|
Fellinis Casanova
|
|
Italienischer
Spielfilm von 1976
|
| Regie |
Federico
Fellini |
| Drehbuch |
Federico
Fellini und Bernardino Zapponi |
| Musik |
Nino
Rota |
| Kamera |
Giuseppe
Rotunno |
| Darsteller |
Giacomo
Casanova - Donald Sutherland
Henriette - Tina Aumont
Marquise D'Urfe - Cicely Browne
Madame Charpillon, Mutter - Carmen Scarpitta
Marcolina - Clara Algranti
Griselda - Daniela Gatti
Maria Magdalena - Margareth Clémenti
Isabella - Olimpia Carlisi
Isabellas Schwester - Silvana Fusacchia
Dr. Moebius - Mario Cencelli
und andere
|
Ausgelassenes Treiben herrscht beim Karneval in
Venedig. Während vor der Rialto-Brücke
ein riesiger Frauenkopf aus dem Wasser gezogen wird,
erhält Giacomo Casanova die Botschaft einer
Nonne, die ihn zu treffen wünscht. Sie vergnügen
sich ausgiebig in einer Villa, durch das Auge des
Fisches vom französischen Botschafter beobachtet.
Doch ein Empfehlungsschreiben für Paris bekommt
Casanova von ihm trotzdem nicht, stattdessen wird
er bei seiner Rückkehr im Namen der Inquisition
verhaftet und der Schwarzen Magie bezichtigt. Er
wird in die berüchtigten Bleikammern gesperrt.
Doch Casanova kann fliehen und geht nach Paris,
wo er sich in Marcolina, die Geliebte seines Bruders,
verliebt und Aufnahme bei Madame D'Urfe findet.
Zwei Jahre später lernt er in Forli die Liebe
seines Lebens kennen - die Französin Henriette,
die in Begleitung eines ungarischen Offiziers reist.
Henriette ist eine außergewöhnliche Frau,
doch ihr Glück währt nicht lange und Casanova
ist todunglücklich. Jahre später in London
trifft er auf Madame Charpillon, deren Liebhaber
er einst war, und ihre Tochter. Die beiden demütigen
ihn so, dass er endgültig sterben will. In
seinen besten Kleidern geht er ins Wasser, doch
eine Erscheinung am Ufer weckt seine Lebensgeister.
Auf einem Jahrmarkt in London stellt sich heraus,
dass die "Erscheinung" Angelina war, eine
Dame von zwei Metern Größe.
Später flieht Casanova nach Rom. In der Residenz
des englischen Botschafters Lord Talou wird er zum
sexuellen Zweikampf mit dem Kutscher Righetto herausgefordert,
Casanova gewinnt. In Bern trifft Casanova auf Isabella,
die Tochter des Insektenforschers Dr. Moebius. Sie
will mit ihm in Dresden ein neues Leben beginnen.
Doch statt auf Isabella trifft er dort auf seine
Mutter. Casanova wird immer mehr zum alternden,
gebrochenen Mann. Nach Reisen durch Holland, Belgien
und Spanien kommt er nach Württemberg. Hier
bleibt ihm nur der Tanz und die Liebe mit Rosalba,
einer mechanischen Puppe, einer starren, aber perfekten
Partnerin. In Böhmen schließlich, im
Schloss des Grafen von Waldstein in Dux, fristet
er ein kümmerliches Leben als Bibliothekar.
Meisterregisseur Federico Fellini, dessen Geburtstag
sich am 20. Januar 2010 zum 90. Mal jährte,
schuf die aufwendigste und aufsehenerregendste Verfilmung
der Erlebnisse des Giacomo Casanova (1725-1798).
In seiner Lesart stellt er der grauen Verlorenheit
Casanovas eine oberflächliche Welt gegenüber,
die er freilich in den tollsten Farben schildert.
Mit Donald Sutherland fand Fellini nach langer Suche
den idealen Casanova. Die Entstehungsgeschichte
des Films ist so spektakulär wie der Film selbst.
Fellini verbrauchte die damals stattliche Summe
von zehn Millionen Dollar. Sämtliche Originalschauplätze
ließ er in der römischen Filmstadt Cinecittà
nachbauen, und während der zweijährigen
Drehzeit gaben mehrere Produzenten die Zusammenarbeit
mit ihm auf. Federico Fellinis Filme gehören
zu den bleibenden Kunstwerken des letzten Jahrhunderts.
Wie kein anderer verstand er es, seine ganz persönlichen
Träume und Visionen auf die Leinwand zu bringen
und dennoch ein Millionenpublikum zu erreichen.
1920
in Rimini geboren, ging er 1939 nach Rom. Er schrieb
sich an der Universität ein, arbeitete aber
als Zeichner, Polizei- und Gerichtsreporter. Zum
Film fand er kurze Zeit später als Drehbuchautor
und Regieassistent. Vor allem der Meister des
Neorealismus, Roberto Rossellini, wurde dabei
zum einflussreichen Mentor. "Rossellini",
erinnerte sich Fellini später, "ist
mir genau im richtigen Moment begegnet, wie einer,
der einem den Weg weist, ohne dass man das in
Worte kleiden müsste". 1952 legte er
mit "Der weiße Scheich" seine
erste eigenständige Regiearbeit vor, zum
Star wurde Fellini mit "La Strada - Das Lied
der Straße" nur zwei Jahre später.
Ende der 50er-Jahre entstand der wohl berühmteste
Fellini-Film "Das süße Leben"
(1959) mit Marcello Mastroianni als Klatschreporter,
der auf der Jagd nach Sensationen und Vergnügungen
in einer elitären, sittenbefreiten Gesellschaft
ist. Autobiografische Ansätze durchzogen
Fellinis ganzes Werk, so ist es auch in "8
1/2" (1962), wo er sich persönlich als
Künstler ins Visier nahm. Es folgten Filme
wie "Julia und die Geister" (1965),
"Roma" (1971) und "Fellinis Casanova"
(1976). In ihnen nahm der Regisseur immer mehr
Abschied von den Erzählstrukturen des bloßen
Realismus. Mit "Intervista" (1987) legte
Fellini sein Alterswerk vor und spiegelte das
eigene Schaffen in der Vergangenheit und der möglichen
Zukunft des Kinos wider. Sein letzter Film - der
25. - war "Die Stimme des Mondes" (1990),
ein bunter Bilderbogen. 1993 wurde er für
sein Lebenswerk von Hollywood mit einem Oscar
geehrt. Er starb ein halbes Jahr später -
am 31.10.1993 - in Rom.
|
|
|
|
|