Lamerica

Italienischer Spielfilm von 1994
Regie Gianni Amelio
Drehbuch Gianni Amelio, Andrea Porporati und Alessandro Sermoneta
Musik Franco Piersanti
Kamera Luca Bigazzi
Darsteller Gino - Enrico Lo Verso
Fiore - Michele Placido
Spiro Tozaj - Carmelo Di Mazzarelli
Selimi - Piro Milkani
Selimis Cousine - Elida Janushi
Gefängnisdirektor - Sefer Pema
Doktor Kruja - Idajet Sejdia
Fabrikdirektorin - Marieta Ljarja
Ärztin - Liliana Subashi
Ismail - Marian Pietrj
Kommissar - Besim Kurti
u. a.

Albanien 1991. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus herrscht in dem einst von der Außenwelt isolierten Land das Chaos. Der italienische Geschäftemacher Fiore und sein Helfer Gino sehen eine günstige Gelegenheit zum Subventionsbetrug. Für den Kauf einer maroden Schuhfabrik brauchen sie einen einheimischen Strohmann. In einem ehemaligen Arbeitslager engagieren sie dafür den verwirrten Albaner Spiro. Nach 50 Jahren Haft hält er das verwüstete Land irrtümlich für das vom Krieg zerstörte Italien. Spiro spielt bereitwillig seine Rolle als Präsident der Scheinfirma. Es fehlt nur noch eine letzte Unterschrift, als Spiro plötzlich spurlos verschwindet.

Widerwillig fährt Gino auf der Suche nach Spiro durch das ausgeblutete Land. Die Armut, der allgegenwärtige Zerfall und die Belagerung durch bettelnde Kinder provozieren ihn. Er findet schließlich Spiro, doch wird auf der Rückreise sein Jeep geplündert. Die beiden schließen sich einem Heer von Armutsflüchtlingen auf seinem strapaziösen Marsch zur Küste an. Spiros arglose Güte und Hilfsbereitschaft stimmen den arroganten Gino nachdenklich. Als er aber erfährt, dass das Geschäft längst geplatzt ist, setzt er Spiro sogleich in einem Heim ab. In der Hafenstadt Dures gerät er jedoch wegen Korruption ins Gefängnis. Ohne Geld und Pass schlägt er sich verzweifelt zum Hafen durch - als einer unter Tausenden von Flüchtlingen, die auf einem hoffnungslos überfüllten Schiff gen Italien aufbrechen.

Gianni Amelio drehte sein beklemmendes Flüchtlingsdrama an Originalschauplätzen in Albanien. Die Idee entstand 1991, als zwei Schiffe mit mehr als 10.000 Albanern im italienischen Bari anlegten. Für den in Kalabrien geborenen Amelio ist die Story zugleich eine Reise in die Vergangenheit, in die karge Umgebung der Kindheit, denn etliche seiner Verwandten emigrierten einst voller Hoffnung. Die eindrucksvollen Bilder vom befremdlichen Rand Europas illustrieren für Amelio eine poetische Parabel: "Auf der einen Seite der Junge: naiv, unerfahren, gutwillig, ohne Geschichtsbewusstsein, auf der anderen der alte Narr - die Seele des Films". In der markanten Rolle des weisen Spiro gab der Fischer Carmelo Di Mazzarelli sein Debüt als Schauspieler.
   

Copyright © Jürgen Oellerich - All Rights Reserved