|
Abgehauen
|
|
Fernsehfilm
aus Deutschland von 1998
|
| Regie |
Frank
Beyer |
| Drehbuch |
Ulrich
Plenzdorf, nach dem gleichnamigen Buch von Manfred Krug |
| Musik |
Günther
Fischer, Peter Herbolzheimer und Wolfram Heicking |
| Kamera |
Eberhard
Geick |
| Darsteller |
Manfred
Krug, Schauspieler - Peter Lohmeyer
Ottilie Krug, Lehrerin - Karoline Eichhorn
Manfred Salowski, Bildhauer - Peter Donath
Erika Salowski, Modelleurin - Ann-Kathrin Kramer
Jurek Becker, Schriftsteller - Uwe Kockisch
Stefan Heym, Schriftsteller - Jürgen Hentsch
Christa Wolf, Schriftstellerin - Ute Lubosch
Gerhard W., Schriftsteller und Literaturwissenschaftler
- Manfred
Gorr
Heiner Müller, Schriftsteller - Karl Kranzkowski
Frank Beyer, Filmregisseur - Hermann Beyer
Ulrich Plenzdorf, Schriftsteller - Thomas Dehler
Klaus Schlesinger, Schriftsteller - Matthias Günter
Eberhard Esche, Schauspieler - Ulrich Matthes
Werner Lamberz, Mitglied Politbüro u. Sekr. des ZK
der SED - Hermann
Lause
Eberhard Heinrich, Mitarbeiter von Werner Lamberz - Thomas
Neumann
Heinz Adameck, Vorsitz. d. Staatl. Komitees für FS
der DDR - Viktor Deiß
Jochen Hoffmann, DDR-Kulturminister - Günter Junghans
Hans Dieter Mäde, Generaldirektor d. Defa-Studios f.
Spielfilme - Gunter Schoß
und andere |
|
In der Ost-Berliner Villa des populären Schauspielers
Manfred Krug und seiner Frau Ottilie versammeln
sich am 20.11.1976 elf Menschen. Es sind Autoren,
Regisseure und prominente Schauspieler, die Künstler-Elite
der DDR. Unter ihnen Jurek Becker, Stefan Heym,
Christa Wolf, Ulrich Plenzdorf, Frank Beyer, Heiner
Müller. Sie treffen sich mit drei Herren ganz
anderer Machart: Werner Lamberz, Eberhard Heinrich
und Heinz Adameck sind Abgesandte der Partei, Vertreter
der Macht im Staate. Drei Tage sind vergangen seit
der Ausweisung des Sängers Wolf Biermann und
der darauf folgenden Unterzeichnung eines Protestes
gegen diese Maßnahme. Eine unerhörte
Aktion im SED-Staat. Die Versammelten sind die Unterzeichner,
und sie gehören zu den populärsten Bürgern
der DDR.
Manfred Krug muss geahnt haben, was ihn nach dieser
seltsamen Tafelrunde erwartet, dennoch zeigt er
eine enorme Zivilcourage. Er nimmt das Gespräch
heimlich auf Tonband auf. Er kennt das Risiko, doch
er kann nicht anders. Dieses Treffen muss protokolliert
werden. Die Folgen des Treffens in der Ost-Berliner
Schauspieler-Villa sind ein Stück Zeitgeschichte.
Jeder der Anwesenden ist gezwungen, sein Verhältnis
zu sich selbst, seinem Beruf und seinem Staat zu
überdenken, wenn nicht neu zu definieren. Der
Staat erweist sich als unfähig, anders als
mit Druck und Einschüchterung zu reagieren.
Entgegen aller Versprechungen gibt es Konsequenzen.
Manfred Krug wird mit einem - nie ausgesprochenen
- Berufsverbot belegt.
Berlin-Pankow, 19.4.1977: Nach einem halben Jahr
erzwungener Untätigkeit steht der Entschluss
fest. Manfred Krug stellt einen Ausreiseantrag.
Spätestens jetzt trennt sich im großen
Freundeskreis die Spreu vom Weizen. Die Frage lautet
nicht, wer ebenfalls gehen wird, sondern vielmehr,
wer lässt sich verbiegen, lässt sich korrumpieren?
Wer hat den Mut, jetzt noch Kontakt aufrechtzuerhalten?
Die Partei droht und lockt, stellt sich taub, schickt
Unterhändler. Für Krug und seine Familie
werden die kommenden Wochen zur Nervenprobe.
"Abgehauen" ist ein Stück Autobiografie
und ein Stück Zeitgeschichte. 1976 unterschrieben
bekannte DDR-Autoren, Regisseure und Schauspieler
eine Petition, die sich gegen die Ausweisung des
Liedermachers Wolf Biermann richtete. Mit Berufsverbot
belegt, verließen viele die DDR - auch Manfred
Krug. Damals hatten sich auch viele einfache Menschen
hinter die Künstlerpetition gestellt, was einem
ersten Akt der Rebellion gegen das DDR-Regime gleichkam.
|
|
|
|
|