Der letzte Mann

Deutscher Spielfilm von 1955
Regie Harald Braun
Drehbuch George Hurdalek und Herbert Witt
Musik Werner Eisbrenner
Kamera Richard Angst
Darsteller Karl Knesebeck - Hans Albers
Niddy Hövelmann - Romy Schneider
Herr Claasen - Rudolf Forster
Vetter Alwin - Joachim Fuchsberger
Helmuth Bühler - Michael Heltau
Sabine Hövelmann - Camilla Spira
Friseur Popp - Willy Stettner
Empfangschef Pichler - Franz Essel
Otto, Kellner - Walter Gross
Eugen, Kellner - Karl Maria Schley
u. a.

Seit Jahrzehnten gehört Karl Knesebeck beim Kurhotel "Hövelmann" zur Belegschaft, hat sich hoch gearbeitet zum Oberkellner und ist inzwischen die Graue Eminenz und Seele des Betriebs, vor allem seit die schwer kranke Besitzerin Sabine Hövelmann sich nicht mehr um alles kümmern kann. Auch die junge Niddy, die Nichte von Frau Hövelmann, sieht in Karl Knesebeck mehr den Vater als den Oberkellner.

Als die Chefin ihrem Leiden erliegt, ändert sich für Karl Knesebeck die Lage radikal. In seiner selbstbewussten Art kollidiert er mit den gierigen Erben, vor allem mit dem aalglatten, wenn auch attraktiven Vetter Alwin, dem neuen Geschäftsführer, der alles daransetzt, Niddy den Kopf zu verdrehen und durch Heirat das Kurhotel in seine skrupellosen Hände zu bekommen. Naiv und romantisch lässt sich Niddy von Alwins Charme blenden, der Verlobung scheint nichts mehr im Weg zu stehen. Und dabei ist der nette Volontär Helmuth Bühler über beide Ohren in Niddy verliebt. Verzweifelt zieht er sich zurück.

Als Knesebeck Alwin zur Rede stellt, reagiert dieser eiskalt. Nach den Bestimmungen des Testaments kann er den Oberkellner zwar nicht entlassen, doch es ist nicht verboten, ihn zu versetzen. Und so landet Knesebeck im Vorraum der Toiletten. Zum ersten Mal spürt der alternde Mann, wie wenig man sich auf sein Glück oder auf so genannte Freunde verlassen kann. Für Niddy lässt die Gemeinheit, die man ihrem lieben Karl antut, die ersten Zweifel an dem Mann ihrer Jungmädchenträume wach werden. Ihre Gefühle geraten durcheinander.

Eines Tages taucht im Kurhotel "Hövelmann" ein alter, schwerreicher Gast auf, der sich sofort nach Knesebeck erkundigt. Er ist entsetzt, als er den guten Freund im Toilettenraum wiederfindet. Konsul Claasen, Besitzer einer großen Hotelkette, ist nicht nur ein vornehmer, sondern auch ein schnell entschlossener Herr. Kurzerhand kauft er das "Hövelmann" auf. Vetter Alwin wird entmachtet, Karl Knesebeck zum Geschäftsführer ernannt. Jetzt haben die beiden Alten nur noch einen Wunsch - die Hochzeit zwischen Alwin und Niddy zu verhindern. Da kommt ihnen ein gewisser Helmuth Bühler wie gerufen.

Mit "Der letzte Mann" inszenierte Harald Braun (1901-1960), der Star unter den deutschen Regisseuren der frühen Nachkriegszeit, ein freies Remake des gleichnamigen Stummfilmklassikers von Friedrich Wilhelm Murnau (1924). In der Titelrolle bewies der einstige Teufelskerl des Ufa-Films Hans Albers erstaunliche Qualitäten als Charakterdarsteller. Der alternde Hans Albers (1891-1960), an dessen 115. Geburtstag am 22.09.2006 das MDR FERNSEHEN erinnern will, und die blutjunge Romy Schneider (die am 23.09.2006 Geburtstag hatte), der spätere Weltstar, harmonieren bestens miteinander - die Vergangenheit und die Zukunft des Films gemeinsam vor der Kamera.

Hans Albers war einer der wenigen großen deutschen Volksschauspieler, eine Mischung aus Jean Gabin und Maurice Chevalier, mit einer unmittelbaren physischen Präsenz und jener unverwechselbaren brüchigen Heiserkeit in der Stimme, die ihn gleichermaßen zum Liebling der Theatergänger wie zum Tonfilmstar prädestinierten. Fritz Kortner beschrieb ihn als "ein urwüchsiges, um seine saftigen Wirkungen ungestüm bemühtes und nicht gerade partnerliebendes Mannesstück". Oder, wie Siegfried Kracauer urteilte: "Dieser menschliche Dynamo mit dem goldenen Herzen verkörperte im Film, was jeder im Leben gern gewesen wäre".

Albers war Bösewicht, Verführer, Detektiv, Möbelpacker, Kapitän, Hafenpolizist, Ingenieur, Clown und Flieger - bis er nach dem Krieg unmerklich ins Charakterfach wechselte und folgerichtig seine erste Nachkriegsrolle als Familienvater in einem Trümmerfilm spielte. Das Geheimnis seines Erfolges als Volksschauspieler lag aber wohl im Geheimnis seiner Person. Jenseits der Rollengestalt schien er jederzeit über die Freiheit zu verfügen, seine Männlichkeit mit einem Glas in der Hand und dem entsprechenden Lied feiern zu können.
   

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