Das Versteck

Spielfilm DDR 1977
Regie Frank Beyer
Drehbuch Jurek Becker
Musik Günther Fischer
Kamera Jürgen Brauer
Darsteller Wanda Brink - Jutta Hoffmann
Max Brink - Manfred Krug
Gertrud - Marita Böhme
Lutz Bibow - Dieter Mann
Paul Ludorf - Alfred Müller
VP-Leutnant - Martin Trettau
Frau Paschek - Jarmila Karlovska
Richter - Christoph Beyertt
Streifenpolizist - Willi Schrade
Junge - Mario Heyden
und andere

Szenen einer gewesenen Ehe: Eines Morgens steht Max vor der Tür seiner geschiedenen Frau Wanda und bittet um Einlass. Er werde von der Polizei gesucht, sei aber nicht schuldig. Irgendwann am kommenden Wochenende werde sich der Fall klären, und bis dahin brauche er Unterschlupf. Die verstörte Wanda, die gerade ihren neuen Freund zu Besuch hat, nimmt Max bei sich auf. Doch Max hat Wanda angelogen, er wird gar nicht gesucht, es ist nur ein Trick, um wieder in ihrer Nähe zu sein, vielleicht wieder mit ihr zu leben. So werden die Tage im "Versteck" zu Tagen der Prüfung. Wanda ertappt sich dabei, dass ihre Sorge um ihn mehr ist als Fairness und Anständigkeit. Gleichzeitig aber durchlebt sie in ihren Erinnerungen die Jahre ihrer Ehe, die an seinem Egoismus und am gemeinsam nicht bewältigten Alltag zerbrach. Ihre Zweifel wachsen. Und sie erkennt, auch mit leiser Trauer, dass sein Wunsch, wieder mit ihr zu leben, auch der Wunsch nach einem "Versteck" ist, in dessen Geborgenheit Ruhe sein soll vor den Anstrengungen und Forderungen des Alltags. Doch dieses "Versteck", das allzu sehr auf ihre Kosten geht, ist sie nicht bereit zu gewähren.

Das Kunststück dieses Films, schreibt Hauptdarsteller Manfred Krug (dessen letzter in der DDR gedrehter Film es war), liege darin, dass er "der unpolitischste Film ist, der je in der DDR gedreht wurde, und keiner hat's gemerkt." Erzählt wird eine Ehegeschichte, eine Geschichte von Erwartungen, Enttäuschungen, Krisen und Hoffnungen. Und mit dieser sehr genauen, detaillierten Beschreibung ist der Film doch nicht ganz so unpolitisch. Der Film sei ein "meisterhaft leichtes Spiel mit und über Stagnation" (Erika Richter) und zwar "auf der Ebene des Mittelmaßes auch mit Figuren der Mittelmäßigkeit" (Fred Gehler), urteilen Kritiker im Nachhinein. Und er sei "gut gealtert", wie die Süddeutsche Zeitung meint, was vor allem dem Spiel der beiden Hauptdarsteller Manfred Krug und Jutta Hoffmann geschuldet ist.

Jutta Hoffmann feierte am 3. März 2011 ihren 70. Geburtstag. In der DDR war sie "die Hoffmann" und zählte zu den beliebtesten und profiliertesten Bühnen- und Filmschauspielerinnen. In Halle geboren, entdeckt sie schon als Kind ihren Spaß an der Schauspielerei. Sie studiert an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg und spielt schon in dieser Zeit erste Film- und Theaterrollen. Ihr Durchbruch hätte 1965 Herrmann Zschoches Gegenwartsfilm "Karla" werden können, in dem sie eine junge Lehrerin spielt, die gegen althergebrachte Methoden opponiert. Doch der Film wurde verboten. Zwei Literaturverfilmungen danach sind es, die sie bekannt machen: Sie ist das Lämmchen in Hans-Joachim Kasprziks Fallada-Verfilmung "Kleiner Mann - was nun?" (1967), und sie spielt die Titelrolle in Egon Günthers Zweiteiler "Junge Frau von 1914" (1969/1970). Egon Günther ist für ihre Entwicklung besonders wichtig.

Der gemeinsame Gegenwartsfilm "Der Dritte" (1972) wird ein phänomenaler Erfolg. In Venedig erhält sie dafür den Darstellerpreis des Filmfestivals. Mit Egon Günther dreht sie auch "Die Schlüssel" (1972) und "Lotte in Weimar" (1975), sie gibt die wunderbar klatschsüchtige Adele Schopenhauer. Mit "Das Versteck" (1976) und "Geschlossene Gesellschaft" (1978) eckt sie, die auch den Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung unterschreibt, bei den DDR-Oberen an. Sie heiratet einen Österreicher und macht sich ab 1979 auch in der Bundesrepublik und in Österreich einen Namen, mit großem Erfolg arbeitet sie u.a. an Münchner, Hamburger und Salzburger Bühnen. Nach der Wende spielt sie erstmals in einer Serie - in der MDR-Comedy-Reihe "Motzki" (1993), wo sie das Sächsische quasi salonfähig macht. Von 1998 bis 2002 ist sie die sozial engagierte Polizeikommissarin Wanda Rosenbaum und von 1991 bis 2006 wirkt sie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg als Professorin für darstellende Kunst.
   

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