Das Geheimnis des Rubins

Französischer Spielfilm von 1982
Regie Pierre Granier-Deferre
Drehbuch Michel Grisolia, Jean Aurenche und Pierre Granier-Deferre, nach dem Roman "Der Untermieter" von Georges Simenon
Musik Philippe Sarde
Kamera Pierre-William Glenn
Darsteller Madame Louise Baron - Simone Signoret
Edouard Binet - Philippe Noiret
Sylvie Baron - Fanny Cottencon
Antoinette Baron - Julie Jézéquel
Jasmina - Liliana Gerace
Nemrod - Gamil Ratib
Valesco - Jean-Yves Chatelais
Ingenieur - Jean Dautremay
Albert - Pierre Forget
und andere

Der französische Abenteurer Edouard Binet schätzt den Luxus und die Bequemlichkeit des orientalischen Lebens. Viele Jahre verbringt er in Ägypten, wo er sich von der wohlhabenden Sängerin Jasmina aushalten lässt. Nach ihrem Tod vermacht sie ihm einen hochkarätigen Rubin, mit dem der notorisch mittellose Edouard im Januar 1934 nach Frankreich zurückkehrt, denn er will den kostbaren Stein zu Geld machen. Auf der Heimreise lernt er die junge Sylvie Baron kennen, die sich als Mätresse des wohlhabenden Ägypters Nemrod durchschlägt. Da Edouard noch nie gern gearbeitet hat, dafür aber stets den Mutterinstinkt weiblicher Gönnerinnen zu wecken verstand, folgt er Sylvie bis nach Brüssel, wo sie dem Schnorrer in ihrem Hotelzimmer heimlich Unterkunft gewährt.

Dabei bekommt Edouard zufällig mit, wie der Ägypter im Nachbarzimmer eine große Summe Geld kassiert. Als Edouard von einem Juwelier erfährt, dass sein Rubin nur ein wertloses Imitat ist, kommt es zu einer Kurzschlussreaktion: Edouard erschlägt Nemrod und beraubt ihn des Geldes - scheint aber keine klare Erinnerung an die Tat zu haben. Sylvie versteckt den mutmaßlichen Mörder in der kleinen abgelegenen Provinzpension ihrer Mutter Louise, wo der kränkelnde, schüchterne Edouard förmlich aufblüht. Unter der mütterlichen Fürsorge der rustikalen Pensionswirtin, die den weit gereisten Gast bewundert und umhegt, fühlt Edouard sich so wohl, dass er seine Bluttat völlig vergisst, sich häuslich einnistet und nicht mehr an eine Flucht denkt. Als Louise von ihrer Tochter erfährt, dass sie einen Mörder beherbergt, bricht für sie eine (kleine) Welt zusammen ...

"Das Geheimnis des Rubins" ist eine gelungene Adaption des Romans "Der Untermieter" aus der Feder des Kommissar-Maigret-Schöpfers Georges Simenon. Das Drehbuch von Jean Aurenche, Pierre Granier-Deferre und Michel Grisolia wurde 1983 mit dem César, dem französischen Filmpreis, ausgezeichnet. Mit seinem langen erzählerischen Atem setzt der Film weniger auf kriminalistische Spannung als auf das subtile und variantenreiche Zusammenspiel der beiden großen Akteure Simone Signoret und Philippe Noiret, dessen Charakter eine moderne Version von "König Ödipus" darstellt. Das MDR FERNSEHEN will mit "Das Geheimnis des Rubins" Philippe Noiret zum 75. Geburtstag am 1.10. gratulieren sowie an den gestrigen 20. Todestag (30.9.) von Simone Signoret erinnern. Beide sind sie Legenden des französischen Kinos, beide spielten ebenso erfolgreich Theater wie sie Filmrollen mit ihrer Persönlichkeit prägten bzw. prägen.

"Simone Signoret war eine große Schauspielerin und ein großer Mensch. In diesem Sinne spielte sie in allen Rollen eigentlich sich selbst", resümiert das Munziger Archiv ihr Leben. Zu ihren besten Filmen gehören "Der Reigen" (1950), "Goldhelm" (1952) und "Der Weg nach oben" (1958). Sie war mit Yves Montand verheiratet, mit dem sie eine zeitlang aktiv im Lager der französischen Kommunisten wirkte. Mit 64 Jahren erlag sie ihrem Krebsleiden. Philippe Noiret kann in seiner über 50-jährigen Karriere auf über 120 Filmrollen zurückblicken.

Seine schauspielerische Wirkung beurteilte Le Figaro einmal so: "Er ist ein gleich bleibender Gefühlswert an der französischen Kinokasse. Man erlaubt ihm, die Schlechten, die Verbogenen, die Mörder zu spielen. Man weiß genau, dass er nicht so ist, dass er weder sein Gesicht, noch seinen Geschmack, noch sein Haus, noch seine Frau auswechseln wird. Nur seine Rollen". Zu diesen gehören u.a. der trottelig-verliebte Richter in "Das große Fressen" (1973), "Der Uhrmacher von Saint-Paul" (1973) und D'Artagnan in "D`Artagnans Tochter" (1994).
   

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