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Alles was bisher in der Ehe zwischen dem Ingenieur
Robert und der Jugendhelferin Ellen unter den Teppich
gekehrt wurde, wird während eines Familienurlaubs
ans Licht gezerrt. Beide gehen schonungslos offen
mit einander ins Gericht. Es kommen Seitensprünge
zur Sprache und Scheidungsabsichten, Leistungsdruck,
Misstrauen und Anpassung aus Bequemlichkeit. Erschrocken
über ihre Entdeckungen, fragen sie sich, was
wohl mit ihnen los sei.
Aus dem scheinbaren Miteinander wird ein Nebeneinander,
ja Gegeneinander. Erst die Lebensweisheit eines
alten Mannes hilft ihnen, sich ganz allmählich
zu einem neuen Verständnis menschlichen Daseins,
menschlicher Verantwortung und individueller Möglichkeiten
vorzuarbeiten. Doch was bleibt, sind Schwermut und
Melancholie.
Frank Beyers beeindruckender und beklemmender Film
über ein Paar am Abgrund ist eine Parabel auf
die DDR-Gesellschaft der siebziger Jahre. Er wurde
nach einmaliger Fernsehausstrahlung 1978 für
elf Jahre ins Archiv verbannt und reihte sich damit
in eine Vielzahl von "Kellerfilmen" ein,
die sich mit der Realität in der DDR kritisch
auseinandersetzten und Opfer einer härteren
kulturpolitischen Gangart der SED wurden.
Zu Opfern wurden auch die Macher dieser Filme. So
war "Geschlossene Gesellschaft" auch der
letzte Film, den Armin Mueller-Stahl in der DDR
drehte. Am 17. Dezember beging er seinen 75.
Geburtstag. Armin Mueller-Stahl, in Tilsit (ehemals
Ostpreußen) geboren, gehörte zu den meistbeschäftigten
und beliebtesten Schauspielern der DDR. Über
25 Jahre war er Ensemble-Mitglied der Berliner Volksbühne,
seine Filmkarriere startete er 1960 als Hans Röder
in dem Vierteiler "Flucht aus der Hölle".
Über 60 Hauptrollen in DEFA-Filmen und im DDR-Fernsehen
spielte er, geehrt wurde er mit zahlreichen Preisen
- vom Kunstpreis der DDR bis zum "beliebtesten
Schauspieler der DDR" - bis er nach seinem
Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung 1976
mit einem dreijährigen Berufsverbot belegt
wurde. 1980 siedelte er nach Westdeutschland über
und setzte dort seine schauspielerische Karriere
mit Erfolg fort.
Für seine Rolle in "Bittere Ernte"
von Agnieszka Holland wurde er 1985 auf dem Filmfestival
in Montreal als bester männlicher Darsteller
ausgezeichnet. Mit 60 Jahren begann Armin Mueller-Stahl
1990 in Hollywood seine dritte Karriere. 1997 wurde
er mit der "Berlinale Kamera" für
sein Lebenswerk geehrt. Armin Mueller-Stahl, der
sich auch als Maler einen Namen gemacht hat, lebt
in Deutschland und den USA.
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