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Palermo 1743. Obwohl sie nicht sprechen kann, ist
die dreizehnjährige Marianna Ucrìa ein
aufgewecktes Kind, das gern schreibt und malt. Sie
ist die Lieblingsenkelin ihres Großvaters.
Doch auch er kann nicht verhindern, dass ihre Mutter
Maria sie mit ihrem Bruder, Herzog Pietro, verheiratet.
Don Pietro ist ein alter Mann, allerdings mit großer
Lust auf kleine Mädchen. Nach der Hochzeitsnacht
flüchtet Marianna nach Hause. Doch man schickt
sie umgehend zurück, nur ihr geliebter Großvater
steht ihr zumindest moralisch bei. In den folgenden
Jahren bringt Marianna drei Töchter und einen
Sohn zur Welt - und sie bringt das Kunststück
fertig, sich nach und nach eine erstaunliche Unabhängigkeit
zu sichern. Sie zieht mit ihren Kindern in ein großes
Landhaus außerhalb von Palermo. Dort stellt
sie für ihre Kinder den jungen, fortschrittlich
denkenden Hauslehrer Grass ein. Grass wird ein großer
Glücksfall für Marianna. Er beherrscht
die Gebärdensprache, die er ihr und ihren Töchtern
beibringt, und er macht sie mit dem Gedankengut
der Aufklärung bekannt.
Irgendwann wird das der Familie zu bunt, man entlässt
Grass, doch Marianna bleibt mit ihm im regen Briefwechsel.
Als Marianna etwa 30 ist, stirbt Don Pietro. Marianna
erbt das Gut und versucht, eine menschenwürdige
Behandlung der Landarbeiter zu realisieren. Und
ihr gefällt der junge Mann Saro, der Bruder
ihrer Dienerin Fila. Auch Saro ist in seine Herrin
verliebt. Doch aus Vernunftsgründen arrangiert
Marianna Saros Hochzeit mit der schönen Peppinedda.
Das wiederum erträgt Fila nicht, die ihren
Bruder über alles liebt. Fila versucht, ihn
aus Eifersucht zu töten und wird daraufhin
in die "Irrenanstalt" gesteckt. Als Marianna
sie dort besucht, muss sie Filas Vergewaltigung
durch einen Insassen mit ansehen. Das konfrontiert
sie mit ihrer traumatischen Vergangenheit. Immer
wieder hat sie gefragt, ob sie als Kind sprechen
und singen konnte, immer wieder wurde es verneint.
Nun, mit den wiedergewonnenen Erinnerungen, stellt
sie ihre Mutter energisch zur Rede.
Roberto Faenza gelang eine atmosphärisch dichte
und intensive Adaption von Dacia Marainis Roman
mit eindringlichen Impressionen von der sizilianischen
Kultur des Todes und der stillen Kraft der Frauen.
Maraini, die sich in ihren oft semi-dokumentarischen
Werken häufig dem Thema "Gewalt gegen
Frauen" zuwendet, zählt zu den engagiertesten
italienischen Gegenwartsautorinnen. Die ausdrucksstarke
Hauptdarstellerin Emmanuelle Laborit ist eine französische
Schauspielerin, die selbst von Geburt an gehörlos
ist. Im Alter von sieben Jahren erlernte sie gemeinsam
mit ihren Eltern die Gebärdensprache. Sie spielte
bereits die Rolle der stummen Mutter in Caroline
Links Oscar nominiertem Drama "Jenseits der
Stille".
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