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In einer Schule des 20. Pariser Arrondissements,
einem sozialen Brennpunkt, wartet auf den Französischlehrer
François eine lärmende siebte Klasse
von 24 Schülern, die meisten mit Migrationshintergrund.
Bereits sein Ansinnen, jeder Schüler solle
den eigenen Namen aufschreiben, erntet patzige Widerworte.
Bis François zum eigentlichen Thema kommt,
dem Tagebuch der Anne Frank, ist die Stunde wieder
einmal fast vorüber. Der Versuch des ambitionierten
Pädagogen, Unterricht zu halten, scheitert
an einem unablässigen Kampf um Respekt, Disziplin
und ein gedeihliches Miteinander.
Auch die latente Arroganz des Paukers kommt nicht
gut an. Die Schüler zeigen ihm deutlich, dass
sie wenig Sinn im Erlernen der gepflegten Schriftsprache
sehen. Und die Frage, ob er schwul sei, interessiert
zumindest die Jungs mehr als alles andere. Nicht
zufällig eskaliert die Situation durch ein
Sprachproblem. Esmeralda und Louise , im Unterricht
nicht die Hellsten, wohnen als Schülervertreterinnen
der Notenkonferenz bei, wo sie aufschnappen, dass
François ihren Klassenkameraden Souleymane
als beschränkt bezeichnet. Dass François
den Problemschüler als Einziger verteidigte,
überhören die Mädchen und geben die
Wortwahl ihres Lehrers so weiter, dass Souleymane
sich grob beleidigt fühlen muss. Im Klassenzimmer
kommt es daraufhin zum Handgemenge. Am Ende wird
Souleymane der Schule verwiesen und muss in sein
Dorf nach Mali zurück. Eine bittere Niederlage
für die Pädagogen.
Das auf einem Roman des Ex-Lehrers François
Bégaudeau basierende Schuldrama gewann in
Cannes die Goldene Palme und wurde für den
Oscar nominiert. Der Clou: Bégaudeau spielt
auch die Hauptrolle, die Schülerdarsteller
sind talentierte Laien, die ihre Charaktere - von
der Nervensäge über den aggressiven Totalverweigerer,
der Unscheinbaren bis hin zum Musterknaben - in
Workshops improvisierten; die Filmeltern sind meist
auch die eigenen. Der 49-jährige Autorenfilmer
Laurent Cantet legte bereits mit seinem Drama "Ressources
Humaines" den Finger in gesellschaftliche Wunden.
"Die Klasse" spielt gänzlich innerhalb
der Schulmauern: "Entre les murs" lautet
der Originaltitel, und die Kunst besteht darin,
dass der Film diese räumliche Beschränkung
fast vollständig einhält. Mit seinem direkten,
halbdokumentarischen Stil und dank der Konzentration
auf seine unaufdringlichen Lehrer- und Schülerporträts
ist diese Sozialstudie fesselnder als so mancher
Oscar-Gewinner.
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