Kuss der Spinnenfrau

Spielfilm aus Brasilien und den USA von 1985
Regie Hector Babenco
Drehbuch Leonard Schrader, nach dem Roman "El beso de la mujer araña" von Manuel Puig
Musik John Neschling
Kamera Rodolfo Sanchez
Darsteller Luis Molina - William Hurt
Valentin Arregui - Raul Julia
Leni Lamaison/Marta/Spinnenfrau - Sonia Braga
Warden, Gefängnisdirektor - José Lewgoy
Señora Molina - Míriam Pires
Gabriel - Nuno Leal Maia
Geheimdienstmann - Milton Goncalves
Greta - Patricio Bisso
Werner - Herson Capri
Dr. Americo - Fernando Torres
u. a.

Der homosexuelle Schaufensterdekorateur Molina sitzt wegen Verführung Minderjähriger in einem lateinamerikanischen Gefängnis. Dort teilt er eine Zelle mit dem linksradikalen Journalisten Valentin, der in Haft ist, weil er die Militärdiktatur politisch bekämpft hat. Sie sind ein sehr gegensätzliches Paar. Während Molina sich in schwülstige Kino-Erinnerungen an einen alten Nazi-Film flüchtet, träumt Valentin von der Revolution. Er ahnt nicht, dass der Gefängnisdirektor Molina gegen ihn als Spitzel zu missbrauchen versucht. Zunächst empört ihn dessen politische Naivität, Molinas Gefühlsüberschwang ist ihm peinlich; aber allmählich kommen sich die beiden näher. Als Molina schließlich entlassen wird, wagt Valentin, ihm eine Nachricht an seine Genossen im Untergrund anzuvertrauen. Molina rechtfertigt das in ihn gesetzte Vertrauen; Valentin, in der Haft fast zu Tode gefoltert, träumt sterbend in der Begegnung mit der geheimnisvollen Spinnenfrau die Geschichte Molinas weiter.

Nach einem Roman des Argentiniers Manuel Puig inszenierte Hector Babenco mit "Kuss der Spinnenfrau", "ein beklemmendes, psychologisch äußerst dichtes Werk über Freundschaft, Flucht nach innen und die Fähigkeit des Menschen, unüberwindlich geglaubte Grenzen zu überschreiten" (Cinema-Filmlexikon). Dazu nutzt er zwei Erzählebenen - einmal die realistisch karge Welt des Gefängnisses, dann die Traumwelt Molinas, eingefangen in schwülstigen Farben und der üblichen Plattheit eines richtig schlechten Melodrams. Herausragend sind die schauspielerischen Leistungen: William Hurt brilliert in der Rolle des Homosexuellen, der unmerklich vom affektierten Tuntengehabe zur zärtlichen Geste des Verliebten überzuwechseln vermag. Er wurde 1985 in Cannes mit der "Goldenen Palme" für den besten Schauspieler und 1986 mit einem "Oscar" ausgezeichnet. Raul Julia spielt überzeugend den intellektuellen Macho, der sich gegen seinen Willen von den kitschigen Filmfantasien seines Zellengenossen verzaubern lässt.
   

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