Das Haus Ricordi

Italienisch-französischer Spielfilm von 1954
Regie Carmine Gallone
Drehbuch Leo Benvenuti, Nino Vittorio Novarese
Musik Rossini, Donizetti, Bellini, Verdi, Puccini, Zandonai, Musikalische Leitung: Enzo Rossellini
Kamera Marco Scarpelli
Darsteller Giovanni Ricordi - Paolo Stoppa
Gaetano Donizetti - Marcello Mastroianni
Gioacchino Rossini - Roland Alexandre
Vincenzo Bellini - Maurice Ronet
Giuseppina Strepponi - Elisa Cegani
Virginia Marchi - Micheline Presle
Isabella Colbran - Marta Toren
Maria - Daniéle Delorme
Luise Lewis - Miriam Bru
Giulia Grisi - Nadia Gray
und andere

Es singen: Mario del Monaco, Tito Gobbi, Gino Mattera, Marinella Meli, Giulio Neri, Renata Tebaldi, Gianni Poggi, Giulietta Simionato und Italo Tajo.

Giovanni Ricordi ist in doppelter Hinsicht aufgeregt: Seine Frau erwartet ihr erstes Kind und er darüber hinaus einen großen Auftrag. Dank seiner in Leipzig erworbenen Kupferstichhandpresse ist nur er allein in der Lage, innerhalb von drei Tagen 200 Partituren Marschmusik für Napoleons Ankunft in Mailand zu kopieren. Als Lohn vereinbart er mit der Scala die im Keller des Opernhauses modernden Partituren. Diese und seine Presse werden zum Startkapital für den Musikverlag "Casa Ricordi".

Giovanni Ricordi ist leidenschaftlicher Opernliebhaber und er hat einen ausgeprägten Instinkt für Originalität und Begabung. Den Gewinn aus seinem Verlagshaus investiert er in die Förderung italienischer Komponisten seiner Zeit, u.a. von Gioacchino Rossini, Gaetano Donizetti, Vincenzo Bellini und des jungen Giuseppe Verdi. Die Komponisten danken es dem Haus Ricordi mit dem Überlassen ihrer Kompositionen. Es entsteht eine über Jahrzehnte andauernde erfolgreiche Symbiose. Das Stammhaus vergrößert sich, Sohn Tito und Enkel Giulio steigen ins Geschäft ein. Giulio hat die Leidenschaft seines inzwischen verstorbenen Großvaters für die italienische Oper geerbt.

Zu seinen größten Verdiensten zählt, dass er Giuseppe Verdi überzeugt, noch im hohen Alter weiter zu komponieren. Seine inzwischen weltberühmten Opern "Othello" und "Falstaff" entstehen. Den jungen Giacomo Puccini führt Giulio Ricordi vom unbekannten, mäßig erfolgreichen Komponisten zum neuen Star am Opernhimmel - nicht nur Italiens, sondern der ganzen Welt. Natürlich besteht die Geschichte des "Hauses Ricordi" nicht nur aus Erfolgen - auch Niederlagen und Enttäuschungen müssen die Musikverleger verkraften. Wer sein Leben mit Musikern teilt, muss ein starkes Herz haben - so Giulio Ricordi. Die vierte Generation der Ricordis ist geboren. Tito II. wird "Das Haus Ricordi" internationalisieren.

Die Geschichte um das berühmte Mailänder Verlagshaus Ricordi, das in diesem Jahr den 200. Jahrestag seiner Gründung beging, wird zum ungezwungenen Opernquerschnitt durch das italienische Opernschaffen eines ganzen Jahrhunderts. Darüber hinaus zeichnet der Film in mehreren Episoden von der Liebesromanze bis zum handfesten Opernskandal die Vita des Musikhauses und seiner Prominenz nach, zu der auch Giacomo Puccini gehörte. Geboren als Spross einer toskanischen Organistenfamilie, war Puccini die Musikerkarriere vorbestimmt.

Seine Berufung zum Opernkomponisten erkannte er, als er 1876 eine Aufführung von Verdis "Aida" erlebte. Seine erste Oper schrieb er mit 25 Jahren, woraufhin sich Giulio Ricordi für ihn interessierte. Der Auftrag des Verlegers Ricordi zur Oper "Edgar" (1889) war der Beginn einer lebenslangen Bindung Puccinis an das Verlagshaus. Hatte "Edgar" vor allem wegen des schwachen Librettos noch eine sehr geteilte Aufnahme gefunden, gelang Puccini mit "Manon Lescaut" (1893) sein erstes Meisterwerk. "Manon" ging um die Welt, Puccini war ein gemachter Mann. Mit "La Bohème", "Tosca" und "Madame Butterfly", die in den Jahren zwischen 1896 und 1904 entstanden und deren stürmisches, weltweites Echo das der "Manon" noch übertraf, setzte Puccini sich endgültig an die Spitze der Opernkomponisten seiner Zeit.

Mit den Opern "Das Mädchen aus dem goldenen Westen" (1910) und "La Rondine" (1917) sowie den zu einem Triptychon (Il trittico) zusammengefassten Einakteropern ("Der Mantel", "Schwester Angelica", "Gianni Schicchi", 1918), schrieb er die Reihe seiner großen Erfolge fort. Für den reifen Puccini, immer interessiert an neuen Themen und ungewöhnlichen Heldinnen, war das schaurig-rührende Märchen von der schönen wie grausamen Turandot der ideale Opernstoff. Doch die Oper "Turandot", an der er ab 1920 arbeitete und für die er sich auch intensiv mit fernöstlicher Geschichte und Musik beschäftigte, hinterließ er unvollendet. Er starb am 29. November 1924 in Brüssel, wenige Tage nach einer Krebsoperation am Kehlkopf.
   

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