Die Legende von Paul und Paula

Spielfilm aus der DDR von 1973
Regie Heiner Carow
Drehbuch Ulrich Plenzdorf und Heiner Carow
Musik Peter Gotthardt
Kamera Jürgen Brauer
Darsteller Paula - Angelica Domröse
Paul - Winfried Glatzeder
Pauls Frau - Heidemarie Wenzel
Reifen-Saft - Fred Delmare
Professor - Rolf Ludwig
Schießbudenbesitzer - Hans Hardt-Hardtloff
Frau des Schießbudenbesitzers Käthe Reichel
Kollege Schmidt - Frank Schenk
Kumpel - Dietmar Richter-Reinick
Martins Freundin - Eva-Maria Hagen
u.a.

Paul und Paula kennen sich schon lange vom Sehen: Paula ist Verkäuferin an der Kasse einer Kaufhalle, Paul ihr Kunde. Aufgewachsen im gleichen Kiez von Ost-Berlin, gingen sie völlig unterschiedliche Wege. Paul hat Karriere gemacht und führt eine zur Farce gewordene Ehe. Paula bekam viel zu früh ein Kind, verpasste die Berufsausbildung und lebt nun allein mit zwei Kindern. Des Alleinseins müde, trägt sie sich mit dem Gedanken, eine "Versorgungsehe" mit dem älteren "Reifen-Saft" einzugehen. Doch vorher will sie noch einmal so richtig "die Sau "rauslassen". In einem Beatschuppen trifft sie Paul, und zum ersten Mal sehen sich die Beiden bewusst, werden von einem leidenschaftlichen Verlangen erfasst. Paula gibt sich diesem Glücksgefühl kompromisslos hin, sieht darin die "große, unwiederholbare Liebe". Doch Paul scheut die eindeutige Entscheidung, fürchtet sich vor dem, was die Leute sagen könnten, will seine Position im Ministerium für Außenhandel nicht gefährden. Der Unfalltod ihres kleinen Sohnes wird für Paula schließlich zum Anlass, sich von Paul zu trennen. Als Paul erkennt, dass auch Paula für ihn zur großen Liebe geworden ist, beginnt er um sie zu kämpfen. Tagelang sitzt er vor Paulas Tür, um sie schließlich mit einer Axt einzuschlagen und seine Paula zurück zu erobern. Aber ihr Glück ist nur von kurzer Dauer ...

"Die Legende von Paul und Paula" ist ein "erfrischend unterhaltsamer und offener Film, der Traum und Wirklichkeit, Poesie und banale Alltagsrealität mischt, und mit Spaß, Ironie und Ernst künstlerisch entfaltet. Der schauspielerisch beachtliche Film macht durch seine grotesken Übersteigerungen deutlich, dass es auch in einer vorgeblich klassenlosen Gesellschaft Klassen gibt" (Lexikon des Internationalen Films). Mit dieser tragikomischen Lovestory, nach einem Drehbuch von Ulrich Plenzdorf entstanden, feierte Regisseur und Co-Autor Heiner Carow seinen größten Erfolg. Schon damals wurde "Die Legende von Paul und Paula" zum Kultfilm, obwohl es den Begriff im damaligen offiziellen Kunstverständnis und Sprachgebrauch nicht gab, bis heute hat er nichts von seiner Wirkung und seinem Charme verloren. Nach wie vor begeistert er das Publikum durch die ungewöhnlich spontanen Liebesszenen und die Kritik an gesellschaftlichen Konventionen sowie die herausragenden darstellerischen Leistungen. Heiner Carow, der zu den besten Regisseuren der DEFA gehörte, bewies seine künstlerische Kraft und Sensibilität bereits in seinem Filmdebüt "Sheriff Teddy" (1957). Carow war - salopp formuliert - "Experte" in der Verfilmung von Liebes-, Ehe- und Beziehungskonflikten ("Ikarus", "Bis dass der Tod euch scheidet"). Er verstand es meisterhaft, die verschiedensten Gefühlstiefen auszuloten und dabei Mängel und Missstände des Alltags im real existierenden Sozialismus mit subtiler Kritik zu verdeutlichen. Am 09. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, hatte Heiner Carows letzter großer Publikumserfolg Premiere: "Coming Out", eine Schwulen-Liebesgeschichte. "Liebe ist die einzige menschliche Dimension gegen alle gesellschaftlichen Zwänge. Liebe ist das Pendant zu Vereinzelung, Entfremdung, Egoismus. Für mich ist Liebe das einzige Motiv, das künstlerisch zu gestalten lohnt", so umriss er selbst sein Schaffen. Heiner Carow starb am 31. Januar 1997 an einem Gehirnschlag. Viele schöne Filmideen, für die sich keine Geldgeber fanden, nahm er mit ins Grab.

Jürgen Frohriep, der in einer Nebenrolle den "Blonden Martin" spielt, wäre am 29. April 2008 80 Jahre alt geworden. 1928 geboren, gehört er zu jener Generation, deren Entwicklungsweg stark vom Krieg bestimmt wird. Er kommt durch die FDJ-Laienspielbewegung - ohne jegliche professionelle Schauspielerausbildung - zum Theater, ist u.a. in Stralsund, Erfurt und Altenburg engagiert. Ende der 1950er Jahre wird Konrad Wolf auf ihn aufmerksam und holt ihn für die Hauptrolle der deutsch-bulgarischen Koproduktion "Sterne" (1959) erstmals vor die Kamera, als Manfred von der Lohe in "Weißes Blut" folgt im selben Jahr eine weitere Hauptrolle. Er wird festes Mitglied des DEFA-Ensembles, festgelegt ist fortan aber auch sein Rollentypus - der des deutschen Landsers.

Ab Ende der 1960er Jahre werden die Rollenangebote spärlicher, Frohriep wechselt zum Fernsehen und ermittelt ab 1972 als Oberleutnant Hübner in der Krimireihe "Polizeiruf 110". Er löst bis 1991 66 Fälle und erlebt eine zweite Popularitätswelle. Außerdem arbeitet er auch als Fernsehmoderator und viel beschäftigter Synchronsprecher. Nach der Wende und dem Ende des DFF ist er leider nicht mehr gefragt. Er stirbt im Juli 1993.
   

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