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Giovanni
Ricordi ist in doppelter Hinsicht aufgeregt: Seine
Frau erwartet ihr erstes Kind und er darüber
hinaus einen großen Auftrag. Dank seiner in
Leipzig erworbenen Kupferstichhandpresse ist nur
er allein in der Lage, innerhalb von drei Tagen
200 Partituren Marschmusik für Napoleons Ankunft
in Mailand zu kopieren. Als Lohn vereinbart er mit
der Scala die im Keller des Opernhauses modernden
Partituren. Diese und seine Presse werden zum Startkapital
für den Musikverlag "Casa Ricordi".
Giovanni Ricordi ist leidenschaftlicher Opernliebhaber
und er hat einen ausgeprägten Instinkt für
Originalität und Begabung. Den Gewinn aus seinem
Verlagshaus investiert er in die Förderung
italienischer Komponisten seiner Zeit, u.a. von
Gioacchino Rossini, Gaetano Donizetti, Vincenzo
Bellini und des jungen Giuseppe Verdi. Die Komponisten
danken es dem Haus Ricordi mit dem Überlassen
ihrer Kompositionen. Es entsteht eine über
Jahrzehnte andauernde erfolgreiche Symbiose. Das
Stammhaus vergrößert sich, Sohn Tito
und Enkel Giulio steigen ins Geschäft ein.
Giulio hat die Leidenschaft seines inzwischen verstorbenen
Großvaters für die italienische Oper
geerbt.
Zu seinen größten Verdiensten zählt,
dass er Giuseppe Verdi überzeugt, noch im hohen
Alter weiter zu komponieren. Seine inzwischen weltberühmten
Opern "Othello" und "Falstaff"
entstehen. Den jungen Giacomo Puccini führt
Giulio Ricordi vom unbekannten, mäßig
erfolgreichen Komponisten zum neuen Star am Opernhimmel
- nicht nur Italiens, sondern der ganzen Welt. Natürlich
besteht die Geschichte des "Hauses Ricordi"
nicht nur aus Erfolgen - auch Niederlagen und Enttäuschungen
müssen die Musikverleger verkraften. Wer sein
Leben mit Musikern teilt, muss ein starkes Herz
haben - so Giulio Ricordi. Die vierte Generation
der Ricordis ist geboren. Tito II. wird "Das
Haus Ricordi" internationalisieren.
Die Geschichte um das berühmte Mailänder
Verlagshaus Ricordi, das in diesem Jahr den 200.
Jahrestag seiner Gründung beging, wird zum
ungezwungenen Opernquerschnitt durch das italienische
Opernschaffen eines ganzen Jahrhunderts. Darüber
hinaus zeichnet der Film in mehreren Episoden von
der Liebesromanze bis zum handfesten Opernskandal
die Vita des Musikhauses und seiner Prominenz nach,
zu der auch Giacomo Puccini gehörte. Geboren
als Spross einer toskanischen Organistenfamilie,
war Puccini die Musikerkarriere vorbestimmt.
Seine Berufung zum Opernkomponisten erkannte er,
als er 1876 eine Aufführung von Verdis "Aida"
erlebte. Seine erste Oper schrieb er mit 25 Jahren,
woraufhin sich Giulio Ricordi für ihn interessierte.
Der Auftrag des Verlegers Ricordi zur Oper "Edgar"
(1889) war der Beginn einer lebenslangen Bindung
Puccinis an das Verlagshaus. Hatte "Edgar"
vor allem wegen des schwachen Librettos noch eine
sehr geteilte Aufnahme gefunden, gelang Puccini
mit "Manon Lescaut" (1893) sein erstes
Meisterwerk. "Manon" ging um die Welt,
Puccini war ein gemachter Mann. Mit "La Bohème",
"Tosca" und "Madame Butterfly",
die in den Jahren zwischen 1896 und 1904 entstanden
und deren stürmisches, weltweites Echo das
der "Manon" noch übertraf, setzte
Puccini sich endgültig an die Spitze der Opernkomponisten
seiner Zeit.
Mit den Opern "Das Mädchen aus dem goldenen
Westen" (1910) und "La Rondine" (1917)
sowie den zu einem Triptychon (Il trittico) zusammengefassten
Einakteropern ("Der Mantel", "Schwester
Angelica", "Gianni Schicchi", 1918),
schrieb er die Reihe seiner großen Erfolge
fort. Für den reifen Puccini, immer interessiert
an neuen Themen und ungewöhnlichen Heldinnen,
war das schaurig-rührende Märchen von
der schönen wie grausamen Turandot der ideale
Opernstoff. Doch die Oper "Turandot",
an der er ab 1920 arbeitete und für die er
sich auch intensiv mit fernöstlicher Geschichte
und Musik beschäftigte, hinterließ er
unvollendet. Er starb am 29. November 1924 in Brüssel,
wenige Tage nach einer Krebsoperation am Kehlkopf.
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