Der menschliche Makel

Spielfilm aus den USA, der BRD und Frankreich von 2003
Regie Robert Benton
Drehbuch Nicholas Meyer
Musik Rachel Portman
Kamera Jean-Yves Escoffier
Darsteller Coleman Silk - Anthony Hopkins
Faunia Farley - Nicole Kidman
Lester Farley - Ed Harris
Nathan Zuckerman - Gary Sinise
Der junge Coleman - Wentworth Miller
Mrs. Silk - Anna Deavere Smith
Mr. Silk - Harry J. Lennix
Steena Paulsson - Jacinda Barrett
Iris Silk - Phyllis Newman
und andere

"Politische Korrektheit" kann, gerade in Amerika, zum Fluch werden. Das erfährt Coleman Silk, ein engagierter Professor für klassische Literatur, am eigenen Leib. Er gilt als vorbildlicher Dekan, der das verschlafene Athena-College in Massachusetts zu einer progressiven, liberalen Universität umgewandelt und gegen den Widerstand des konservativen Establishments sogar einen Farbigen zu seinem Amtsnachfolger ernannt hat. Dennoch basiert Colemans Laufbahn auf einer prekären Lebenslüge, die ihm die Gesellschaft abforderte und die ihn eines Tages auf heimtückische Weise einholt: Nicht wissend, dass es sich um farbige Studenten handelt, nennt er während einer Vorlesung zwei Schwänzer, die er nie zu Gesicht bekommen hat, scherzhaft "dunkle Gestalten" ("spooks") - ein Ausdruck, dessen zweite Bedeutung eine despektierliche Bezeichnung für Afroamerikaner ist. Die daraufhin ausbrechende Hysterie führt zu Colemans Entlassung. Dabei hätte ein einziges Wort genügt, um den Rassismus-Vorwurf ad absurdum zu führen: Aber nicht einmal seine langjährige Ehefrau Iris, die wegen seiner Suspendierung einer Herzattacke erliegt, wusste, dass Coleman selbst Schwarzer ist, dessen lilienweiße Hautfarbe seine afroamerikanische Herkunft perfekt überdeckt. Colemans Leben ist ruiniert, doch als er in dem gebrochenen Schriftsteller Nathan Zuckerman einen neuen Freund gewinnt und sich in eine Amour fou mit der sehr viel jüngeren, aber nicht minder leidgeprüften Faunia Farley stürzt, scheint er die Chance für ein zweites Leben zu bekommen. Dann aber schlägt das Schicksal noch erbarmungsloser zu.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman des Pulitzer-Preisträgers Philip Roth, ist "Der menschliche Makel" ein ebenso scharfsinniges wie zutiefst berührendes Drama über Schuld und Sühne und falsche Moral in Zeiten politischer Korrektheit der späten Clinton-Ära. Auf zwei geschickt verwobenen Erzählebenen entblößt der Film die noch immer vorherrschenden Berührungsängste zwischen dem schwarzen und weißen Amerika. Regisseur Robert Benton verpflichtete für seinen Film keine Geringeren als die beiden Oscar-Preisträger Nicole Kidman und Sir Anthony Hopkins. Der britisch-US-amerikanische Schauspieler wurde am 31. Dezember 2007 70 Jahre alt. In South Wales als Bäckersohn geboren, ist Hopkins' Kindheit von der Schwermut des Vaters überschattet, der Junge ist ein schlechter Schüler und notorischer Einzelgänger. Doch durch den Kontakt zu einer Schauspielgruppe findet er seine Berufung zur Bühne. Schließlich kann er in London ein Schauspielstudium absolvieren, das er 1963 als Silbermedaillenträger abschließt. Wenig später engagiert ihn Laurence Olivier an der renommierten National Theatre Company in London, wo er sich in kurzer Zeit den Ruf eines vielseitigen und hervorragenden Charakterschauspielers erwirbt. Er wird aber auch bekannt für seine Wutausbrüche und seinen Alkoholkonsum (seit 1976 gehört er zu den Anonymen Alkoholikern). Bis in die 1990er Jahre hat er fast alle Theaterklassiker gespielt. Heute hasst er Theater - die Wiederholung gehe ihm auf die Nerven, sagte er einmal.

Als Filmschauspieler wird Anthony Hopkins einem internationalen Publikum mit David Lynchs "Der Elefantenmensch" (1980) und als Captain Bligh in der Neuverfilmung der "Bounty" (1984) bekannt.

Seinen Durchbruch zu internationalem Starruhm schafft er schließlich als massenmordender Psychopath Hannibal Lector in Jonathan Demmes Thriller "Das Schweigen der Lämmer" (1991). Danach reiht sich mit Darstellungen wie Dr. van Helsing in "Bram Stoker's Dracula" (1999), dem allzu perfekten Butler in "Was vom Tage übrig blieb" (1993) und dem amerikanischen Präsidenten in "Nixon" (1995) ein Erfolg an den anderen. 2001 ist er wiederum sehr erfolgreich als Dr. Hannibal Lector in der Fortsetzung "Hannibal" und 2002 in "Roter Drache" zu sehen. In den Jahren danach versucht er sich in seinen Rollen bewusst von der Hannibal-Figur zu distanzieren. Er spielt 2003 in "Der menschliche Makel", ist in Oliver Stones Epos "Alexander" (2004) der spätere Pharao Ptolomaios und gibt in "Der Beweis - Liebe zwischen Genie und Wahnsinn" (2005) einen sterbenskranken und brillanten Mathematikprofessor. Die Bilanz seiner bisherigen Karriere kann sich sehen lassen: 1993 wurde er geadelt, für "Das Schweigen der Lämmer" erhielt er den "Oscar", dreimal wurde er für ihn nominiert, 2005 wurde ihm der "Cecil B. Demille Award" für sein Lebenswerk verliehen.
   

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