Teil 1: Andrej Bolkonski
Petersburg im Jahre 1805. In den Salons drehen
sich alle Gespräche um Napoleons Eroberungspolitik
und den bedrohlich näher rückenden Krieg.
Pierre Besuchow, unehelicher Sohn eines begüterten
Grafen, ist gerade von einem Studienaufenthalt
in Paris nach Petersburg zurückgekehrt und
empört die Gesellschaft mit seinen Ansichten
und seinem Benehmen. Selbst sein langjähriger
Freund Fürst Andrej Bolkonski hat wenig Verständnis
für Pierres philosophische Betrachtungen.
Er bedrängt Pierre, endlich eine standesgemäße
berufliche Laufbahn einzuschlagen. Doch Pierre
schließt sich einem Kreis trinkfreudiger
Adliger an und wird kurz darauf wegen groben Unfugs
aus Petersburg verbannt. Pierre geht nach Moskau.
Als wenig später sein Vater stirbt und er
als legitimer Erbe eines bedeutenden Vermögens
anerkannt wird, liegt ihm die Moskauer Gesellschaft
zu Füßen. Er gilt für alle heiratsfähigen
Fürstentöchter als eine der besten Partien
des Landes.
Andrej glaubt indessen, in dem spürbar näherrückenden
Krieg die Gelegenheit zu sehen, seinen Mut und
seine Vaterlandsliebe unter Beweis stellen zu
können. Auf Empfehlung seines Vaters wird
er Adjutant bei Kutusow, Oberbefehlshaber der
russischen Armee. Seine schwangere Frau Lisa lässt
er auf dem väterlichen Landgut zurück.
In der historischen Schlacht bei Austerlitz wird
die russische Armee vernichtend geschlagen und
Andrej schwer verletzt.
Er kehrt heim und erlebt mit, wie seine Frau bei
der Geburt des Sohnes stirbt. Lisas Tod und die
schrecklichen Kriegserlebnisse bewirken eine schwere
seelische Krise. Selbst Pierre kann seinen Freund
nicht aus seiner Depression reißen.
Eines Tages führt Andrejs Weg zu den Rostows,
in deren Haus er schon früher verkehrte.
Der inzwischen zu einem charmanten jungen Mädchen
herangewachsenen Natascha gelingt es, durch ihre
unbekümmerte Frische, Andrej den Glauben
an das Leben zurückzugeben ...
Teil 2: Natascha
1807. Fürst Andrej Bolkonski hat dank der
Lebensfrische der Komtesse Natascha Rostowa (Foto)
seinen Lebensmut wiedergefunden. Er hält
um ihre Hand an, gibt ihr jedoch wegen ihrer Jugend
ein Jahr Bedenkzeit. Für Natascha eine zu
große Bürde...
Ljudmila Saweljewa wurde für ihre feinfühlige,
empfindungsreiche Darstellung der Entwicklung
eines jungen Mädchens 1965 mit dem "Großen
Preis" des Internationalen Filmfestivals
von Moskau ausgezeichnet.
Teil 3: Borodino 1812
Im Juni 1812 überfällt Napoleon mit einer gewaltigen
Invasionsarmee ohne jede Kriegserklärung Russland.
In den Petersburger Salons debattiert der Adel
über den Posten des Oberkommandierenden. Fürst
Andrej Bolkonski meldet sich freiwillig zum Fronteinsatz
und auch sein Freund, Graf Pierre Besuchow, will
diesmal nicht abseits stehen. Am 7. September
1812 (26.08.1812) beginnt in der Nähe des Dorfes
Borodino, 110 km westlich von Moskau, eine furchtbare
Schlacht ... "Am 12. Juni überschritten die Heere
Westeuropas die russischen Grenzen und der Krieg
begann, das heißt, ein Vorgang, der aller menschlichen
Vernunft und aller Menschennatur ins Gesicht schlägt."
Mit diesen Worten beginnt Lew Tolstoi den dritten
Band seines Romans "Krieg und Frieden". Und weiter:
"Der Sieg, den die Russen bei Borodino errangen,
war kein Sieg, der nach der Anzahl der erbeuteten,
an Stangen genagelten und als Fahnen bezeichneten
Zeugfetzen oder nach dem von den Truppen vor oder
nach der Schlacht eingenommenen Räume bemessen
wird, sondern der moralische Sieg, jener Sieg,
der den Gegner von der moralischen Überlegenheit
des Feindes und seiner eigenen Ohnmacht überzeugt."
Teil 4: Pierre Besuchow
Die bei Borodino nicht vollends geschlagenen Franzosen
marschieren weiter gen Moskau. Feldmarschall Kutusow
sieht sich gezwungen, Moskau zu räumen, will
er nicht den Totalverlust seiner erschöpften
Armee riskieren. Fürst Andrej Bolkonski liegt
im Sterben. Natascha und Pierre Besuchow sind
auf der Suche nach sich selbst und einem Wendepunkt
in ihrem Leben ...
In apokalyptischen Bildern zeigt Sergej Bondartschuk
das brennende Moskau, die Plünderungen, die
Unmenschlichkeit des Krieges.
***
"Ich habe mich bemüht, eine Geschichte
des Volkes zu schreiben", sagte Lew Tolstoi
über das gewaltigste seiner gewaltigen Werke.
In seiner Heimat wurde "Krieg und Frieden"
ein wahres Volksbuch. Heute gehört sein Roman
zur Weltliteratur.
Souverän und mit leidenschaftlicher Anteilnahme
gestaltete Tolstoi eine entscheidende Periode
(1805-1812) im gesellschaftlichen Umbruch Russlands.
Sieben Mal schrieb Tolstoi den Roman um, ehe er
ihn nach fünf Jahren 1869 abschloss.
Lew (Leo) Nikolajewitsch Graf Tolstoi entstammt
einem alten russischen Adelsgeschlecht und wurde
vor 175 Jahren, am 9. September 1828, auf dem
Gut Jasnaja Poljana (bei Tula) geboren. Seine
Hauptwerke sind die Romane "Krieg und Frieden"
(1865/69), "Anna Karenina" (1875/77)
und "Auferstehung" (1899).
Eindrucksvolle Milieuschilderungen, die Widersprüchlichkeiten
der menschlichen Psyche sowie schonungslose Gesellschaftskritik
verstand er einzigartig und harmonisch zu verbinden.
Lew Tolstoi starb am 20. November 1910 in Astapowo.
Mit seiner Klasse hatte er gebrochen und war entschiedener
Gegner der aristokratisch-kapitalistischen Gesellschaft
geworden.
Der Film "Krieg und Frieden" folgt exakt
der Tolstoi'schen Vorlage, sein Autor und Regisseur
Bondartschuk wurde durch Filme wie "Ein Menschenschicksal"
(1959) oder "Waterloo" (1970) und zahlreiche
Kino- und Fernsehrollen international bekannt.
"Krieg und Frieden" erhielt 1965 auf
dem Internationalen Filmfestival in Moskau den
"Großen Preis" und 1969 den "Oscar"
für den besten ausländischen Film.