Die stumme Herzogin

Italienisch-französischer Spielfilm von 1996
Regie Roberto Faenza
Drehbuch Sandro Petraglia und Roberto Faenza
Musik Franco Piersanti
Kamera Tonino Delli Colli
Darsteller Marianna Ucrìa - Emmanuelle Laborit
Herzog Pietro - Roberto Herlitzka
Maria, Mariannas Mutter - Laura Morante
Herzog Signoretto, Großvater - Philippe Noiret
Grass, Hauslehrer - Bernard Giraudeau
Marianna Ucrìa (13) - Eva Grieco
Großmutter - Laura Betti
Amtsrichter Camaleo - Leopoldo Trieste
Saro - Lorenzo Crespi
Fila - Selvaggia Quattrini
Innocenza - Carla Calò
und andere

Palermo 1743. Obwohl sie nicht sprechen kann, ist die dreizehnjährige Marianna Ucrìa ein aufgewecktes Kind, das gern schreibt und malt. Sie ist die Lieblingsenkelin ihres Großvaters. Doch auch er kann nicht verhindern, dass ihre Mutter Maria sie mit ihrem Bruder, Herzog Pietro, verheiratet. Don Pietro ist ein alter Mann, allerdings mit großer Lust auf kleine Mädchen. Nach der Hochzeitsnacht flüchtet Marianna nach Hause. Doch man schickt sie umgehend zurück, nur ihr geliebter Großvater steht ihr zumindest moralisch bei. In den folgenden Jahren bringt Marianna drei Töchter und einen Sohn zur Welt - und sie bringt das Kunststück fertig, sich nach und nach eine erstaunliche Unabhängigkeit zu sichern. Sie zieht mit ihren Kindern in ein großes Landhaus außerhalb von Palermo. Dort stellt sie für ihre Kinder den jungen, fortschrittlich denkenden Hauslehrer Grass ein. Grass wird ein großer Glücksfall für Marianna. Er beherrscht die Gebärdensprache, die er ihr und ihren Töchtern beibringt, und er macht sie mit dem Gedankengut der Aufklärung bekannt.

Irgendwann wird das der Familie zu bunt, man entlässt Grass, doch Marianna bleibt mit ihm im regen Briefwechsel. Als Marianna etwa 30 ist, stirbt Don Pietro. Marianna erbt das Gut und versucht, eine menschenwürdige Behandlung der Landarbeiter zu realisieren. Und ihr gefällt der junge Mann Saro, der Bruder ihrer Dienerin Fila. Auch Saro ist in seine Herrin verliebt. Doch aus Vernunftsgründen arrangiert Marianna Saros Hochzeit mit der schönen Peppinedda. Das wiederum erträgt Fila nicht, die ihren Bruder über alles liebt. Fila versucht, ihn aus Eifersucht zu töten und wird daraufhin in die "Irrenanstalt" gesteckt. Als Marianna sie dort besucht, muss sie Filas Vergewaltigung durch einen Insassen mit ansehen. Das konfrontiert sie mit ihrer traumatischen Vergangenheit. Immer wieder hat sie gefragt, ob sie als Kind sprechen und singen konnte, immer wieder wurde es verneint. Nun, mit den wiedergewonnenen Erinnerungen, stellt sie ihre Mutter energisch zur Rede.

Roberto Faenza gelang eine atmosphärisch dichte und intensive Adaption von Dacia Marainis Roman mit eindringlichen Impressionen von der sizilianischen Kultur des Todes und der stillen Kraft der Frauen. Maraini, die sich in ihren oft semi-dokumentarischen Werken häufig dem Thema "Gewalt gegen Frauen" zuwendet, zählt zu den engagiertesten italienischen Gegenwartsautorinnen. Die ausdrucksstarke Hauptdarstellerin Emmanuelle Laborit ist eine französische Schauspielerin, die selbst von Geburt an gehörlos ist. Im Alter von sieben Jahren erlernte sie gemeinsam mit ihren Eltern die Gebärdensprache. Sie spielte bereits die Rolle der stummen Mutter in Caroline Links Oscar nominiertem Drama "Jenseits der Stille".
   

Copyright © Jürgen Oellerich - All Rights Reserved