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Paul und Paula kennen sich schon lange vom Sehen:
Paula ist Verkäuferin an der Kasse einer Kaufhalle,
Paul ihr Kunde. Aufgewachsen im gleichen Kiez von
Ost-Berlin, gingen sie völlig unterschiedliche
Wege. Paul hat Karriere gemacht und führt eine
zur Farce gewordene Ehe. Paula bekam viel zu früh
ein Kind, verpasste die Berufsausbildung und lebt
nun allein mit zwei Kindern. Des Alleinseins müde,
trägt sie sich mit dem Gedanken, eine "Versorgungsehe"
mit dem älteren "Reifen-Saft" einzugehen.
Doch vorher will sie noch einmal so richtig "die
Sau "rauslassen". In einem Beatschuppen
trifft sie Paul, und zum ersten Mal sehen sich die
Beiden bewusst, werden von einem leidenschaftlichen
Verlangen erfasst. Paula gibt sich diesem Glücksgefühl
kompromisslos hin, sieht darin die "große,
unwiederholbare Liebe". Doch Paul scheut die
eindeutige Entscheidung, fürchtet sich vor
dem, was die Leute sagen könnten, will seine
Position im Ministerium für Außenhandel
nicht gefährden. Der Unfalltod ihres kleinen
Sohnes wird für Paula schließlich zum
Anlass, sich von Paul zu trennen. Als Paul erkennt,
dass auch Paula für ihn zur großen Liebe
geworden ist, beginnt er um sie zu kämpfen.
Tagelang sitzt er vor Paulas Tür, um sie schließlich
mit einer Axt einzuschlagen und seine Paula zurück
zu erobern. Aber ihr Glück ist nur von kurzer
Dauer ...
"Die Legende von Paul und Paula" ist ein
"erfrischend unterhaltsamer und offener Film,
der Traum und Wirklichkeit, Poesie und banale Alltagsrealität
mischt, und mit Spaß, Ironie und Ernst künstlerisch
entfaltet. Der schauspielerisch beachtliche Film
macht durch seine grotesken Übersteigerungen
deutlich, dass es auch in einer vorgeblich klassenlosen
Gesellschaft Klassen gibt" (Lexikon des Internationalen
Films). Mit dieser tragikomischen Lovestory, nach
einem Drehbuch von Ulrich Plenzdorf entstanden,
feierte Regisseur und Co-Autor Heiner Carow seinen
größten Erfolg. Schon damals wurde "Die
Legende von Paul und Paula" zum Kultfilm, obwohl
es den Begriff im damaligen offiziellen Kunstverständnis
und Sprachgebrauch nicht gab, bis heute hat er nichts
von seiner Wirkung und seinem Charme verloren. Nach
wie vor begeistert er das Publikum durch die ungewöhnlich
spontanen Liebesszenen und die Kritik an gesellschaftlichen
Konventionen sowie die herausragenden darstellerischen
Leistungen. Heiner Carow, der zu den besten Regisseuren
der DEFA gehörte, bewies seine künstlerische
Kraft und Sensibilität bereits in seinem Filmdebüt
"Sheriff Teddy" (1957). Carow war - salopp
formuliert - "Experte" in der Verfilmung
von Liebes-, Ehe- und Beziehungskonflikten ("Ikarus",
"Bis dass der Tod euch scheidet"). Er
verstand es meisterhaft, die verschiedensten Gefühlstiefen
auszuloten und dabei Mängel und Missstände
des Alltags im real existierenden Sozialismus mit
subtiler Kritik zu verdeutlichen. Am 09. November
1989, dem Tag des Mauerfalls, hatte Heiner Carows
letzter großer Publikumserfolg Premiere: "Coming
Out", eine Schwulen-Liebesgeschichte. "Liebe
ist die einzige menschliche Dimension gegen alle
gesellschaftlichen Zwänge. Liebe ist das Pendant
zu Vereinzelung, Entfremdung, Egoismus. Für
mich ist Liebe das einzige Motiv, das künstlerisch
zu gestalten lohnt", so umriss er selbst sein
Schaffen. Heiner Carow starb am 31. Januar 1997
an einem Gehirnschlag. Viele schöne Filmideen,
für die sich keine Geldgeber fanden, nahm er
mit ins Grab.
Jürgen Frohriep, der in einer Nebenrolle den
"Blonden Martin" spielt, wäre am
29. April 2008 80 Jahre alt geworden. 1928 geboren,
gehört er zu jener Generation, deren Entwicklungsweg
stark vom Krieg bestimmt wird. Er kommt durch die
FDJ-Laienspielbewegung - ohne jegliche professionelle
Schauspielerausbildung - zum Theater, ist u.a. in
Stralsund, Erfurt und Altenburg engagiert. Ende
der 1950er Jahre wird Konrad Wolf auf ihn aufmerksam
und holt ihn für die Hauptrolle der deutsch-bulgarischen
Koproduktion "Sterne" (1959) erstmals
vor die Kamera, als Manfred von der Lohe in "Weißes
Blut" folgt im selben Jahr eine weitere Hauptrolle.
Er wird festes Mitglied des DEFA-Ensembles, festgelegt
ist fortan aber auch sein Rollentypus - der des
deutschen Landsers.
Ab Ende der 1960er Jahre werden die Rollenangebote
spärlicher, Frohriep wechselt zum Fernsehen
und ermittelt ab 1972 als Oberleutnant Hübner
in der Krimireihe "Polizeiruf 110". Er
löst bis 1991 66 Fälle und erlebt eine
zweite Popularitätswelle. Außerdem arbeitet
er auch als Fernsehmoderator und viel beschäftigter
Synchronsprecher. Nach der Wende und dem Ende des
DFF ist er leider nicht mehr gefragt. Er stirbt
im Juli 1993.
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