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Der alternde Gauner Augusto Rocca ist ein begnadeter
Schwindler, der den Ruf genießt, sogar noch
den Eskimos ihr eigenes Eis verkaufen zu können.
Seit einiger Zeit hat er eine schlitzohrige Masche
ausgeheckt: Als angeblicher Sendbote des Vatikans
erklärt Augusto einer Bäuerin, ein Mörder
habe ihm in letzter Stunde gebeichtet, dass er sein
Opfer samt einem Goldschatz auf ihrem Grundstück
verscharrt habe. Augusto wolle nun die Überreste
der armen Seele exhumieren, um sie in geweihter
Erde zu bestatten. Den - in Wahrheit völlig
wertlosen - Goldschatz würde die Kirche dem
Grundstückseigner großzügig überlassen
- falls dieser bereit sei, als Gegenleistung eine
beträchtliche Summe Bargeld für die Verlesung
von 500 Messen aufzubringen. Mit diesem Trick leben
Augusto und seine beiden Komplizen nicht schlecht,
besonders der Schürzenjäger Roberto lässt
die Puppen tanzen. Der verkrachte Maler Carlo, "Picasso"
genannt, wird dagegen von Gewissensbissen geplagt.
Nur mit großer Mühe kann er sein kriminelles
Doppelleben vor seiner Frau Iris verbergen.
Augusto dagegen hat offenbar überhaupt kein
Gewissen. Er gilt als "il bidone" - ein
lombardischer Dialektausdruck für Schwindler.
Doch er ist schon 48 und weiß nur zu gut,
dass man in dieser Branche nicht alt wird. Als er
vor den Augen seiner 18-jährigen Tochter Patrizia
verhaftet wird und eine Gefängnisstrafe absitzen
muss, kommt Augusto nur schwer wieder auf die Beine.
Mit neuen Komplizen versuchte er es auf die alte
Tour und ist drauf und dran, auf einem Bauernhof
ein gelähmtes Mädchen zu betrügen,
das den falschen Priester gläubig um seinen
Segen bittet. Erschüttert gibt Augusto dem
Mädchen heimlich die Beute zurück und
wird daraufhin von seinen wütenden Komplizen
zusammengeschlagen, die den schwer Verletzten in
menschenleerer Gegend alleine zurücklassen
....
Basierend auf einem authentischen Fall, schildert
der noch stark unter dem Einfluss des Neorealismus
stehende Regisseur Federico Fellini (1920-1993)
das Schicksal dreier Gauner, deren Motive dem Zuschauer
auf anrührende Weise nahe gebracht werden.
Ein Film, der durch seine unaufdringliche Milieuschilderung
und vor allem den gottverlassenen Tod des Protagonisten
bewegt, dem seine erste gute Tat zum Verhängnis
wird. Nach "Die Müßiggänger"
(1953) und "La Strada - Das Lied der Straße"
(1954) ist "Il Bidone" das dritte Meisterwerk
des damals erst 35-jährigen Fellini. Als Picassos
Frau Iris ist wieder Fellinis Ehefrau Giulietta
Masina (1920-1994) mit von der Partie, ein Jahr
zuvor spielte sie in "La Strada" als Kindfrau
Gelsomina an der Seite von Anthony Quinn. Der Film
schlug wie eine Bombe ein und machte das Künstlerehepaar
international berühmt. Kennengelernt hatten
sie sich 1943 beim Radio, wo die promovierte Philosophin
als Aushilfssprecherin arbeitete und Fellini als
noch unbekannter Journalist und Schriftsteller Fuß
zu fassen versuchte. Die beiden heirateten sechs
Monate später.
Giulietta Masina spielte zunächst bei anderen,
mit Fellini befreundeten Regisseuren, bis er endlich
das Geld für die Verfilmung von "La Strada"
zusammen hatte. 1957 drehte sie unter Fellinis Regie
"Die Nächte der Cabiria". Mit der
Verkörperung der engelhaften, aber energischen
Prostituierten erreichte sie den Höhepunkt
ihrer Karriere, in Cannes wurde ihr der Schauspielerpreis
verliehen. Masina bewies ihr Talent auch unter anderen
Regisseuren, so u.a. in "Fortunella" von
Eduardo De Filippo. Doch immer ragten - auch aus
ihren späteren Filmrollen - die Fellini-Filme
heraus, wie z.B. "Julia und die Geister"
(1965) und "Ginger und Fred" (1985), das
gleichzeitig ein Comeback im Kino nach vielen Jahren
Fernseharbeit war. Giulietta Masina starb am 23.
März 1994, fünf Monate nach Federico Fellini.
Sie waren über 50 Jahre verheiratet.
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