Orientexpress

Spielfilm Italien/Frankreich/BRD 1954
Regie Carlo Ludovico Bragaglia
Drehbuch Paul Andréota, Kurt Heuser und Aldo De Benedetti, nach einer Idee von Jacques Companéez
Musik Renzo Rossellini
Kamera Aldo Tonti
Darsteller Baté - Curd Jürgens
Roxane - Eva Bartok
Beatrice - Silvana Pampanini
Jacques - Henri Vidal
Giovanni - Michael Lenz
Filippo dal Pozzo - Folco Lulli
Mr. Davis - Robert Arnoux
Agnes, Apothekerin - Liliane Bert
Signora Bartolin - Olga Solbelli
Chef der Can-Can-Truppe - Arturo Bragaglia
u. a.

Immer, wenn der Orientexpress durch das abgeschiedene Alpental fährt, laufen Beatrice und Giovanni hinaus, um ihm sehnsüchtig nachzuschauen. Die Lehrerin weiß, dass es töricht ist, einem Zug nachzustarren. Aber sie wehrt sich damit gegen das Gefühl, in dem Dorf, das im Winter von der Außenwelt abgeschnitten ist, lebendig begraben und den plumpen Werbungen des Bürgermeisters dal Pozzo ausgesetzt zu sein. Dann, am 24. Dezember 1903, bleibt der Zug stehen. Eine Schneelawine macht seine Weiterfahrt unmöglich. Die Reisenden werden mit Schlitten ins Dorf gebracht und auf die Häuser verteilt.

Das Weihnachtsfest will man zusammen feiern. Giovanni ist voller Bewunderung für die schöne Sängerin Roxane und als sie am Heiligen Abend das "Ave Maria" singt, ist es vollends um ihn geschehen. Überglücklich über Roxanes offensichtliches Interesse übersieht der junge Mann, dass Roxanes Manager Baté mehr als nur ihre geschäftlichen Interessen wahrnimmt. Beatrice wiederum fühlt sich magisch zu dem Journalisten Jacques hingezogen. Ehe ihr bewusst wird, dass sie verliebt ist, schafft dal Pazzo vollendete Tatsachen.

Auf dem von Roxane organisierten Weihnachtsball verkündet der Bürgermeister seine Verlobung mit der jungen Lehrerin. Fassungslos lässt Beatrice die Glückwünsche über sich ergehen. Als ihr dann der Inhalt eines geheimen Telegramms bekannt wird, verabredet sie hastig mit Jacques ein heimliches Rendezvous auf ihrem Zimmer. Verwundert erlebt Jacques die Hingabe dieser bisher so spröden jungen Frau. Erst am Morgen erfährt er, dass Beatrice ihn für einen steckbrieflich gesuchten Hochstapler hält und ihn schützen will. Beschämt wegen ihres Irrtums zieht sie sich von Jacques zurück.

Dann kommt der Tag der Weiterreise. Roxanes Spiel mit Giovanni ist zu Ende. Er muss wohl für immer in diesem Dorf bleiben. Doch er beschwört Beatrice, ihr Glück nicht davonfahren zu lassen ... "Orientexpress" ist eine der ersten größeren internationalen Koproduktion mit deutscher Beteiligung nach dem Zweiten Weltkrieg. Neben einer prächtigen Ausstattung ist es die prominente Besetzung, die den besonderen Reiz des Films ausmacht: Curd Jürgens, Eva Bartok, Silvana Pampanini und Henri Vidal. Curd Jürgens, an den das MDR FERNSEHEN anlässlich seines 95. Geburtstags im Dezember 1210 erinnern will, ist zu jener Zeit als Typus des stürmischen Liebhabers und schneidigen Draufgängers der aufgehende Stern im deutschen Film.

Auch privat bedient er schon damals gern diese Rolle - er ist mit seiner Partnerin Eva Bartok verbandelt, die er 1955 heiratet. Die Ehe hält 15 Monate und sorgt für viele Schlagzeilen. Curd Jürgens, der 1935 in "Königswalzer" debütiert, spielt in den folgenden Jahren viel Theater. So wird er 1941 Mitglied des Wiener Burgtheaters, dem er mit Unterbrechungen 40 Jahre angehört. Ab 1950 spielt er in der Bundesrepublik. Mit der Darstellung des Luftwaffengenerals Harras in Helmut Käutners "Des Teufels General" (1955) kommt der große Erfolg. Als international gefragter Filmstar spielt er u. a. mit Ingrid Bergman, Peter O'Toole, Robert Mitchum, Orson Welles und Brigitte Bardot, die ihn den "normannischen Kleiderschrank" nennt.

Neben Unterhaltungsfilmen, wie den St.-Pauli-Filmen Ende der Sechziger-, Anfang der Siebzigerjahre, brilliert er auch immer wieder in facettenreichen Rollen mit Tiefgang. So ist er "Collin" in der TV-Verfilmung des gleichnamigen Romans von Stefan Heym. Curd Jürgens, der fünf Mal heiratet, inszenierte auch gern sein Privatleben. Er ist der Frauenheld, der heiter verklärte Lebemann, nachzulesen in seinen Memoiren "... und kein bisschen weise". Er stirbt am 18. Juni 1982 in Wien.
   

Copyright © Jürgen Oellerich - All Rights Reserved