Julia und die Geister

Deutsch-italienisch-französischer Spielfilm von 1965
Regie Federico Fellini
Drehbuch Federico Fellini, Tullio Pinelli, Ennio Flaiano und Brunello Rondi
Musik Nino Rota
Kamera Gianni Di Venanzo
Darsteller Giulietta Boldrini - Giulietta Masina
Susy / Iris / Fanny - Sandra Milo
Giorgio - Mario Pisu
Valentina - Valentina Cortese
Bishma - Valeska Gert
Mutter von Giulietta - Caterina Boratto
Sylva, Schwester von Giulietta - Sylva Koscina und andere

Giulietta (Giulietta Masina) lebt als Frau des reichen Public Relations-Managers Giorgio (Mario Pisu) in Luxus und geselliger Langeweile. Als sich ihr Hochzeitstag wieder einmal jährt, fällt Giorgio ihr abends überraschend mit zahlreichen Gästen ins Haus, obwohl sie ihn lieber für sich allein gehabt hätte. Unter ihnen ist ein viel gefragtes Medium (Valeska Gert), das der Dame des Hauses eine Kostprobe seiner Fähigkeiten gibt.

Kurz darauf bekommt Giulietta Anlass, an der Treue ihres Mannes zu zweifeln. Der Verdacht, dass er sie betrügt, wird bald zur Gewissheit, die ihrerseits in Giulietta tiefe Zweifel an ihrem bisherigen Leben als ergebene Ehefrau weckt.

Ihre Ängste und Hoffnungen, ihre Komplexe und verdrängten Wünsche gewinnen geisterhaftes Leben in vielschichtigen Tagträumen, verkörpern sich in Fantasiefiguren und Gestalten aus Giuliettas Vergangenheit und gegenwärtiger Umgebung. Vom toten Großvater (Lou Gilbert) bis zur kokottenhaften Nachbarin Susy (Sandro Milo) treiben sie ihr beziehungsreiches Spiel mit Giulietta.

"Julia und die Geister" wurde seinerzeit von der Kritik sehr unterschiedlich aufgenommen, die Bandbreite reichte von begeisterter Bewunderung bis zum Unverständnis. Wie die Geister mit Giulietta spielt Fellini hier mit zwei Realitätsebenen, mit innerer und äußerer Wirklichkeit. Giuliettas Biografie und ihre Umwelt bilden den Kern, um den sich Partikel aus ihren Träumen und Fantasien gruppieren.

So entsteht ein psychisches Kaleidoskop mit vielfältig eingesprengten Realitätsfragmenten. Im Sog der Bilder und Begebenheiten spiegeln sich individuelle und kollektive Neurosen, jongliert Fellini ironisch mit Kräften und Mächten, die nicht nur Giuliettas Leben bestimmen und verwirren.

Mit dieser "schönen wie rätselhaften Kinofantasie" (Munzinger) erinerte das MDR FERNSEHEN an Federico Fellini, der am 31.10.1993 verstarb. Er gilt neben Luchino Visconti als der Maestro des italienischen Nachkriegskinos und wurde als "Meister der poetischen Leinwand" gefeiert.

Weltweite Anerkennung brachte ihm 1954 "La Strada". Ein Kinohit, in dem neben Anthony Quinn seine Ehefrau Giulietta Masina spielte, die seither ein international gefragter Star war. Mit "La dolce vita", seiner monumentalen Gesellschaftsstudie, lenkte Fellini 1960 wieder die weltweite Aufmerksamkeit auf das italienische Kino, stieß aber auf katholischer Seite auf große Kritik.

Ähnlich erfolgreich waren u.a. "8 ½" (1962), "Fellinis Satyricon" (1969), "Roma" (1972) und "Amarcord" (1979). Mit "Ginger und Fred" (1985) schrieb er noch einmal eine Geschichte für seine Frau Giulietta Masina, die er hier endlich mit seinem Alter Ego Marcello Mastroianni zusammenbrachte.

Im Frühjahr 1993 erhielt Fellini den Oscar für sein Lebenswerk. Als er wenige Monate später starb, bezeugten mehr als 70.000 Menschen ihre Verehrung für den fantastischen Bildererzähler.
   

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