|
In ein kleines Walliser Bergdorf am Ende eines tiefen,
abgeschiedenen Tals dringt während der langen
Wintermonate kein einziger Lichtstrahl. Erst am
13. April jeden Jahres steigt die Sonne wieder über
die hohen Berggipfel. Bis dahin leben die von der
Umwelt abgeschnittenen Dorfbewohner in einem nebligen
Zwielicht, das sich wie Mehltau auf das Gemüt
der Bergbauern legt. Der angesehene Kräutersammler
Anzevui verkündet den Bewohnern dieses Dorfes
zum Ausgang des Winters 1937, dass die Sonne nie
wieder scheinen werde.
Obwohl niemand so recht daran glauben mag, erzeugt
die düstere Vorhersage doch eine beklommene
Stimmung unter der Bevölkerung. Arlettaz, dessen
Tochter vor Jahren davongelaufen ist, verkauft all
seine Felder und ertränkt seinen Kummer im
Alkohol. Der opportunistische Follonier nimmt die
günstige Gelegenheit wahr und erwirbt das Land
zum halben Preis. Einige der Jüngeren schließen
sich zusammen, um dem Propheten Anzevui einen Streich
zu spielen. Doch als ein junges Mädchen aus
dem Dorf sich als Geist verkleidet und in Anzevuis
Zimmer blickt, erschrickt sie selbst zu Tode: Sie
sieht den alten Mann durchs Zimmer schweben.
Die unterschwellige Angst unter den Dorfbewohnern
nimmt zu. Allein die junge Isabelle, die sich von
ihrem Mann Augustin sehnlichst ein Kind wünscht,
lässt sich von dieser Weltuntergangsstimmung
nicht anstecken. Als der 13. April naht, versammelt
sie die mutigsten Männer des Dorfes um sich,
um gemeinsam mit ihnen auf den höchsten Berg
zu steigen und dort die Sonne zu begrüßen
...
"Wenn die Sonne nicht wiederkäme"
ist ein ungewöhnlicher Heimatfilm des renommierten
Schweizer Filmemachers Claude Goretta. Meditativ-poetische
Bilder aus der kleinen, abgeschlossenen Welt eines
Schweizer Bergdorfes ziehen den Zuschauer in ihren
Bann. Am Ende einer behutsam vorangetriebenen Erzählung
gipfelt die ersehnte Wiederkehr der Sonne in einem
erhabenen Augenblick, dessen visuelle Schönheit
lange nachwirkt.
|