Lotte in Weimar

Spielfilm aus der DDR von 1974
Regie Egon Günther
Drehbuch Egon Günther, nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann
Musik Karl-Ernst Sasse und Gustav Mahler
Kamera Erich Gusko
Darsteller Charlotte Kestner, "Lotte" - Lilli Palmer
Johann Wolfgang von Goethe - Martin Hellberg
Kellner Mager - Rolf Ludwig
August, Goethes Sohn - Hilmar Baumann
Adele Schopenhauer - Jutta Hoffmann
Ottilie von Pogwisch - Katharina Thalbach
Charlotte, Lottes Tochter - Monika Lennartz
Karl, Diener bei Goethe - Dieter Mann
Klärchen, Zofe bei Lotte - Angelika Ritter
Professor Meyer - Norbert Christian
Dr. Riemer - Hans-Joachim Hegewald
u. a.

44 Jahre ist es her, dass die junge Charlotte Kestner, geborene Buff, in Wetzlar eine stürmische Affäre mit dem jungen Rechtspraktikanten Dr. Goethe hatte. Sie heiratete ihn jedoch nicht, worauf der junge Liebhaber sich mit Todesgedanken trug, die er in seinem Roman "Werthers Leiden" verarbeitete, der ihn über Nacht berühmt machte. Nach über 40 Jahren beschließt die betagte Dame, den Jugendfreund zu besuchen, der nun als großer Dichter gilt und in Weimar als Staatsminister residiert. Als Charlotte sich im Gasthof "Zum Elephanten" einquartiert, wird sie von jedermann als die Lotte erkannt und innig bewundert. Die Honoratioren der Stadt sind versessen auf eine Audienz bei der legendären Geliebten Goethes.

Der servile Mager reißt die Regie an sich und lässt die Puppen tanzen. Im Nu ist Charlotte mit Klatsch und Intrigen aus dem Umfeld des großen Dichters involviert. Adele Schopenhauer versucht Charlotte sogar dazu zu bewegen, ihr dabei zu helfen, die bevorstehende Heirat zwischen ihrer Freundin Ottilie und Goethes trunksüchtigem Sohn August zu verhindern. Der alte Goethe ist nicht begeistert über Charlottes Besuch und gibt ihr zu Ehren nur ein Mittagessen in kleiner Runde, bei dem er seiner einstigen Muse mit distanzierter Höflichkeit begegnet. Nach dem misslungenen Wiedersehen schickt er ihr ein Billet, sie möge seine Theaterloge benutzen. Auf der Heimfahrt in der Kutsche redet Charlotte mit Goethe noch einmal über die Jugendzeit, doch es bleibt unerfindlich, ob dieses Gespräch nur ihrer Phantasie entspringt.

Am 6. Juni 1975 - an Thomas Manns 100. Geburtstag - erlebte die Verfilmung seines Romans "Lotte in Weimar" durch die DEFA ihre festliche Premiere. Dank der engen Beziehungen des Dramaturgen und früheren DEFA-Direktors Walter Janka zur Familie Thomas Manns (die sich während seiner politischen Inhaftierung in der DDR für Janka eingesetzt hatte) lagen die Verfilmungsrechte bei der DEFA. Großen Trubel gab es vor der Premiere um Lilli Palmer, die als Weltstar die Titelrolle spielte - eine ungewöhnliche Tatsache zu jener Zeit. Pikanterweise hatte sich Lilli Palmer, als sie 1970 von dem Projekt hörte, um diese Rolle beworben und von der DEFA zunächst eine unverbindliche Antwort erhalten. Doch im März 1974 erreicht den Star doch die Nachricht, dass für die Rolle der Lotte niemand anderes in Frage käme als sie. Lili Palmer: "Vor Freude bin ich beinahe an die Decke gesprungen".
Für die Rolle Goethes erwog man dann auch, einen Darsteller aus dem Westen zu besetzen, doch dann spielte Martin Hellberg den Hofrat, ein temperamentvoller Regisseur vieler DEFA-Filme, der politisch in Ungnade gefallen war. Aus dem opulenten Darstellerensemble sind noch Rolf Ludwig als Kellner Mager und Jutta Hoffmann als Adele Schopenhauer hervorzuheben. Der Film wurde nach Cannes eingeladen, der erhoffte Festspielerfolg blieb aus. Verständlich für einen Film, der im Wesentlichen von seinen Dialogen lebt, wie der westdeutsche Filmkritiker Heinz Kersten seinerzeit meinte. Er lobte Egon Günthers Inszenierung, in der "manches von Mann'scher Ironie (steckt), die durch indirekte Anspielungen noch eine DDR-spezifische Dimension erhält" (Heinz Kersten "So viele Träume").
   

Copyright © Jürgen Oellerich - All Rights Reserved