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Ein Mann öffnet die Tür seines schäbigen,
trostlosen Apartments. Eine Frau steht vor ihm,
die beiden scheinen sich zu kennen und doch kaum
etwas voneinander zu wissen. Er bittet sie herein,
und nach einem kurzen, belanglosen Geplänkel
stürzen sie sich aufeinander, haben leidenschaftlichen
Sex. Dann verschwindet die Frau wieder - bis zur
nächsten Woche, am selben Ort, zur selben Zeit.
Der Mann heißt Jay, der Name der Frau ist
Claire. Es geht bei ihrer Affäre allein um
anonymen, hingebungsvollen Sex - die beiden kennen
nicht einmal den Namen des anderen.
Doch Jay erträgt diesen Zustand nicht. Nach
Claires nächstem Besuch folgt er ihr heimlich.
Er findet heraus, dass sie verheiratet ist, einen
kleinen Sohn hat und als Schauspielerin in einem
Vorstadttheater auftritt. Auch Jay, so erfährt
man in Rückblenden, war einst verheiratet und
hat zwei kleine Kinder. Eigentlich ist er Schriftsteller,
doch seit seiner Trennung arbeitet er als Barkeeper
in einem aalglatten Szenelokal, während seine
Wohnung zusehends verwahrlost. Getrieben von einem
geradezu obsessiven Interesse an Claire, nimmt Jay
Kontakt zu ihrem Ehemann Andy auf. Im Pub des Theaters
spielt Andy jeden Abend Poolbillard, während
seine Frau in einer Inszenierung von Tennessee Williams'
"Die Glasmenagerie" auftritt. Abend für
Abend kommt Jay ins Theater, sieht sich die Aufführung
an, unterhält sich mit Andy, erzählt ihm
von seiner gescheiterten Ehe und von seiner Sex-Affäre
mit einer "Unbekannten".
Immer tiefer versinkt Jay in einem Strudel aus Erinnerungen
an seine Kinder, Depression über seine traurige
Existenz und der Obsession für Claires Leben.
Auch Claire ist gefangen in einer unglücklichen
Ehe, dennoch will sie Andy nicht verlassen. Die
anonyme Affäre mit Jay, so stellt sich heraus,
ist für sie nur ein Mittel, endlich zu sich
selbst zu finden und wieder etwas zu fühlen.
Als sie herausbekommt, dass Jay ihr nachspioniert,
ist die Aura der Anonymität zerstört:
Die Affäre hat ihren Zweck verloren. Nach einem
letzten leidenschaftlichen Treffen verschwindet
sie aus seinem Leben ...
Bei seiner Uraufführung löste Patrice
Chéreaus preisgekröntes Drama "Intimacy"
auf Grund seiner überaus freizügigen,
naturalistischen Sexszenen kontroverse Diskussionen
aus. Tatsächlich verfällt der intellektuell
anspruchsvolle Film nie dem Voyeurismus. Vielmehr
geht es Chéreau darum, das komplexe Seelenleben
seiner Protagonisten auszuloten, wobei den Sexszenen
eher eine metaphorische als eine erotische Bedeutung
zukommt. Bei der Berlinale 2001 bekam "Intimacy"
den "Goldenen Bären" als Bester Film,
Kerry Fox wurde für ihre wagemutige Leistung
als "Beste Darstellerin" ausgezeichnet.
Nicht weniger beeindruckend: Mark Rylance als tief
trauriger Schriftsteller Jay.
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