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"Politische Korrektheit" kann, gerade
in Amerika, zum Fluch werden. Das erfährt Coleman
Silk, ein engagierter Professor für klassische
Literatur, am eigenen Leib. Er gilt als vorbildlicher
Dekan, der das verschlafene Athena-College in Massachusetts
zu einer progressiven, liberalen Universität
umgewandelt und gegen den Widerstand des konservativen
Establishments sogar einen Farbigen zu seinem Amtsnachfolger
ernannt hat. Dennoch basiert Colemans Laufbahn auf
einer prekären Lebenslüge, die ihm die
Gesellschaft abforderte und die ihn eines Tages
auf heimtückische Weise einholt: Nicht wissend,
dass es sich um farbige Studenten handelt, nennt
er während einer Vorlesung zwei Schwänzer,
die er nie zu Gesicht bekommen hat, scherzhaft "dunkle
Gestalten" ("spooks") - ein Ausdruck,
dessen zweite Bedeutung eine despektierliche Bezeichnung
für Afroamerikaner ist. Die daraufhin ausbrechende
Hysterie führt zu Colemans Entlassung. Dabei
hätte ein einziges Wort genügt, um den
Rassismus-Vorwurf ad absurdum zu führen: Aber
nicht einmal seine langjährige Ehefrau Iris,
die wegen seiner Suspendierung einer Herzattacke
erliegt, wusste, dass Coleman selbst Schwarzer ist,
dessen lilienweiße Hautfarbe seine afroamerikanische
Herkunft perfekt überdeckt. Colemans Leben
ist ruiniert, doch als er in dem gebrochenen Schriftsteller
Nathan Zuckerman einen neuen Freund gewinnt und
sich in eine Amour fou mit der sehr viel jüngeren,
aber nicht minder leidgeprüften Faunia Farley
stürzt, scheint er die Chance für ein
zweites Leben zu bekommen. Dann aber schlägt
das Schicksal noch erbarmungsloser zu.
Basierend auf dem gleichnamigen Roman des Pulitzer-Preisträgers
Philip Roth, ist "Der menschliche Makel"
ein ebenso scharfsinniges wie zutiefst berührendes
Drama über Schuld und Sühne und falsche
Moral in Zeiten politischer Korrektheit der späten
Clinton-Ära. Auf zwei geschickt verwobenen
Erzählebenen entblößt der Film die
noch immer vorherrschenden Berührungsängste
zwischen dem schwarzen und weißen Amerika.
Regisseur Robert Benton verpflichtete für seinen
Film keine Geringeren als die beiden Oscar-Preisträger
Nicole Kidman und Sir Anthony Hopkins. Der britisch-US-amerikanische
Schauspieler wurde am 31. Dezember 2007 70 Jahre
alt. In South Wales als Bäckersohn geboren,
ist Hopkins' Kindheit von der Schwermut des Vaters
überschattet, der Junge ist ein schlechter
Schüler und notorischer Einzelgänger.
Doch durch den Kontakt zu einer Schauspielgruppe
findet er seine Berufung zur Bühne. Schließlich
kann er in London ein Schauspielstudium absolvieren,
das er 1963 als Silbermedaillenträger abschließt.
Wenig später engagiert ihn Laurence Olivier
an der renommierten National Theatre Company in
London, wo er sich in kurzer Zeit den Ruf eines
vielseitigen und hervorragenden Charakterschauspielers
erwirbt. Er wird aber auch bekannt für seine
Wutausbrüche und seinen Alkoholkonsum (seit
1976 gehört er zu den Anonymen Alkoholikern).
Bis in die 1990er Jahre hat er fast alle Theaterklassiker
gespielt. Heute hasst er Theater - die Wiederholung
gehe ihm auf die Nerven, sagte er einmal.
Als Filmschauspieler wird Anthony Hopkins einem
internationalen Publikum mit David Lynchs "Der
Elefantenmensch" (1980) und als Captain Bligh
in der Neuverfilmung der "Bounty" (1984)
bekannt.
Seinen Durchbruch zu internationalem Starruhm schafft
er schließlich als massenmordender Psychopath
Hannibal Lector in Jonathan Demmes Thriller "Das
Schweigen der Lämmer" (1991). Danach reiht
sich mit Darstellungen wie Dr. van Helsing in "Bram
Stoker's Dracula" (1999), dem allzu perfekten
Butler in "Was vom Tage übrig blieb"
(1993) und dem amerikanischen Präsidenten in
"Nixon" (1995) ein Erfolg an den anderen.
2001 ist er wiederum sehr erfolgreich als Dr. Hannibal
Lector in der Fortsetzung "Hannibal" und
2002 in "Roter Drache" zu sehen. In den
Jahren danach versucht er sich in seinen Rollen
bewusst von der Hannibal-Figur zu distanzieren.
Er spielt 2003 in "Der menschliche Makel",
ist in Oliver Stones Epos "Alexander"
(2004) der spätere Pharao Ptolomaios und gibt
in "Der Beweis - Liebe zwischen Genie und Wahnsinn"
(2005) einen sterbenskranken und brillanten Mathematikprofessor.
Die Bilanz seiner bisherigen Karriere kann sich
sehen lassen: 1993 wurde er geadelt, für "Das
Schweigen der Lämmer" erhielt er den "Oscar",
dreimal wurde er für ihn nominiert, 2005 wurde
ihm der "Cecil B. Demille Award" für
sein Lebenswerk verliehen.
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