Der Mann mit der Schärpe

Spielfilm Frankreich/Italien 1962
Regie Giorgio Bianchi
Drehbuch Albert Valentin und Jean Manse, nach der Erzählung "Avanti la musica" von Charles Exbrayat
Musik Mario Nascimbene
Kamera Luciano Aquari
Länge 89 Minuten
Darsteller Attilio Capellaro - Fernandel
Mario Vinicio - Gino Cervi
Gianni Capellaro - Franck Fernandel
Aurora Vinicio - Milla Sannoner
Virgili, Stadtrat - Franco Parenti
Mezzanotte - Andrea Aureli
Silvana Crippa - Dada Gallotti
Luciano Crippa - Giuseppe Fortis
Vernazza, Stadtrat - Piero Vivaldi
Deutscher Offizier - Gérard Herter
und andere

April 1944: Nach ihrer Landung in Italien sind die Alliierten auf dem Vormarsch, um das Volk vom Faschismus zu befreien. Wie im ganzen Land freut man sich auch in der Stadt Ardea über die anstehende Niederschlagung des Mussolini-Regimes. Allein der fanatisch-linientreue Stadtverordnete Virgili setzt alles daran, die "faschistische Ordnung" aufrechtzuerhalten und den Widerstand gegen die amerikanischen Truppen zu mobilisieren. Der gewiefte Bürgermeister Vinicio versucht unterdessen seine Hände reinzuwaschen, indem er sein Amt an den bekannten Antifaschisten Capellaro abgibt, bevor die Amerikaner eintreffen. Nach einigem Zögern willigt der spöttische Capellaro unter der Bedingung ein, dass sein Sohn Gianni endlich Vinicios Tochter Aurora heiraten darf! Die feierliche Trauung findet jedoch ein trauriges Ende, als Virgili und die örtliche Parteigröße Crippa auftauchen, den Bürgermeisterwechsel für unzulässig und die Hochzeit für nichtig erklären - und Gianni mit sofortiger Wirkung an die Front schicken! Nur durch einen Trick gelingt es dem gewitzten Capellaro, seinen Sohn vor dem Wehrdienst zu bewahren. Aber die Probleme gehen erst richtig los, als der verhasste Crippa wenig später ermordet aufgefunden wird. Eine dreiköpfige Militäreinheit unter Leitung des vertrottelten Mezzanotte soll den Fall aufklären. Die Soldaten und der hysterische Virgili haben allerdings nicht mit dem Zusammenhalt der Dorfbewohner gerechnet: Mit vereinten Kräften gelingt es Capellaro, Vinicio und ihren Freunden, Crippas Leiche verschwinden zu lassen - denn wo keine Leiche ist, da ist auch kein Mord geschehen.

"Der Mann mit der Schärpe" ist eine im besten Sinne respektlose Politsatire. In einer intelligenten Mischung aus Situationskomik und Wortwitz nimmt der Film den Mussolini-Faschismus, blinden Gehorsam und politischen Opportunismus aufs Korn. In den Hauptrollen brilliert das legendäre Schauspieler-Duo Fernandel und Gino Cervi, das in den "Don Camillo und Peppone"-Abenteuern Filmgeschichte geschrieben hat. Fernandels Todestag jährte sich Februar 2011 zum 40. Mal. Fernandels besonderes Kennzeichen war sein strahlendes "Pferdegebiss" in einem Gesicht mit leinwandfüllendem Lachen. 1930 entdeckte der Regisseur Marc Allegrét dieses Gesicht. In den ersten Jahren spielte er oft "Schmarren", wie er selbst sagte, aber er wirkte auch in einem so großartigen Film wie "Le Schpountz" (1938) mit, wo er einen hinterwäldlerischen Verkäufer aus der Provence verkörpert. In den 1950er-Jahren hat er seine schönsten Rollen: den Don Camillo, der mit dem Kruzifix spricht und, wenn es sein muss, auch einmal kräftig zuschlägt. Bis 1965 spielt er ihn fünfmal. Als ernsthafter Charakterdarsteller kann er brillieren in Filmen wie "Die rote Herberge" (1951) und "Der Hammel mit den 5 Beinen" (1953), wo er nebst dem Vater auch gleich noch dessen fünf Söhne selber spielte. 1970 dreht er einen weiteren Don-Camillo-Film, doch Fernandel erkrankt an Krebs und die Dreharbeiten werden abgebrochen. Er erliegt seiner Krankheit am 26. Februar 1971 in Paris.
   

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