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Der homosexuelle Schaufensterdekorateur Molina sitzt
wegen Verführung Minderjähriger in einem
lateinamerikanischen Gefängnis. Dort teilt
er eine Zelle mit dem linksradikalen Journalisten
Valentin, der in Haft ist, weil er die Militärdiktatur
politisch bekämpft hat. Sie sind ein sehr gegensätzliches
Paar. Während Molina sich in schwülstige
Kino-Erinnerungen an einen alten Nazi-Film flüchtet,
träumt Valentin von der Revolution. Er ahnt
nicht, dass der Gefängnisdirektor Molina gegen
ihn als Spitzel zu missbrauchen versucht. Zunächst
empört ihn dessen politische Naivität,
Molinas Gefühlsüberschwang ist ihm peinlich;
aber allmählich kommen sich die beiden näher.
Als Molina schließlich entlassen wird, wagt
Valentin, ihm eine Nachricht an seine Genossen im
Untergrund anzuvertrauen. Molina rechtfertigt das
in ihn gesetzte Vertrauen; Valentin, in der Haft
fast zu Tode gefoltert, träumt sterbend in
der Begegnung mit der geheimnisvollen Spinnenfrau
die Geschichte Molinas weiter.
Nach einem Roman des Argentiniers Manuel Puig inszenierte
Hector Babenco mit "Kuss der Spinnenfrau",
"ein beklemmendes, psychologisch äußerst
dichtes Werk über Freundschaft, Flucht nach
innen und die Fähigkeit des Menschen, unüberwindlich
geglaubte Grenzen zu überschreiten" (Cinema-Filmlexikon).
Dazu nutzt er zwei Erzählebenen - einmal die
realistisch karge Welt des Gefängnisses, dann
die Traumwelt Molinas, eingefangen in schwülstigen
Farben und der üblichen Plattheit eines richtig
schlechten Melodrams. Herausragend sind die schauspielerischen
Leistungen: William Hurt brilliert in der Rolle
des Homosexuellen, der unmerklich vom affektierten
Tuntengehabe zur zärtlichen Geste des Verliebten
überzuwechseln vermag. Er wurde 1985 in Cannes
mit der "Goldenen Palme" für den
besten Schauspieler und 1986 mit einem "Oscar"
ausgezeichnet. Raul Julia spielt überzeugend
den intellektuellen Macho, der sich gegen seinen
Willen von den kitschigen Filmfantasien seines Zellengenossen
verzaubern lässt.
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