Die bitteren Tränen der Petra von Kant

Deutscher Spielfilm von 1972
Regie Rainer Werner Fassbinder
Drehbuch Rainer Werner Fassbinder, nach seinem gleichnamigen Theaterstück
Musik Giuseppe Verdi, The Platters und The Walker Brothers
Kamera Michael Ballhaus
Darsteller Petra von Kant - Margit Carstensen
Marlene, Sekretärin - Irm Hermann
Karin Thimm - Hanna Schygulla
Sidonie von Grasenabb - Katrin Schaake
Gabriele von Kant - Eva Mattes
Valerie von Kant - Gisela Fackeldey
u. a.

Die erfolgreiche Modedesignerin Petra von Kant lebt und arbeitet mit ihrer unterwürfigen, schweigsamen Dienerin und Privatsekretärin Marlene in einem luxuriösen Bremer Apartment. Von ihrem verstorbenen ersten Mann hat sie eine halbwüchsige Tochter, Gabriele, die auf ein teures Internat geht. Die Ehe mit ihrem zweiten Mann scheiterte. Eine Freundin macht die distinguierte Aristokratin mit Karin Thimm, einer jungen Frau aus dem Arbeitermilieu, bekannt. Petra verhilft der mittellosen Karin zu einer Modelkarriere und fordert dafür ihre Liebe. Doch Karin, die von ihrem australischen Mann enttäuscht wurde, nutzt ihre Gönnerin hemmungslos aus und betrügt sie. Als Karins Mann sich überraschend meldet, kehrt sie sofort zu ihm zurück. Am Boden zerstört, hinterfragt Petra die heuchlerischen Beziehungen zu ihren Verwandten und falschen Freundinnen.

Petra muss sich einige bittere Wahrheiten eingestehen. Voller Hoffnung bietet sie nun ihrer Dienerin Marlene, die Petra bislang vergötterte, von dieser aber nur voller Geringschätzung behandelt wurde, die Freundschaft an ...
Rainer Werner Fassbinders virtuos inszeniertes Kammerspiel "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" zählt zu den Meilensteinen des europäischen Autorenkinos. Mit seiner minimalistischen Inszenierung, die praktisch auf das Bett und das Schlafzimmer der Petra von Kant zentriert ist, erzielt Fassbinder einen maximalen Effekt. Basierend auf seinem eigenen Theaterstück, schildert er mit großer Sensibilität eine Frauenbeziehung, in der alle Schattierungen wechselseitiger Abhängigkeiten durchgespielt werden.

Margit Carstensen und Hanna Schygulla agieren bis in die kleinsten Nuancen hinein glaubwürdig. Als Rainer Werner Fassbinder am 10. Juni stirbt - zehn Tage vor seinem 37. Geburtstag - endet ein bedeutender Abschnitt in der Geschichte des "Neuen deutschen Films", als dessen wichtigster Vertreter er gilt.

Fassbinder, der "im Leben wie im Arbeiten berserkerhaft Vorwärtsstürmende" (SZ, 10.11.1982), hinterlässt über 40 Kino- und Fernsehfilme. 1945 geboren, erlebt Fassbinder eine chaotische Nachkriegskindheit. Er verlässt die Schule ohne Abitur, eine Ausbildung an einer Filmhochschule bleibt ihm verwehrt. So beginnt er seine künstlerische Laufbahn mit einem von ihm gegründeten experimentellen Antitheater, er schreibt und inszeniert seine eigenen Stücke (u.a. "Katzelmacher", "Die bitteren Tränen der Petra von Kant"). Dann entwickelt er das Projekt, mit einer Gruppe gut aufeinander eingespielter Schauspieler und Techniker schnell hintereinander Filme mit geringem Budget zu produzieren und zu drehen: "Viele Filme machen, damit mein Leben zum Film wird", sagt er einmal. Seine außerordentliche Kreativität und Produktivität geht da schon mit Selbstzerstörung einher.

Zu den berühmten Filmen seiner frühen Jahre gehören "Der Händler der vier Jahreszeiten" (1971), "Angst essen Seele auf" (1973) und die Theodor-Fontane-Verfilmung "Effi Briest" (1972-1974). Mit den Jahren erreicht Fassbinders Arbeit eine formale Meisterschaft, die sich in ausgeklügelten Kamerabewegungen und Spiegel-Blöcken, Zooms und Personenarrangements zeigt. Große Publikumserfolge erreicht er dann mit der "Deutschen Trilogie" ("Die Ehe der Maria Braun", 1978, "Lola", 1981, "Die Sehnsucht der Veronika Voss", 1982), in der er die Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik aufarbeitet. Zu einem Höhepunkt seines Schaffens wird die Verfilmung des Alfred-Döblin-Romans "Berlin Alexanderplatz" (1980). Zeit-Kritiker Ulrich Greiner nannte die 13-teilige Serie "Fassbinders größtes und schönstes, ein erschreckendes und hinreißendes, ein wildes und zugleich äußerst diszipliniertes Werk".

Fassbinders Schaffen wurde von großem öffentlichen Interesse begleitet, allein sechs Bundesfilmpreise zeugen davon. Nach seinem Tod erschienen mehrere Biografien, zur Berlinale 2007 wurde "Berlin Alexanderplatz" wiederaufgeführt.
   

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