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Man schreibt das Jahr 1547. Mit großem Prunk
wird der 17-jährige Großfürst von
Moskau, Iwan, zum russischen Herrscher gekrönt.
Der ehrgeizige junge Mann hat große Pläne
mit seinem in sich zerstrittenen Reich - er will
die nationale Einheit. Als erster in der Geschichte
Russlands nimmt er den Titel "Zar" an.
Mit seinen Soldaten erobert er Kasan und Astrachan
und befehdet im Inneren erbittert die mächtigen
Bojaren. Er setzt gegen sie auf eine neue Lehnsaristokratie,
die Opritschina. Das sind Soldaten, die er für
ihre Verdienste mit Ländereien belohnt und
die ihm blind ergeben sind. Doch mitten im Kampf
trifft ihn ein schwerer Schlag, seine geliebte Frau
Anastasia wird ermordet. Iwan zieht sich in ein
Kloster zurück. Aber in einer großen
Prozession wallfahrt das Volk zu ihm und bittet
ihn, auf den Thron zurückzukehren. Iwan geht
nach Moskau zurück. Die Bojaren bekämpfen
ihn weiter und haben in Iwans Tante Jefrossija,
die gern ihren schwachsinnigen Sohn Wladimir zum
Zaren machen will, und in der Kirche mächtige
Verbündete. Der Zar greift zu immer härteren
Mitteln, um seine Politik durchzusetzen. Mehr und
mehr wird Iwan IV. zu "Iwan dem Schrecklichen".
Ein monumentales Filmepos über Aufstieg und
Niedergang des russischen Zaren Iwan IV., das der
geniale russische Regisseur Sergej M. Eisenstein
(1898-1948) als sein letztes Werk inszenierte. "Ein
Meisterwerk der sowjetischen Filmkunst, in dem sich
intellektuelle Analyse und sinnliche Prachtentfaltung
verbinden", urteilt das Internationale Filmlexikon.
Ursprünglich hatte Eisenstein eine Trilogie
geplant, doch die Wirrnisse der Nachkriegsjahre
sowie sein unerwarteter Tod am 11.2.1948 vereitelten
dieses Vorhaben. Hinzu kamen politische Schwierigkeiten.
Wurde Eisenstein für den ersten Teil mit dem
Stalin-Preis ausgezeichnet, so konnte sich der Namensgeber
des Preises so gar nicht mit dem zweiten Teil anfreunden,
in dem Iwan als gefürchteter Herrscher, der
mit erbarmungsloser Härte gegen seine Gegner
vorgeht, gezeichnet wird. Die wohl nicht ganz unbeabsichtigten
Parallelen führten zu einem Verbot des Films.
Eisenstein wurde von der KPdSU gezwungen, sein eigenes
Werk zu verleumden. Erst mehrere Jahre nach Stalins
Tod, 1958, durfte der umstrittene Teil auch in der
SU gezeigt werden. Teile des dritten Teils, die
Eisenstein bereits gedreht hatte, sind bis heute
verschwunden.
Sergej Michailowitsch Eisenstein hat wie kaum ein
anderer Regisseur das Kino durch seine Filme und
theoretischen Schriften revolutioniert. Nur wenigen
ist eine derart dynamische und visionäre Übersetzung
revolutionärer Stoffe in eine filmische Form
gelungen, wie ihm. Dabei kam Eisenstein eher auf
Umwegen zum Film: Geboren am 23.1.1898 in Riga,
studierte er - Sohn einer Russin und eines deutsch-jüdischen
Architekten - zunächst Bauingenieurswesen und
Architektur. 1918 ging er als Freiwilliger zur Roten
Armee, zwei Jahre später als Bühnenbildner
und Kostümzeichner an ein Moskauer Theater.
Der ersten Berührung mit dem Medium Film folgte
ab 1924 bis 1928 ein filmisches Meisterwerk dem
anderen: 1924 "Streik", 1925 "Panzerkreuzer
Potemkin", 1926-1928 "Oktober". 1930
reiste Eisenstein auf Einladung der Paramount nach
Amerika. Doch seine ambitionierten Projekte ließen
sich im restriktiven Studiosystem Hollywoods nicht
verwirklichen. Schließlich ermöglichte
ihm der Schriftsteller Upton Sinclair die Verfilmung
der Geschichte Mexikos. Als aber "Que viva,
Mexiko!" Drehzeit und Etat sprengte, stoppte
Sinclair das Projekt. Mit seinem ersten Tonfilm
"Alexander Newski" (1938) und dem Epos
"Iwan der Schreckliche" (1944-1946) konnte
Eisenstein wieder an seine früheren filmischen
Meisterwerke anknüpfen. Er starb im Alter von
nur 50 Jahren am 11.2.1948 an den Folgen eines Herzinfarkts
in Moskau.
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