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In
den Armenvierteln Süditaliens ist die Camorra
allgegenwärtig und für viele die einzige
Zukunftsperspektive. Am dramatischsten ist die Situation
in Scampia, einer Sozialbausiedlung bei Neapel.
Hier kontrolliert die Camorra längst alle Bereiche
des Lebens. Wer in diesem urbanen Niemandsland aufwächst,
hat mit Blick auf die Mafia drei Möglichkeiten:
Er macht mit, stirbt oder flüchtet.
Der 12-jährige Totò (Salvatore Abruzzese)
hofft in kindlicher Naivität, endlich mitmachen
zu dürfen. Der Traum von einer Gangsterkarriere
droht sich jedoch in einen Alptraum zu verwandeln,
als er dabei helfen soll, die Mutter seines besten
Freundes zu ermorden. Auch der Mafia-Buchhalter
Don Ciro (Gianfelice Imparato) gerät zwischen
die Fronten. Seine Aufgabe besteht darin, den Familien
inhaftierter oder getöteter Mafiosi regelmäßig
Geld zu bringen. Dadurch wird er zur Zielscheibe
eines feindlichen Clans, der ihn zwingen will, seine
Leute ans Messer zu liefern.
Anders der begabte Schneidermeister Pasquale (Salvatore
Cantalupo). Er arbeitet für ein Modeunternehmen,
das der Camorra untersteht und wird gnadenlos ausgebeutet.
Aus diesem Grund lässt er sich für gutes
Geld heimlich von der chinesischen Billig-Konkurrenz
anheuern, um deren Näher auszubilden - ein
riskantes Spiel, das nicht lange gut geht. Den Unmut
der Camorra ziehen sich auch die beiden Jungkriminellen
Marco (Marco Macor) und Ciro (Ciro Petrone) zu.
Allen Warnungen zum Trotz kommen sie mit ihren dreisten
Raubzügen immer wieder den örtlichen Bossen
in die Quere. Ganz im Sinne der Hintermänner
agiert indes der Unterhändler Franco (Toni
Servillo). Er vermittelt Industriekonzernen aus
dem Norden kostengünstige Entsorgungsmöglichkeiten
für ihren Giftmüll. Doch sein neuer Assistent,
der Mafia-Novize Roberto (Carmine Paternoster),
will plötzlich mit den skrupellosen Machenschaften
nichts mehr zu tun haben.
Kaum ein Buch hat in den vergangenen Jahren für
solche Aufmerksamkeit gesorgt, wie der dokumentarische
Roman "Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra"
von Roberto Saviano. Detailliert schildert der junge
Journalist darin die Praktiken des organisierten
Verbrechens und den Einfluss auf das alltägliche
Leben in seiner süditalienischen Heimatregion.
Nach der Veröffentlichung des Buches musste
er untertauchen, steht seither unter Polizeischutz.
Für die Verfilmung des Bestsellers hat Regisseur
Matteo Garrone die Vorlage auf fünf Handlungsstränge
reduziert. Einer Romantisierung des Milieus verweigert
sich der Film radikal. Gedreht wurde fast ausschließlich
mit Laiendarstellern an Originalschauplätzen
in Neapels Sozialbausiedlung Scampia, einer der
größten Mafiahochburgen der Region. Der
Wagemut hat sich gelohnt: Garrones Film wurde unter
anderem mit dem Großen Preis des Festivals
in Cannes sowie mit fünf Europäischen
Filmpreisen ausgezeichnet.
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