Ein Kind wartet

Spielfilm USA 1962
Regie John Cassavetes
Drehbuch Abby Mann
Musik Ernest Gold
Kamera Joseph LaShelle
Darsteller Dr. Matthew Clark - Burt Lancaster
Jean Hansen - Judy Garland
Sophie Widdicombe - Gena Rowlands
Reuben Widdicombe - Bruce Ritchey
Goodman - Paul Stewart
Douglas Benham - Lawrence Tierney
Ted Widdicombe - Steven Hill
Mattie - Gloria McGehee
Miss Fogarty - Elizabeth Wilson
Miss Brown - Barbara Pepper
u. a.

Die junge Musiklehrerin Jean Hansen bewirbt sich in der von dem Psychologen Dr. Matthew Clark geleiteten psychiatrischen Kinderklinik. Sie ist vom Leben enttäuscht und möchte durch die Arbeit mit den Kindern etwas Gutes tun. Jean hat keine Fachkenntnisse, doch sie überzeugt Dr. Clark durch ihr starkes Engagement. Rasch wird sie auf den zwölfjährigen Reuben Widdicombe aufmerksam. Der introvertierte Junge sondert sich trotzig von allen anderen ab, doch gegenüber Jean zeigt er ein spontanes Zutrauen. Jean hört, dass Reuben seit seiner Ankunft im Heim noch nie von seinen Eltern besucht worden ist. Sie sorgt sich daraufhin so intensiv um ihn, dass sie die anderen Patienten vernachlässigt. Dr. Clark wirft Jean daraufhin vor, dass Liebe allein keine Lösung für Reubens Probleme sei. Er will nicht, dass Reuben ständig umsorgt wird und möchte stattdessen die Eigeninitiative des Jungen wecken. Jean ist von den oft recht ruppigen Entscheidungen ihres Chefs enttäuscht. Er lehnte es auch ab, Reubens Eltern einzuladen. Unter einem Vorwand lässt Jean dennoch Sophie und Ted Widdicombe in die Klinik kommen. Damit löst sie eine dramatische Konfrontation aus.

John Cassavetes dritte Regiearbeit ist ein einfühlsames Plädoyer für den verständnisvollen Umgang mit geistig Behinderten. Bis auf den Hauptdarsteller Bruce Ritchey waren die mitwirkenden Kinder tatsächlich Patienten des Pacific State Hospital in Pomona/Kalifornien, wo der Film entstand. Besonders beeindruckt der sensible Umgang der Hollywood-Stars Judy Garland/Burt Lancaster mit den jungen Laiendarstellern. Burt Lancaster, an den das MDR FERNSEHEN anlässlich seines 15. Todestages am 20. Oktober 2009 erinnern will, spielt die Rolle des Dr. Matthew Clark, des Leiters der Kinderklinik. Er war einer der ganz großen Hollywoods. Der ehemalige Akrobat Burt Lancaster, am 2. November 1913 als Sohn einer irischen Einwandererfamilie im New Yorker Stadtteil Harlem geboren, kam erst mit 33 Jahren zum Film. Sein Debüt in Robert Siodmaks meisterhaftem "film noir" "Die Killer" (1946) wurde zur Sensation und Lancaster mit einem Schlag zum Star. In mehr als 70 Filmen spielte "Amerikas männlichster Schauspieler" (AZ) mit. "Er ritt schießend durch den Wilden Westen, kaperte Schiffe auf hoher See - und er brach unzählige Frauenherzen. Er war immer er selbst und trotzdem als Degenheld, Gangster oder Gefängnisinsasse genauso glaubwürdig wie ein italienischer Hochadliger" (AZ, 22./23.10.1994). Zu den Höhepunkten seiner überreichen Karriere zählen der hinreißende Piratenfilm "Der rote Korsar" (1952), der Edelwestern "Vera Cruz" (1954), die Romanverfilmung "Elmer Gantry" (1959), die ihm in der Titelrolle einen Oscar einbrachte, Lucino Viscontis Meisterwerk "Der Leopard" (1960) oder die Gaunerkomödie "Archie und Harry - sie können's nicht lassen" (1986), die noch einmal das unschlagbare Duo vergangener Tage Burt Lancaster und Kirk Douglas ("Zwei rechnen ab", 1957) zusammenbrachte.
   

Copyright © Jürgen Oellerich - All Rights Reserved