Iwan der Schreckliche

Spielfilm aus der UdSSR von 1944-1946
Regie Sergej M. Eisenstein
Drehbuch Sergej M. Eisenstein
Musik  
Kamera Eduard Tissé und Andrej Moskwin
Darsteller Zar Iwan - Nikolai Tscherkassow
und andere

Man schreibt das Jahr 1547. Mit großem Prunk wird der 17-jährige Großfürst von Moskau, Iwan, zum russischen Herrscher gekrönt. Der ehrgeizige junge Mann hat große Pläne mit seinem in sich zerstrittenen Reich - er will die nationale Einheit. Als erster in der Geschichte Russlands nimmt er den Titel "Zar" an. Mit seinen Soldaten erobert er Kasan und Astrachan und befehdet im Inneren erbittert die mächtigen Bojaren. Er setzt gegen sie auf eine neue Lehnsaristokratie, die Opritschina. Das sind Soldaten, die er für ihre Verdienste mit Ländereien belohnt und die ihm blind ergeben sind. Doch mitten im Kampf trifft ihn ein schwerer Schlag, seine geliebte Frau Anastasia wird ermordet. Iwan zieht sich in ein Kloster zurück. Aber in einer großen Prozession wallfahrt das Volk zu ihm und bittet ihn, auf den Thron zurückzukehren. Iwan geht nach Moskau zurück. Die Bojaren bekämpfen ihn weiter und haben in Iwans Tante Jefrossija, die gern ihren schwachsinnigen Sohn Wladimir zum Zaren machen will, und in der Kirche mächtige Verbündete. Der Zar greift zu immer härteren Mitteln, um seine Politik durchzusetzen. Mehr und mehr wird Iwan IV. zu "Iwan dem Schrecklichen".

Ein monumentales Filmepos über Aufstieg und Niedergang des russischen Zaren Iwan IV., das der geniale russische Regisseur Sergej M. Eisenstein (1898-1948) als sein letztes Werk inszenierte. "Ein Meisterwerk der sowjetischen Filmkunst, in dem sich intellektuelle Analyse und sinnliche Prachtentfaltung verbinden", urteilt das Internationale Filmlexikon. Ursprünglich hatte Eisenstein eine Trilogie geplant, doch die Wirrnisse der Nachkriegsjahre sowie sein unerwarteter Tod am 11.2.1948 vereitelten dieses Vorhaben. Hinzu kamen politische Schwierigkeiten. Wurde Eisenstein für den ersten Teil mit dem Stalin-Preis ausgezeichnet, so konnte sich der Namensgeber des Preises so gar nicht mit dem zweiten Teil anfreunden, in dem Iwan als gefürchteter Herrscher, der mit erbarmungsloser Härte gegen seine Gegner vorgeht, gezeichnet wird. Die wohl nicht ganz unbeabsichtigten Parallelen führten zu einem Verbot des Films. Eisenstein wurde von der KPdSU gezwungen, sein eigenes Werk zu verleumden. Erst mehrere Jahre nach Stalins Tod, 1958, durfte der umstrittene Teil auch in der SU gezeigt werden. Teile des dritten Teils, die Eisenstein bereits gedreht hatte, sind bis heute verschwunden.

Sergej Michailowitsch Eisenstein hat wie kaum ein anderer Regisseur das Kino durch seine Filme und theoretischen Schriften revolutioniert. Nur wenigen ist eine derart dynamische und visionäre Übersetzung revolutionärer Stoffe in eine filmische Form gelungen, wie ihm. Dabei kam Eisenstein eher auf Umwegen zum Film: Geboren am 23.1.1898 in Riga, studierte er - Sohn einer Russin und eines deutsch-jüdischen Architekten - zunächst Bauingenieurswesen und Architektur. 1918 ging er als Freiwilliger zur Roten Armee, zwei Jahre später als Bühnenbildner und Kostümzeichner an ein Moskauer Theater. Der ersten Berührung mit dem Medium Film folgte ab 1924 bis 1928 ein filmisches Meisterwerk dem anderen: 1924 "Streik", 1925 "Panzerkreuzer Potemkin", 1926-1928 "Oktober". 1930 reiste Eisenstein auf Einladung der Paramount nach Amerika. Doch seine ambitionierten Projekte ließen sich im restriktiven Studiosystem Hollywoods nicht verwirklichen. Schließlich ermöglichte ihm der Schriftsteller Upton Sinclair die Verfilmung der Geschichte Mexikos. Als aber "Que viva, Mexiko!" Drehzeit und Etat sprengte, stoppte Sinclair das Projekt. Mit seinem ersten Tonfilm "Alexander Newski" (1938) und dem Epos "Iwan der Schreckliche" (1944-1946) konnte Eisenstein wieder an seine früheren filmischen Meisterwerke anknüpfen. Er starb im Alter von nur 50 Jahren am 11.2.1948 an den Folgen eines Herzinfarkts in Moskau.
   

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