Ein verrücktes Huhn

Französischer Spielfilm von 1977
Regie Philippe de Broca
Drehbuch Philippe de Broca und Michel Audiard, nach dem Roman "Le Commissaire Tanquerelle et le Frelon" von Jean-Paul Rouland und Claude Olivier
Musik Georges Delerue
Kamera Jean-Paul Schwartz
Darsteller Lise Tanquerelle - Annie Girardot
Antoine Lemercier - Philippe Noiret
Hausverwalter Charmille - Hubert Deschamps
Simone, Mutter von Lise - Paulette Dubost
Christine Vallier - Catherine Alric
Suzanne, Tante von Lise - Simone Renant
Inspektor Marcel Guérin - Roger Dumas
Kommissar Beretti - Guy Marchand
Alexandre Mignonac - Georges Wilson
Kriminaldirektor - Raymond Gérôme
und andere

Wie immer in Eile, will Lise Tanquerelle, Kriminalkommissarin und alleinerziehende Mutter, an diesem Morgen nur schnell die Torte für den 9. Geburtstag ihrer Tochter Catherine besorgen, da nimmt ihr ein verträumter Mopedfahrer die Vorfahrt. Nach dem ersten Schrecken erkennen beide, dass sie sich aus ihrer Studentenzeit kennen und sie sogar kurz eine zarte Jugendliebe verband. Antoine Lemercier ist nun Professor für Altgriechisch, Junggeselle, und wie Lise über das erneute Zusammentreffen sehr erfreut. Einer Vertiefung ihrer Beziehung scheint nichts entgegenzustehen, doch ausgerechnet am selben Tag wird Lise der Mordfall an einem prominenten Pariser Abgeordneten übertragen. Ihr als Frau allerdings nur, weil ihr schärfster Konkurrent, Kommissar Beretti, mit einer Grippe im Bett liegt. Sie will endlich beweisen, was in ihr steckt und stürzt sich deshalb mit Feuereifer in die Ermittlungen.

Antoine erzählt sie vorsichtshalber nichts von ihrer Profession, dafür stolpert und rennt sie zwischen Rendezvous zu weiteren Tatorten, denn innerhalb von drei Tagen werden drei Abgeordnete auf dieselbe Weise getötet: Der Täter ersticht sie mit einem Stichel. Ein Werkzeug, das einst für das Anbringen von Autopolstern benutzt wurde. Lise findet heraus, dass alle drei Männer mit derselben Frau schliefen - der aparten jungen Christine Vallier. Doch ein Mordmotiv dazu findet sie nicht. Immerhin gesteht sie nun Antoine, weshalb sie immer davoneilt. Ein Geständnis, dass ihn wenig erfreut. Lise wirbt um ihn, doch er meint, sie wären "wie Feuer und Wasser" und lässt sie erst einmal abblitzen.

Auch bei ihren Vorgesetzten fällt Lise in Ungnade, zu unbefriedigend seien ihre Ermittlungsergebnisse in dieser hochpolitischen Mordserie. Empört kündigt sie und Antoine lädt sie zu einem Urlaub am Meer ein. Doch auch dort lässt der Fall Lise keine Ruhe. Besonders das leerstehende Fabrikgebäude hinter Christines Apartment beschäftigt sie. Als ihr klar wird, dass der Mörder von dort aus das Mädchen und ihre Freier beobachtet hat und dort zu finden sein muss, fährt sie mit Antoine, der sich mit dem Job seiner Geliebten abgefunden hat, eilends zurück nach Paris. In der Zwischenzeit sucht Beretti, der wieder genesene und neu eingesetzte Ermittler, Christine auf. Er ist allerdings mehr an ihren Reizen als an einer Vernehmung interessiert. Als beide bemerken, dass sie beobachtet werden, läuft er in die leere Fabrik und damit seinem Mörder in die Arme. Lise kommt zu spät dort an. Der Mörder nimmt inzwischen Antoine, der in einem Restaurant auf Lise wartet, als Geisel. Antoine, ein wahrlich schlechter Chauffeur, soll das Fluchtauto fahren. Die langsamste Verfolgungsjagd der Kriminalgeschichte beginnt und endet da, wo Lise und Antoine sich zu Filmbeginn trafen ...

Eine sehr vergnügliche Mischung aus Liebes- und Kriminalfilm unter der Regie von Philippe de Broca, dem Spezialisten für erfolgreiche Unterhaltungsfilme (u.a. "Cartouche - Rächer der Armen", "Der Unverbesserliche"). Er vereint Action, Humor, Situationskomik und genaue Charakterzeichnung zu einer selten originellen Geschichte. Ihr Sahnehäubchen ist aber das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller Annie Girardot und Philippe Noiret, beide erfahrene Charakterdarsteller mit viel Gespür für Nuancen und Humor. Mit "Wer hat den Schenkel von Jupiter geklaut" (1980) drehte Philippe de Broca die Fortsetzung dieser erfolgreichen Komödie.

Philippe Noiret wäre am 1. Oktober 2010 80 Jahre alt geworden. Mit seiner imposanten Statur, seiner tiefen Stimme und seiner gemütlichen Ausstrahlung galt er als "Grand Seigneur" des französischen Kinos des 20. Jahrhunderts. Mehr als 140 Rollen verkörperte er in den über 50 Jahren seiner Filmkarriere und er spielte in zahlreichen Theaterstücken. Seinen ersten Kinoerfolg hatte er 1960 mit "Zazie" von Louis Malle, sein Durchbruch gelang ihm 1968 mit "Alexander, der Lebenskünstler" von Yves Robert. Die Rolle des Vielfraßes und Faulpelzes war ihm auf den Leib geschneidert. Er spielte auch in internationalen Produktionen, aber die französische Sprache und besonders die enge Zusammenarbeit mit dem Regisseur Bertrand Tavernier brachten ihm ab den 1970er-Jahren die größten Erfolge: "Der Uhrmacher von St. Paul" (1974), "Der Saustall" (1981) und "Das Leben und nichts anderes" (1990) zählen dazu. Doch nicht nur mit seinen Filmen hat sich Philippe Noiret in die Herzen seiner Zuschauer gespielt. Der im November 2006 verstorbene Schauspieler wurde auch wegen seiner Persönlichkeit geliebt. Der unermüdlich arbeitende Star lebte privat zurückgezogen auf seinem Landsitz und liebte Hunde, Pferde, Champagner und Zigarren über alles.

   

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