Wie immer in Eile, will Lise Tanquerelle, Kriminalkommissarin
und alleinerziehende Mutter, an diesem Morgen nur
schnell die Torte für den 9. Geburtstag ihrer
Tochter Catherine besorgen, da nimmt ihr ein verträumter
Mopedfahrer die Vorfahrt. Nach dem ersten Schrecken
erkennen beide, dass sie sich aus ihrer Studentenzeit
kennen und sie sogar kurz eine zarte Jugendliebe
verband. Antoine Lemercier ist nun Professor für
Altgriechisch, Junggeselle, und wie Lise über
das erneute Zusammentreffen sehr erfreut. Einer
Vertiefung ihrer Beziehung scheint nichts entgegenzustehen,
doch ausgerechnet am selben Tag wird Lise der Mordfall
an einem prominenten Pariser Abgeordneten übertragen.
Ihr als Frau allerdings nur, weil ihr schärfster
Konkurrent, Kommissar Beretti, mit einer Grippe
im Bett liegt. Sie will endlich beweisen, was in
ihr steckt und stürzt sich deshalb mit Feuereifer
in die Ermittlungen.
Antoine
erzählt sie vorsichtshalber nichts von ihrer
Profession, dafür stolpert und rennt sie
zwischen Rendezvous zu weiteren Tatorten, denn
innerhalb von drei Tagen werden drei Abgeordnete
auf dieselbe Weise getötet: Der Täter
ersticht sie mit einem Stichel. Ein Werkzeug,
das einst für das Anbringen von Autopolstern
benutzt wurde. Lise findet heraus, dass alle drei
Männer mit derselben Frau schliefen - der
aparten jungen Christine Vallier. Doch ein Mordmotiv
dazu findet sie nicht. Immerhin gesteht sie nun
Antoine, weshalb sie immer davoneilt. Ein Geständnis,
dass ihn wenig erfreut. Lise wirbt um ihn, doch
er meint, sie wären "wie Feuer und Wasser"
und lässt sie erst einmal abblitzen.
Auch
bei ihren Vorgesetzten fällt Lise in Ungnade,
zu unbefriedigend seien ihre Ermittlungsergebnisse
in dieser hochpolitischen Mordserie. Empört
kündigt sie und Antoine lädt sie zu
einem Urlaub am Meer ein. Doch auch dort lässt
der Fall Lise keine Ruhe. Besonders das leerstehende
Fabrikgebäude hinter Christines Apartment
beschäftigt sie. Als ihr klar wird, dass
der Mörder von dort aus das Mädchen
und ihre Freier beobachtet hat und dort zu finden
sein muss, fährt sie mit Antoine, der sich
mit dem Job seiner Geliebten abgefunden hat, eilends
zurück nach Paris. In der Zwischenzeit sucht
Beretti, der wieder genesene und neu eingesetzte
Ermittler, Christine auf. Er ist allerdings mehr
an ihren Reizen als an einer Vernehmung interessiert.
Als beide bemerken, dass sie beobachtet werden,
läuft er in die leere Fabrik und damit seinem
Mörder in die Arme. Lise kommt zu spät
dort an. Der Mörder nimmt inzwischen Antoine,
der in einem Restaurant auf Lise wartet, als Geisel.
Antoine, ein wahrlich schlechter Chauffeur, soll
das Fluchtauto fahren. Die langsamste Verfolgungsjagd
der Kriminalgeschichte beginnt und endet da, wo
Lise und Antoine sich zu Filmbeginn trafen ...
Eine
sehr vergnügliche Mischung aus Liebes- und
Kriminalfilm unter der Regie von Philippe de Broca,
dem Spezialisten für erfolgreiche Unterhaltungsfilme
(u.a. "Cartouche - Rächer der Armen",
"Der Unverbesserliche"). Er vereint
Action, Humor, Situationskomik und genaue Charakterzeichnung
zu einer selten originellen Geschichte. Ihr Sahnehäubchen
ist aber das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller
Annie Girardot und Philippe Noiret, beide erfahrene
Charakterdarsteller mit viel Gespür für
Nuancen und Humor. Mit "Wer hat den Schenkel
von Jupiter geklaut" (1980) drehte Philippe
de Broca die Fortsetzung dieser erfolgreichen
Komödie.
Philippe
Noiret wäre am 1. Oktober 2010 80 Jahre alt
geworden. Mit seiner imposanten Statur, seiner
tiefen Stimme und seiner gemütlichen Ausstrahlung
galt er als "Grand Seigneur" des französischen
Kinos des 20. Jahrhunderts. Mehr als 140 Rollen
verkörperte er in den über 50 Jahren
seiner Filmkarriere und er spielte in zahlreichen
Theaterstücken. Seinen ersten Kinoerfolg
hatte er 1960 mit "Zazie" von Louis
Malle, sein Durchbruch gelang ihm 1968 mit "Alexander,
der Lebenskünstler" von Yves Robert.
Die Rolle des Vielfraßes und Faulpelzes
war ihm auf den Leib geschneidert. Er spielte
auch in internationalen Produktionen, aber die
französische Sprache und besonders die enge
Zusammenarbeit mit dem Regisseur Bertrand Tavernier
brachten ihm ab den 1970er-Jahren die größten
Erfolge: "Der Uhrmacher von St. Paul"
(1974), "Der Saustall" (1981) und "Das
Leben und nichts anderes" (1990) zählen
dazu. Doch nicht nur mit seinen Filmen hat sich
Philippe Noiret in die Herzen seiner Zuschauer
gespielt. Der im November 2006 verstorbene Schauspieler
wurde auch wegen seiner Persönlichkeit geliebt.
Der unermüdlich arbeitende Star lebte privat
zurückgezogen auf seinem Landsitz und liebte
Hunde, Pferde, Champagner und Zigarren über
alles.