Spur der Steine

Gesellschaftssatire, DDR, 1966, FSK 6 (schwarz/weiß)
Regie Frank Beyer
Drehbuch Karl Georg Egel und Frank Beyer
Musik Wolfram Heicking
Kamera Günter Marczinkowsky
Länge 134 Min.
Darsteller Hannes Balla - Manfred Krug
Kati Klee - Krystyna Stypulkowska
Werner Horrath - Eberhard Esche
Hermann Jansen - Johannes Wieke
Richard Trutmann - Walter Richter-Reinick
Heinz Bleibtreu - Hans-Peter Minetti
Kollege Hesselbarth - Walter Jupé
Marianne Horrath - Ingeborg Schumacher
Frau Schicketanz - Gertrud Brendler
Elli - Helga Göring
u.a.

Die "Ballas" - wo diese Truppe von Zimmermännern auftaucht, da bleibt kein Auge trocken. Hannes Balla, der ihr vorsteht, sorgt dafür, dass seine Leute für gute Arbeit auch gutes Geld verdienen. Dabei stellt er so manche Regel der sozialistischen Planwirtschaft auf den Kopf. Die Partei und der Bauleiter hätten die "Ballas" längst zum Teufel gejagt, wenn sie nicht in puncto Arbeit die beste Truppe weit und breit wären.

Das Gleichgewicht der Baustelle gerät aus dem Lot, als zwei neue Kollegen für frischen Wind sorgen: Die hübsche Ingenieurin Kati Klee und der neue Parteisekretär Werner Horrath. Balla wirft sofort ein Auge auf Kati und legt sich in gewohnt rüder Manier mit dem Parteisekretär an, der sich in seine Arbeitsmethoden einmischen will. Als Balla merkt, dass es Horrath um echte Verbesserungen und um einen Kampf gegen Schlamperei und verpfuschte Planung geht, verbessert sich langsam ihr Verhältnis zueinander. Doch als Balla bestimmten Veränderungen im Arbeitsablauf zustimmt, rebellieren seine Zimmerleute. Und auch seine Beziehung zu Kati bekommt eine kalte Dusche, als er erfährt, dass sie schwanger ist. Die Moralapostel der Partei blasen zur Hetzjagd auf den unbequemen Parteisekretär, ehe herauskommt, dass er - verheiratet und Vater einer kleinen Tochter - der "Schuldige" ist. Balla muss sich entscheiden ...

Der Film erzählt schlüssig und lebensnah von der DDR zu Beginn der Sechzigerjahre, von den Menschen, die engagiert den Sozialismus aufbauen wollten, und jenen, die dies parteibürokratisch verhinderten. Die Macher waren damals junge Leute: Regisseur Frank Beyer war 32, Manfred Krug 28 Jahre alt. Sie waren davon überzeugt, ein Werk produziert zu haben, dass auch nach jenem berüchtigten 11. Plenum des Zentralkomitees der SED im Dezember 1965 von der Partei akzeptiert werden konnte.

Und zunächst sah es in der Tat so aus. Der Film wurde Mitte 1966 abgenommen, er lief eine Woche zu den Arbeiterfestspielen, bekam das Prädikat "Besonders wertvoll" und sollte am 30. Juni mit 56 Kopien starten. Dann mischte sich jedoch Walter Ulbricht persönlich ein: Die Premiere wurde von bestellten Zuschauern ausgepfiffen, der Film verboten, der Regisseur aus den DEFA-Studios in die Provinz verbannt. Im Gegensatz zu manch anderen Verbotsfilmen der DEFA-Produktion war "Spur der Steine" ein fertig gestellter Spielfilm und konnte in der Wendezeit am 23. November 1989 in den Kinos gestartet werden. Die Begeisterung bei Publikum und Kritik war groß: "Hier ist mit viel Witz und noch mehr Scharfsinn alles gebündelt, was das Klima der damaligen DDR bestimmt und in den anderen Filmen eher vereinzelt vorkam: Machtmissbrauch und Überforderung der Funktionäre, Prüderie und Verlogenheit der Partei, Schlamperei und Unfähigkeit der Planer, Verlogenheit und Ellbogenmentalität der Karrieretypen. Aber eben auch der Idealismus und die Opferbereitschaft, die Tapferkeit und die persönlichen Schwächen der kleinen Leute, die ein System am Leben hielten, das ihrer nicht würdig war" (Heyne-Filmjahrbuch 1991).
   

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