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Giulietta (Giulietta Masina) lebt als Frau des reichen
Public Relations-Managers Giorgio (Mario Pisu) in
Luxus und geselliger Langeweile. Als sich ihr Hochzeitstag
wieder einmal jährt, fällt Giorgio ihr abends überraschend
mit zahlreichen Gästen ins Haus, obwohl sie ihn
lieber für sich allein gehabt hätte. Unter ihnen
ist ein viel gefragtes Medium (Valeska Gert), das
der Dame des Hauses eine Kostprobe seiner Fähigkeiten
gibt.
Kurz darauf bekommt Giulietta Anlass, an der Treue
ihres Mannes zu zweifeln. Der Verdacht, dass er
sie betrügt, wird bald zur Gewissheit, die ihrerseits
in Giulietta tiefe Zweifel an ihrem bisherigen Leben
als ergebene Ehefrau weckt.
Ihre Ängste und Hoffnungen, ihre Komplexe und verdrängten
Wünsche gewinnen geisterhaftes Leben in vielschichtigen
Tagträumen, verkörpern sich in Fantasiefiguren und
Gestalten aus Giuliettas Vergangenheit und gegenwärtiger
Umgebung. Vom toten Großvater (Lou Gilbert) bis
zur kokottenhaften Nachbarin Susy (Sandro Milo)
treiben sie ihr beziehungsreiches Spiel mit Giulietta.
"Julia und die Geister" wurde seinerzeit von der
Kritik sehr unterschiedlich aufgenommen, die Bandbreite
reichte von begeisterter Bewunderung bis zum Unverständnis.
Wie die Geister mit Giulietta spielt Fellini hier
mit zwei Realitätsebenen, mit innerer und äußerer
Wirklichkeit. Giuliettas Biografie und ihre Umwelt
bilden den Kern, um den sich Partikel aus ihren
Träumen und Fantasien gruppieren.
So entsteht ein psychisches Kaleidoskop mit vielfältig
eingesprengten Realitätsfragmenten. Im Sog der Bilder
und Begebenheiten spiegeln sich individuelle und
kollektive Neurosen, jongliert Fellini ironisch
mit Kräften und Mächten, die nicht nur Giuliettas
Leben bestimmen und verwirren.
Mit dieser "schönen wie rätselhaften Kinofantasie"
(Munzinger) erinerte das MDR FERNSEHEN an Federico
Fellini, der am 31.10.1993 verstarb. Er gilt neben
Luchino Visconti als der Maestro des italienischen
Nachkriegskinos und wurde als "Meister der poetischen
Leinwand" gefeiert.
Weltweite Anerkennung brachte ihm 1954 "La Strada".
Ein Kinohit, in dem neben Anthony Quinn seine Ehefrau
Giulietta Masina spielte, die seither ein international
gefragter Star war. Mit "La dolce vita", seiner
monumentalen Gesellschaftsstudie, lenkte Fellini
1960 wieder die weltweite Aufmerksamkeit auf das
italienische Kino, stieß aber auf katholischer Seite
auf große Kritik.
Ähnlich erfolgreich waren u.a. "8 ½" (1962), "Fellinis
Satyricon" (1969), "Roma" (1972) und "Amarcord"
(1979). Mit "Ginger und Fred" (1985) schrieb er
noch einmal eine Geschichte für seine Frau Giulietta
Masina, die er hier endlich mit seinem Alter Ego
Marcello Mastroianni zusammenbrachte.
Im Frühjahr 1993 erhielt Fellini den Oscar für sein
Lebenswerk. Als er wenige Monate später starb, bezeugten
mehr als 70.000 Menschen ihre Verehrung für den
fantastischen Bildererzähler.
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