Intimacy

Französischer Spielfilm von 2001
Regie Patrice Chéreau
Drehbuch Patrice Chéreau und Anne-Louise Trividic, nach einem Roman und einer Kurzgeschichte von Hanif Kureishi
Musik Eric Neveux
Kamera Eric Gautier
Darsteller Jay - Mark Rylance
Claire - Kerry Fox
Andy - Timothy Spall
Victor - Alastair Galbraith
Ian - Philippe Calvario
Betty - Marianne Faithfull
Dave - Frazer Ayres
Jays Frau - Susannah Harker
Bar-Besitzer - Michael Fitzgerald
Schauspielschülerin - Deborah McLaren
Pam - Rebecca Palmer
und andere

Ein Mann öffnet die Tür seines schäbigen, trostlosen Apartments. Eine Frau steht vor ihm, die beiden scheinen sich zu kennen und doch kaum etwas voneinander zu wissen. Er bittet sie herein, und nach einem kurzen, belanglosen Geplänkel stürzen sie sich aufeinander, haben leidenschaftlichen Sex. Dann verschwindet die Frau wieder - bis zur nächsten Woche, am selben Ort, zur selben Zeit. Der Mann heißt Jay, der Name der Frau ist Claire. Es geht bei ihrer Affäre allein um anonymen, hingebungsvollen Sex - die beiden kennen nicht einmal den Namen des anderen.

Doch Jay erträgt diesen Zustand nicht. Nach Claires nächstem Besuch folgt er ihr heimlich. Er findet heraus, dass sie verheiratet ist, einen kleinen Sohn hat und als Schauspielerin in einem Vorstadttheater auftritt. Auch Jay, so erfährt man in Rückblenden, war einst verheiratet und hat zwei kleine Kinder. Eigentlich ist er Schriftsteller, doch seit seiner Trennung arbeitet er als Barkeeper in einem aalglatten Szenelokal, während seine Wohnung zusehends verwahrlost. Getrieben von einem geradezu obsessiven Interesse an Claire, nimmt Jay Kontakt zu ihrem Ehemann Andy auf. Im Pub des Theaters spielt Andy jeden Abend Poolbillard, während seine Frau in einer Inszenierung von Tennessee Williams' "Die Glasmenagerie" auftritt. Abend für Abend kommt Jay ins Theater, sieht sich die Aufführung an, unterhält sich mit Andy, erzählt ihm von seiner gescheiterten Ehe und von seiner Sex-Affäre mit einer "Unbekannten".

Immer tiefer versinkt Jay in einem Strudel aus Erinnerungen an seine Kinder, Depression über seine traurige Existenz und der Obsession für Claires Leben. Auch Claire ist gefangen in einer unglücklichen Ehe, dennoch will sie Andy nicht verlassen. Die anonyme Affäre mit Jay, so stellt sich heraus, ist für sie nur ein Mittel, endlich zu sich selbst zu finden und wieder etwas zu fühlen. Als sie herausbekommt, dass Jay ihr nachspioniert, ist die Aura der Anonymität zerstört: Die Affäre hat ihren Zweck verloren. Nach einem letzten leidenschaftlichen Treffen verschwindet sie aus seinem Leben ...

Bei seiner Uraufführung löste Patrice Chéreaus preisgekröntes Drama "Intimacy" auf Grund seiner überaus freizügigen, naturalistischen Sexszenen kontroverse Diskussionen aus. Tatsächlich verfällt der intellektuell anspruchsvolle Film nie dem Voyeurismus. Vielmehr geht es Chéreau darum, das komplexe Seelenleben seiner Protagonisten auszuloten, wobei den Sexszenen eher eine metaphorische als eine erotische Bedeutung zukommt. Bei der Berlinale 2001 bekam "Intimacy" den "Goldenen Bären" als Bester Film, Kerry Fox wurde für ihre wagemutige Leistung als "Beste Darstellerin" ausgezeichnet. Nicht weniger beeindruckend: Mark Rylance als tief trauriger Schriftsteller Jay.
   

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