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Immer, wenn der Orientexpress durch das abgeschiedene
Alpental fährt, laufen Beatrice und Giovanni
hinaus, um ihm sehnsüchtig nachzuschauen. Die
Lehrerin weiß, dass es töricht ist, einem
Zug nachzustarren. Aber sie wehrt sich damit gegen
das Gefühl, in dem Dorf, das im Winter von
der Außenwelt abgeschnitten ist, lebendig
begraben und den plumpen Werbungen des Bürgermeisters
dal Pozzo ausgesetzt zu sein. Dann, am 24. Dezember
1903, bleibt der Zug stehen. Eine Schneelawine macht
seine Weiterfahrt unmöglich. Die Reisenden
werden mit Schlitten ins Dorf gebracht und auf die
Häuser verteilt.
Das Weihnachtsfest will man zusammen feiern. Giovanni
ist voller Bewunderung für die schöne
Sängerin Roxane und als sie am Heiligen Abend
das "Ave Maria" singt, ist es vollends
um ihn geschehen. Überglücklich über
Roxanes offensichtliches Interesse übersieht
der junge Mann, dass Roxanes Manager Baté
mehr als nur ihre geschäftlichen Interessen
wahrnimmt. Beatrice wiederum fühlt sich magisch
zu dem Journalisten Jacques hingezogen. Ehe ihr
bewusst wird, dass sie verliebt ist, schafft dal
Pazzo vollendete Tatsachen.
Auf dem von Roxane organisierten Weihnachtsball
verkündet der Bürgermeister seine Verlobung
mit der jungen Lehrerin. Fassungslos lässt
Beatrice die Glückwünsche über sich
ergehen. Als ihr dann der Inhalt eines geheimen
Telegramms bekannt wird, verabredet sie hastig mit
Jacques ein heimliches Rendezvous auf ihrem Zimmer.
Verwundert erlebt Jacques die Hingabe dieser bisher
so spröden jungen Frau. Erst am Morgen erfährt
er, dass Beatrice ihn für einen steckbrieflich
gesuchten Hochstapler hält und ihn schützen
will. Beschämt wegen ihres Irrtums zieht sie
sich von Jacques zurück.
Dann kommt der Tag der Weiterreise. Roxanes Spiel
mit Giovanni ist zu Ende. Er muss wohl für
immer in diesem Dorf bleiben. Doch er beschwört
Beatrice, ihr Glück nicht davonfahren zu lassen
... "Orientexpress" ist eine der ersten
größeren internationalen Koproduktion
mit deutscher Beteiligung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Neben einer prächtigen Ausstattung ist es die
prominente Besetzung, die den besonderen Reiz des
Films ausmacht: Curd Jürgens, Eva Bartok, Silvana
Pampanini und Henri Vidal. Curd Jürgens, an
den das MDR FERNSEHEN anlässlich seines 95.
Geburtstags im Dezember 1210 erinnern will, ist
zu jener Zeit als Typus des stürmischen Liebhabers
und schneidigen Draufgängers der aufgehende
Stern im deutschen Film.
Auch privat bedient er schon damals gern diese Rolle
- er ist mit seiner Partnerin Eva Bartok verbandelt,
die er 1955 heiratet. Die Ehe hält 15 Monate
und sorgt für viele Schlagzeilen. Curd Jürgens,
der 1935 in "Königswalzer" debütiert,
spielt in den folgenden Jahren viel Theater. So
wird er 1941 Mitglied des Wiener Burgtheaters, dem
er mit Unterbrechungen 40 Jahre angehört. Ab
1950 spielt er in der Bundesrepublik. Mit der Darstellung
des Luftwaffengenerals Harras in Helmut Käutners
"Des Teufels General" (1955) kommt der
große Erfolg. Als international gefragter
Filmstar spielt er u. a. mit Ingrid Bergman, Peter
O'Toole, Robert Mitchum, Orson Welles und Brigitte
Bardot, die ihn den "normannischen Kleiderschrank"
nennt.
Neben Unterhaltungsfilmen, wie den St.-Pauli-Filmen
Ende der Sechziger-, Anfang der Siebzigerjahre,
brilliert er auch immer wieder in facettenreichen
Rollen mit Tiefgang. So ist er "Collin"
in der TV-Verfilmung des gleichnamigen Romans von
Stefan Heym. Curd Jürgens, der fünf Mal
heiratet, inszenierte auch gern sein Privatleben.
Er ist der Frauenheld, der heiter verklärte
Lebemann, nachzulesen in seinen Memoiren "...
und kein bisschen weise". Er stirbt am 18.
Juni 1982 in Wien.
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