Der müde Theodor

Spielfilm aus der BRD von 1957
Regie Geza von Cziffra
Drehbuch Franz Gribitz und Peter Trenck
Musik Heino Gaze
Kamera Willy Winterstein
Darsteller Theodor Hagemann - Heinz Erhardt
Rosa Hagemann - Loni Heuser
Jenny Hagemann - Karin Baal
Felix - Peter Weck
Lilo Haase - Renate Ewert
Walter Steinberg - Kurt Grosskurth
Harald Steinberg - Albert Rueprecht
Storch - Ralf Wolter
Dr. Karl Findeisen - Werner Finck
Regierungsrat Stammfest - Horst Beck
und andere

Der gutmütige Marmeladenfabrikant Theodor Hagemann steht unter dem Pantoffel seiner Frau Rosa. Während sie mit strenger Hand die Geschäfte führt, betätigt er sich als großzügiger Mäzen verkannter Künstler. Zu Hause stapeln sich die unverkäuflichen Lyrikbände eines gewissen Amadeus Bröselmann, für die er bürgte. Ein Herz hat Theo auch für die mittellose Sängerin Lilo, die er vor dem Gerichtsvollzieher rettet. Nachdem er auch noch seine Uhr und sein goldenes Zigarettenetui verpfändet hat, zieht er mit einem Handkarren voll Marmelade los, um sich Geld für eine Pferdewette zu verdienen.

Natürlich verliert er alles und nimmt in seiner Not einen Job im Nobelhotel "Schwarzer Adler" an. Hoteldirektor Noll setzt den Neuen als Zimmerkellner im Nachtdienst ein. Dabei zerdeppert Theo das gesamte Porzellan, doch der Direktor ist begeistert: Das Geschirr war potthässlich, endlich kann er neues kaufen. Früher als erwartet, kehrt Theos Frau Rosa von einer Geschäftsreise zurück und steigt ausgerechnet im "Schwarzer Adler" ab. Bis der ständig müde Theodor seine strenge Gattin in die Schranken - bzw. in die Küche - verweisen und seine Tochter Jenny mit einem verkrachten Künstler vermählen kann, geschehen noch eine Reihe von "Misstümern und Irrverständnissen".

Mit dieser quirligen Neuverfilmung des gleichnamigen Veit-Harlan-Films von 1936 schaffte Heinz Erhardt seinen Durchbruch als Star des deutschen Nachkriegsfilms. Erstmals wird eine Komödie perfekt auf ihn zugeschnitten und lebt von seinen unnachahmlichen Kalauern, Zungenbrechern und Nonsensversen. Die Figur des linkisch-liebenswürdigen Menschenfreundes, der mit seinem nur scheinbar harmlosen Wortwitz gegen die Moden und Mentalitäten der Wirtschaftswunderepoche opponiert, ist in diesem kurzweiligen Film bereits perfekt ausgeprägt.
Das MDR FERNSEHEN sendete "Der müde Theodor" anlässlich des 30. Todestages von Heinz Erhardt am 5. Juni 2009. Der Schauspieler, Humorist, Chansonnier und Dichter war Deutschlands beliebtester Komiker in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, im Jahr 2007 belegte er in der ZDF-Sendung "Unsere Besten - Komiker & Co." den 2. Platz hinter Loriot. In Riga geboren und bei den Großeltern dort aufgewachsen, sollte er eigentlich die Musikalienhandlung und Konzertagentur des Großvaters übernehmen. Doch es zog ihn in die Welt. 1927 und 1928 absolvierte er eine Lehre im größten Leipziger Musikhaus und studierte nebenbei am Konservatorium Klavier. Nach seiner Rückkehr nach Riga stellten sich erste Erfolge am Deutschen Schauspielhaus ein, 1938 bekam er ein Engagement am renommierten Berliner "Kabarett der Komiker".

Nach dem Krieg startete Heinz Erhardt in Hamburg einen Neuanfang und moderierte 1946 die Unterhaltungssendung "So was Dummes" im Radio. Ein Jahr darauf spielte er wieder Theater in Hamburg. Mit der Komödie "Lieber reich aber glücklich" gelang ihm der Durchbruch. Zehn Jahre später startete er mit der Hauptrolle in dem Streifen "Der müde Theodor" seine Kinokarriere. In den folgenden 15 Jahren wirkte Erhardt in insgesamt 39 Filmen mit. Dabei spielte er gern den etwas verwirrten, schüchternen Familienvater oder Onkel, der häufig Unsinn erzählt - ob als Wortspiel oder verdrehte Redewendung.

Er verfasste seine witzigen Streiche und Sketche auch in Buchform, 1963 erschien das erste Werk mit dem Titel "Noch'n Gedicht". Es folgten weitere Gedichtbände und der Sammelband "Das große Heinz Erhardt Buch" - allesamt Bestseller. Ein Schlaganfall im Jahr 1971 setzte der Karriere des Komikers ein jähes Ende. Anlässlich seines 70. Geburtstags im selben Jahr wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
   

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