Erscheinen Pflicht

Spielfilm DDR 1984
Regie Helmut Dziuba
Drehbuch Helmut Dziuba, nach Motiven des gleichnamigen Buches von Gerhard Holtz-Baumert
Musik Christian Steyer
Kamera Helmut Bergmann
Darsteller Elisabeth Haug - Vivian Hanjohr
Stefan Hanisch - Frank Nowak
Elvira Haug - Lissy Tempelhof
Boltenhagen - Peter Sodann
Ludwig Kratt - Alfred Müller
Barbara - Simone von Zglinicki
Frau Hanisch - Gudrun Ritter
Genosse Schüttler - Gert Gütschow
Martin Haug - Hans-Joachim Hegewald
Der Grabsteinmacher - Helmut Straßburger
und andere

"Wenn man's genau nimmt, haben wir nur Beifall klatschen gelernt und Fähnchen winken", wird die 16-jährige Oberschülerin Elisabeth später im Film zu "Onkel Ludwig" sagen, dem SED-Kreissekretär und Freund ihres Vaters. Ihr Vater Martin Haug ist Kreisratsvorsitzender und "verdienter" Genosse, ein Vorbild für seine Tochter. Die morgendliche Fahrt im Dienst-Wolga zur Schule ist für Elisabeth ebenso selbstverständlich wie das Löschen eines Tadels von Russischlehrer Boltenhagen. Doch dann stirbt der Vater ganz plötzlich und unerwartet. Während die Mutter erstarrt und sich der veränderten Situation, beispielsweise einer erneuten Berufstätigkeit und dem Auszug aus der Villa, nicht stellen will, beginnt Elisabeth, das Leben um sie herum wacher wahrzunehmen. So traut sie sich, mit Stefan zu sprechen, einem Schüler aus der 10 b, der ihr schon lange gefällt. Doch der Junge weist sie zurück, weil sie die Tochter des Mannes ist, der die Eingaben seiner Mutter negativ beantwortet hat. Bei "Onkel Ludwig" erfragt sie die ganze Wahrheit: Stefans Mutter wurde als Schuldirektorin entlassen, nachdem ihr Mann bei einer Dienstreise im Westen blieb.

Aus Kummer begann sie zu trinken, und nun verdient sie ihr Geld als Putzfrau. Doch Bedauern bei "Onkel Ludwig" erwartet sie vergebens. Etwas mutiger geworden, hinterfragt Elisabeth ein weiteres Problem: das Verschwinden ihres älteren Bruders Peter aus dem Familienleben. Die Mutter verrät ihr seine Adresse in Berlin, und als ihre Klasse zu einer Kundgebung fährt, nutzt Elisabeth die Chance und besucht ihn. Doch nicht er ist es, der ihr seine Geschichte erzählt, sondern seine Freundin Barbara: Peter, der lieber mit seinen Händen arbeitet, sollte nach dem Willen der Eltern das Abitur machen und studieren. Dies und ein merkwürdiger Vorfall während seiner Armeezeit führten zum Bruch mit der Familie. Elisabeth verlässt die beiden dennoch mit einem guten Gefühl. Sie will nicht so still sein wie ihr Bruder, so eigenständig aber doch.

Helmut Dziuba, einer der wenigen Regisseure der DEFA, die ihre Filme vorwiegend auf ein jugendliches Publikum ausrichteten, inszenierte seinen Film nach zwei Erzählungen von Gerhard Holtz-Baumert. "Über Elisabeths neue Erfahrungen werden sehr stimmige Impressionen aus dem DDR-Alltag vermittelt - mit einem formalen Lakonismus, bei dem die sparsam gesetzten Worte ebenso wichtig sind wie oft nur Gesten und Blicke. Gezeichnet wird hier auch das wahrscheinlich genaue Bild einer skeptischen jungen Generation", schrieb der westdeutsche Filmkritiker Heinz Kersten zur Premiere. Für die SED-Oberen war dieser Film wieder ein "Problemfilm mit jugendlichen Helden". Der Film wurde schon in der Szenariumsarbeit kritisch begleitet, vieles wurde entschärft oder entfernt. Dennoch gelang es, einige der "Reizpunkte" im fertigen Film zu belassen.

Zu den Gegnern von mehr Realismus im Film gehörte dann auch das "Neue Deutschland", dessen Kritiker Knietzsch den Filmemachern vorwarf: "Was sich realistisch gebärdet, offenbart sich im Grunde als Realitätsferne. Die künstlerischen Metaphern, die einen Generationskonflikt suggerieren wollen, stehen im allzu deutlichen Gegensatz zu unserer 35-jährigen Wirklichkeit." So wurde "Erscheinen Pflicht" kurz nach seinem Start auch wieder weitestgehend aus den Kinos genommen, die Hardliner hatten sich durchgesetzt.
   

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