Mordanklage gegen einen Studenten

Italienischer Spielfilm von 1971
Regie Mauro Bolognini
Drehbuch Ugo Liberatore und Ugo Pirro, nach seinem Theaterstück
Musik Ennio Morricone
Kamera Giuseppe Ruzzolini
Darsteller Untersuchungsrichter Aldo Sola - Martin Balsam
Student Massimo Trotti - Luigi Diberti
Kommissar Cottone - Giuseppe Colizzi
Fabio - Massimo Ranieri
und andere

Zwei Tote, die im Leichenschauhaus Seite an Seite aufgebahrt sind, stellen den Untersuchungsrichter Aldo Sola (Martin Balsam) vor ein Problem: Beide Tote sind Opfer einer Auseinandersetzung zwischen linksradikalen Studenten und der Polizei. Der bislang integre Richter versucht die Untersuchung vorurteilsfrei zu leiten, aber das ist keinesfalls einfach, denn der eine Tote ist ein Polizist, der andere ein Student. Die Polizei drängt den Richter, den bei den Ausschreitungen verhafteten Studenten Massimo Trotti (Luigi Diberti) des Mordes zu überführen, allen voran der karrierehungrige Kommissar Cottone (Giuseppe Colizzi), der in allen Studenten nur rauschgiftsüchtige Strolche sieht.
Als Fabio (Massimo Ranieri), Sohn des Richters, heimlich Einblick in die Untersuchungsakten nimmt und kein Ausweg mehr besteht, den angeklagten Freund zu retten, gesteht Fabio seinem Vater, dass er der gesuchte Polizistenmörder ist. Er verspricht auch, sich zu stellen, fordert aber, dass dann auch der Polizist gefunden und verurteilt werden muss, der den tödlichen Schuss auf den Studenten abgab. Der Richter zieht seine Konsequenz: Er unterschreibt die Freilassung für den zu Unrecht Inhaftierten und gibt sein Amt auf, um nicht mehr zu verurteilen, sondern den Protest der Jugend zu verstehen.

Mauro Bologninis Film ist in erster Linie aus dem Kontext seiner Entstehungszeit zu verstehen, hat aber auch durchaus eine zeitunabhängige Dimension. Als der Film 1971 entstand, waren Studentenrevolten ein höchst aktuelles Thema, nicht nur in Italien. Bolognini vertritt eine klare Position: Er plädiert für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Zielen der jungen Leute. Auch ohne den unmittelbaren Zeitbezug bleibt der Film aufgrund seiner Auseinandersetzung mit einer vorurteilsfreien Rechtsfindung aktuell. Hervorzuheben die schauspielerisch Leistung von Martin Balsam als Richter.
   

Copyright © Jürgen Oellerich - All Rights Reserved