkeit verhindern
jedoch den ganz großen Durchbruch. Der Exzentriker
lebt stets auf großem Fuß, denn dank
seines virtuosen Gitarrenspiels erhält er immer
neuen Kredit und neue Auftritte. Leider gilt er
nach Django Reinhardt nur als "der zweitbeste
Gitarrist der Welt" - der wunde Punkt in Emmets
bewegtem Musikerdasein. Bei einer persönlichen
Begegnung mit seinem Vorbild Reinhardt soll Emmet
sogar in Ohnmacht gefallen sein. So erzählen
es sich die Fachleute und Musikkritiker, zu denen
auch Woody Allen zählt, und deren bunte und
teils widersprüchliche Erinnerungen der Film
bebildert. Demnach ist Emmet nicht nur ein eitler
Geck, ein notorischer Angeber, gelegentlicher Zuhälter
und Kleptomane. Er frönt außerdem höchst
bizarren Hobbys: Mit einer 45er schießt er
auf der Müllkippe Ratten ab, und außerdem
liebt er es, vorbeifahrenden Güterzügen
zuzuschauen. Die zahlreichen Frauen in seinem Leben
haben meist kein Verständnis für Emmets
Marotten - bis er die stumme und duldsame Wäscherin
Hattie trifft, mit der er eine Zeit lang durch die
Lande zieht. Doch als wahres Genie liebt Emmet nur
seine Kunst und verlässt Hattie irgendwann.
Niemand weiß so genau, warum Emmet danach
die mondäne Möchtegern-Schriftstellerin
Blanche heiratet, die sich von seinem halbkriminellen
Background faszinieren lässt. Als sie ihn mit
dem Profikiller Al Torrio betrügt, verlässt
er auch Blanche und will zu Hattie zurückkehren,
die jedoch inzwischen verheiratet ist. Hier verliert
sich Emmets Spur - er soll zu dieser Zeit seine
schönsten Stücke aufgenommen haben.
"Sweet and Lowdown" ist eine virtuos inszenierte,
prachtvoll ausgestattete Tragikomödie, in der
Komikerstar Woody Allen nach "Zelig" (1983)
und "Broadway Danny Rose" (1984) zum dritten
Mal eine fiktive Künstlerbiographie entwickelt.
Basierend auf Anspielungen an Erlebnisse realer
Jazzer aus der Zeit des Swings, reiht der passionierte
Klarinettist Woody Allen (der bekanntlich für
seinen gewohnten Auftritt in einem New Yorker Jazzlokal
eine "Oscar"-Verleihung sausen ließ)
mit seinem unnachahmlichen Humor Episoden und Anekdoten
aneinander, die beständig zwischen hintergründigem
Witz und zarter Melancholie changieren. Jazzstandards
unter anderem von Django Reinhardt und Duke Ellington
wurden hierfür teilweise neu eingespielt. Sean
Penn spielt eine seiner besten Rollen und erhielt
für seine bewegende Darstellung eine "Oscar"-Nominierung.
|