Fabian

Spielfilm (D 1979)
Regie Wolf Gremm
Drehbuch Hans Borgelt und Wolf Gremm
Musik Charles Kalman
Kamera Jürgen Wagner
Länge 110 Min.
Darsteller Fabian - Hans Peter Hallwachs
Labude - Hermann Lause
Cornelia - Silvia Janisch
Frau Moll - Mijanou van Baarzel
Frau Hohlfeld - Brigitte Mira
Justizrat Labude - Ivan Desny
Erfinder - Charles Regnier
Ruth Reiter - Ruth Niehaus
Die Kulp - Carola Regnier
und andere

Deutschland 1931. Fabian ist Anfang 30 und arbeitet in einer Berliner Werbeagentur. Dort ist er als Texter für eine Zigarettenreklame zuständig. Karriere und Geld sind ihm jedoch ziemlich egal. Er widmet sich lieber den schönen Seiten des Lebens, verbringt die Nächte mit seinem besten Freund - dem aus wohlhabender Familie stammenden Literaturwissenschaftler Labude - in den Bars und Kneipen der Stadt und vergnügt sich mit wechselnden Frauenbekanntschaften. Obwohl der scharfsinnige Fabian die Verlogenheit des bürgerlichen Lebens durchaus durchschaut und das gesellschaftspolitische Geschehen in seinen Gesprächen mit Labude ironisch-sozialkritisch kommentiert, scheinen ihn Politik und der drohende Nationalsozialismus nur wenig zu berühren. Fabian bleibt ein passiver Beobachter, der auf den "Sieg des Guten" und den "Triumph des Anstands" wartet. Eines Tages lernt er die Jurastudentin Cornelia kennen, in die er sich unsterblich verliebt. Als er kurz darauf überraschend seinen Job verliert, gerät sein Leben zusehends aus den Fugen. Er gibt Cornelia sein letztes Geld, damit sie sich in angemessener Garderobe einem Produzenten vorstellen kann, der sie in seinem neuen Film besetzen will. Am nächsten Tag findet er einen Abschiedsbrief: Cornelia hat ihn zugunsten ihrer Karriere verlassen. Kurz darauf erfährt der zutiefst verletzte Fabian, dass Labude Selbstmord verübt hat, nachdem seine Habilitationsschrift abgelehnt wurde. Allein und verlassen kehrt Fabian zu den Eltern in seine kleine Heimatstadt zurück. Hier trifft er einen alten Schulfreund wieder, der voll auf der Linie der Nazis ist. Zunächst will Fabian einen Job bei der lokalen Zeitung annehmen, deren Redakteur bezeichnenderweise bereits ein Hitlerbärtchen trägt, entschließt sich dann jedoch aus moralischen Gründen dagegen. Am gleichen Tag sieht er auf einer Brücke einen kleinen Jungen in den Fluss stürzen. Fabian springt hinterher. Während das Kind das rettende Ufer erreicht, taucht Fabian nicht mehr auf - er war Nichtschwimmer.

Mit "Fabian" hat Regisseur Wolf Gremm eine pointierte Adaption des gleichnamigen Erich-Kästner-Romans inszeniert. Getragen von hervorragenden Darstellern ist "Fabian" eine geistreiche Satire auf deutsche Befindlichkeiten, der es zugleich gelingt, die Faszination und den Zauber der Kästnerschen Titelfigur spürbar zu machen. In der Hauptrolle brilliert Hans Peter Hallwachs. In weiteren Rollen sind Silvia Janisch und Hermann Lause zu sehen. "Fabian" schrieb Erich Kästner (gestorben am 29. Juli 1974), im Jahr 1931. Der Roman gilt als eines der bedeutendsten Prosawerke der Neuen Sachlichkeit. Bekannt und berühmt wurde der 1899 in Dresden geborene Journalist, Satiriker und Schriftsteller vor allem durch seine Kinder- und Jugendbücher wie "Emil und die Detektive" (1928), "Pünktchen und Anton" (1930), "Das fliegende Klassenzimmer" (1932) und "Das doppelte Lottchen" (1950). Nicht nur diese wunderbaren Bücher wurden mehrfach verfilmt, insgesamt gibt es mehr als 40 Filme nach Kästner, die in verschiedenen Ländern entstanden sind. Erich Kästner, der ein politischer Schriftsteller war und dessen Bücher von den Nazis im Mai 1933 verbrannt wurden, wollte trotz eines Schreibverbots nicht ins Ausland gehen. Er lebte in dieser Zeit von den Devisen bringenden Übersetzungen seiner Bücher im Ausland. Mit einer Sonderbewilligung schrieb er 1941 unter Pseudonym das Drehbuch für den Ufa-Jubiläumsfilm "Münchhausen". Nach dem Krieg setzte er seine Arbeit fort und wurde zum einflussreichen Kulturjournalisten, er gründete das Münchner Kabarett "Die kleine Freiheit" und engagierte sich politisch. Mitte der 1960er Jahre zog er sich aus dem Kulturbetrieb zurück, der Anschluss an die deutsche Nachkriegsliteratur blieb ihm verwehrt. Die Wiederentdeckung seines literarischen Werkes begann nach seinem Tod.
   

Copyright © Jürgen Oellerich - All Rights Reserved