Kohlhiesels Töchter

Spielfilm BRD 1962
Regie Axel von Ambesser
Drehbuch Eckart Hachfeld
Musik Heino Gaze
Kamera Willy Winterstein
Darsteller Liesel/Susi Kohlhiesel - Liselotte Pulver
Toni - Helmut Schmid
Günter - Dietmar Schönherr
Rolf - Peter Vogel
Vater Kohlhiesel - Heinrich Gretler
Gritli, Magd - Renate Kasché
Dame von Hotelfachschule - Alexa von Porembsky
Hotelportier Müller - Franz-Otto Krüger
Junge Dame im Hotel - Adeline Wagner
u. a.

Die hübsche Bauerntochter Liesel hat in der Stadt ihre Ausbildung an der Hotelfachschule mit Bravour abgeschlossen. Nun kehrt die junge Frau in ihren Heimatort Hinterflüh im Berner Oberland zurück. Dort wird sie bereits von ihrem Freund Toni am Bahnhof erwartet. Am liebsten würde der verliebte Toni sofort einen Heiratstermin vereinbaren - gäbe es da nicht ein kleines Hindernis: Liesels Vater offenbart den beiden, dass er seiner Frau am Sterbebett versprechen musste, dass Liesel erst heiraten darf, wenn sich auch ein Ehemann für ihre Zwillingsschwester Susi gefunden hat. Eigentlich sollte diese Bedingung kein großes Problem darstellen, doch im Gegensatz zu ihrer liebenswerten Schwester ist Susi ein grober Hausdrachen ohne jeden Charme. Durch eine Heiratsanzeige soll ein williger Ehekandidat gefunden werden. Leider schlägt Susi mit ihrer barschen Art jeden Bewerber binnen kürzester Zeit in die Flucht. Nur Rolf gibt sich hartnäckig - wobei er es weniger auf Susi als auf die Mitgift ihres wohlhabenden Papas abgesehen hat. Doch dumm ist Susi nicht: Sie durchschaut Rolfs Plan und führt den Mitgiftjäger gehörig aufs Glatteis. Bleibt der nette Student Günter, den Liesel von der Hotelfachschule kennt. Insgeheim hofft er, Liesels Herz zu gewinnen, und auch Liesel empfindet mehr für Günter, als sie zugeben will. So herrscht alles in allem eine ganz schöne Gefühlsverwirrung. Da hat Günter eine Idee, wie man die Testamentsverfügung austricksen kann: Toni soll einfach zum Schein die Susi heiraten, damit auch für die Liesel der Weg frei ist - denn schließlich steht nirgends geschrieben, dass Susi dauerhaft verheiratet bleiben muss.

Mit "Kohlhiesels Töchter" hat Erfolgsregisseur Axel von Ambesser die wohl bekannteste Adaption des populären Bauernschwanks inszeniert und mit Liselotte Pulver in der Doppelrolle von Liesel und Susi "die zweifellos originellste und komischste Besetzung" (Cinema-Filmlexikon) gefunden. Liselotte Pulver ist zu jener Zeit neben Maria Schell die beliebteste Schauspielerin des deutschsprachigen Kinos. Am 11.10.2009 wurde sie 80 Jahre alt. In Bern 1929 als Tochter einer alteingesessenen Familie geboren, beschließt sie als junges Mädchen, eine berühmte Schauspielerin zu werden. Mit 20 gibt sie in der Schweiz ihr Filmdebüt, fünf Jahre später bringt ihr "Ich denke oft an Piroschka" unter der Regie von Kurt Hoffmann den großen Durchbruch. Monatelang hat sie sich gegen die Rolle gewehrt, denn sie will eine große Tragödin werden. Doch Hoffmann entdeckt als erster ihr komisches Talent und dreht insgesamt zehn Filme mit ihr (u. a. "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" 1957, "Das Wirtshaus im Spessart" 1958, "Dr. med. Hiob Prätorius" 1965). "Lilo", wie sie bald in Deutschland genannt wird, avanciert zum "Prototyp des frischen, burschikosen, dabei aber liebreizenden Mädchens. Das ansteckende, aus tiefer Kehle kommende Lachen wurde zum Markenzeichen" (Iris Schmidt). Bald gehört sie zu den beliebtesten Schauspielerinnen des deutschen Films.

Auch der internationale Film wird auf sie aufmerksam. So wird ihr eine Rolle in "Ben Hur" angeboten sowie die weibliche Hauptrolle an der Seite von Charlton Heston in "El Cid". Doch vertragliche Verpflichtungen hindern sie, Sophia Loren bekommt die Rolle. Noch heute, sagt Liselotte Pulver in einem Interview, könne sie sich deswegen "in den Hintern beißen". Doch dafür findet sie in dem Schauspielkollegen und Regisseur Helmut Schmid (ihr Partner auch in "Kohlhiesels Töchter") die Liebe ihres Lebens, 1961 heiraten sie. In der ersten Hälfte der 60er-Jahre kann sie sich auch als Charakterdarstellerin beweisen. Billy Wilder besetzt sie in seiner Satire "Eins, zwei, drei" (1961), Jacques Rivette in "Die Nonne" (1965). Danach ist Liselotte Pulvers große Zeit vorbei. Sie macht mit ihrem Ehemann Theatertourneen und geht zum Fernsehen. Vor allem in TV-Spielen und der legendären Kinderserie "Sesamstraße" ist sie wiederum erfolgreich. 2007 steht sie in dem Remake "Die Zürcher Verlobung" bislang zum letzten Mal vor der Kamera. Im Jahr 1993 veröffentlicht die Schauspielerin, deren Familienleben von tragischen Ereignissen überschattet ist, unter dem Titel "... wenn man trotzdem lacht. Tagebuch meines Leben" ihre Memoiren. 1996 folgt die Fortsetzung "Bleib doch noch ein bisschen".
   

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