|
Clarissa Dalloway ist eine Upperclass-Lady im London
der 20er Jahre, bekannt für ihre stilvollen
Partys, auf denen sich die Gesellschaft gerne trifft.
Sie ist glücklich verheiratet und führt
ein unbeschwertes, sorgenfreies Leben. So scheint
es zumindest. Während der Vorbereitungen zu
einer ihrer Partys erhält Clarissa unverhofft
Besuch von ihrem einstigen Liebhaber Peter Walsh,
mit dem die Bilder der Vergangenheit plötzlich
wieder lebendig vor ihr stehen.
30 Jahre ist es her, dass Peter sie bedrängte,
seine Frau zu werden. Doch da in seiner überschwänglichen
Liebe kein Platz für ihre eigene Entfaltung
blieb, hat sie ihn zu Gunsten des langweiligen und
grundsoliden Richard Dalloway verschmäht. Auch
die Erinnerung an eine andere mögliche Liebe
zu ihrer damaligen Freundin Sally Seton wird wieder
wach. Während Clarissa in den Bildern einer
heiteren, fast ungetrübten Jugend schwelgt,
irrt der junge Kriegsheimkehrer Septimus Warren
Smith verzweifelt und mit wirrem Blick durch Londons
Straßen. Er wird das Bild nicht los, wie sein
bester Freund vor seinen Augen von einer Granate
zerfetzt wurde. Seither glaubt Septimus, verfolgt
zu werden - insbesondere von seinem unsensiblen
Arzt William Bradshaw.
Um ihm zu entkommen, stürzt Septimus sich in
den Tod. Durch diesen Selbstmord ist die Eitelkeit
des Arztes gekränkt, der Clarissa am Abend
der Party diesen unangenehmen Zwischenfall als Grund
seiner Verspätung nennt. Clarissas Gedanken
heften sich an den Selbstmörder, der im Tod
ewig jung bleiben wird, während in ihr versteckte
Zweifel aufkeimen, ob sie mit der Wahl ihres Gatten
den richtigen Weg gegangen ist.
Die niederländische Regisseurin Marleen Gorris,
für ihren vorangegangenen Film "Antonias
Welt" als erste Frau mit einem "Oscar"
für den "besten ausländischen Film"
ausgezeichnet, ist mit "Mrs. Dalloway"
eine beeindruckende und überaus stimmungsvolle
Literaturverfilmung gelungen. Marleen Gorris verfilmte
hier den 1925 erschienenen gleichnamigen Roman der
britischen Kultautorin der literarischen Avantgarde
ihrer Generation, der inzwischen zur Klassikerin
avancierten Virginia Woolf (1882-1941). Ihr gelang
eine "psychologisch differenzierte Literaturverfilmung,
in der Gefühle, Stimmungen und verdrängte
Sehnsüchte im Vordergrund stehen" (Zoom
9/97). "Mit großer Liebe zu ihren Figuren
zeigt die Filmemacherin, wie es tief drinnen in
ihnen aussieht, ohne je voyeuristisch zu werden.
Und sie gestaltet sich und uns durchaus eine angenehme
Prise Romantik" (Frauke Hanck). In der Titelrolle
gibt Vanessa Redgrave ("Blow Up", "Wiedersehen
in Howards End") das lebendige Porträt
einer starken Frau, die stets nach der Vernunft
lebte und nun von verdrängten Gefühlen
heimgesucht wird.
|