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44 Jahre ist es her, dass die junge Charlotte Kestner,
geborene Buff, in Wetzlar eine stürmische Affäre
mit dem jungen Rechtspraktikanten Dr. Goethe hatte.
Sie heiratete ihn jedoch nicht, worauf der junge
Liebhaber sich mit Todesgedanken trug, die er in
seinem Roman "Werthers Leiden" verarbeitete,
der ihn über Nacht berühmt machte. Nach
über 40 Jahren beschließt die betagte
Dame, den Jugendfreund zu besuchen, der nun als
großer Dichter gilt und in Weimar als Staatsminister
residiert. Als Charlotte sich im Gasthof "Zum
Elephanten" einquartiert, wird sie von jedermann
als die Lotte erkannt und innig bewundert. Die Honoratioren
der Stadt sind versessen auf eine Audienz bei der
legendären Geliebten Goethes.
Der servile Mager reißt die Regie an sich
und lässt die Puppen tanzen. Im Nu ist Charlotte
mit Klatsch und Intrigen aus dem Umfeld des großen
Dichters involviert. Adele Schopenhauer versucht
Charlotte sogar dazu zu bewegen, ihr dabei zu helfen,
die bevorstehende Heirat zwischen ihrer Freundin
Ottilie und Goethes trunksüchtigem Sohn August
zu verhindern. Der alte Goethe ist nicht begeistert
über Charlottes Besuch und gibt ihr zu Ehren
nur ein Mittagessen in kleiner Runde, bei dem er
seiner einstigen Muse mit distanzierter Höflichkeit
begegnet. Nach dem misslungenen Wiedersehen schickt
er ihr ein Billet, sie möge seine Theaterloge
benutzen. Auf der Heimfahrt in der Kutsche redet
Charlotte mit Goethe noch einmal über die Jugendzeit,
doch es bleibt unerfindlich, ob dieses Gespräch
nur ihrer Phantasie entspringt.
Am 6. Juni 1975 - an Thomas Manns 100. Geburtstag
- erlebte die Verfilmung seines Romans "Lotte
in Weimar" durch die DEFA ihre festliche Premiere.
Dank der engen Beziehungen des Dramaturgen und früheren
DEFA-Direktors Walter Janka zur Familie Thomas Manns
(die sich während seiner politischen Inhaftierung
in der DDR für Janka eingesetzt hatte) lagen
die Verfilmungsrechte bei der DEFA. Großen
Trubel gab es vor der Premiere um Lilli Palmer,
die als Weltstar die Titelrolle spielte - eine ungewöhnliche
Tatsache zu jener Zeit. Pikanterweise hatte sich
Lilli Palmer, als sie 1970 von dem Projekt hörte,
um diese Rolle beworben und von der DEFA zunächst
eine unverbindliche Antwort erhalten. Doch im März
1974 erreicht den Star doch die Nachricht, dass
für die Rolle der Lotte niemand anderes in
Frage käme als sie. Lili Palmer: "Vor
Freude bin ich beinahe an die Decke gesprungen".
Für die Rolle Goethes erwog man dann auch,
einen Darsteller aus dem Westen zu besetzen, doch
dann spielte Martin Hellberg den Hofrat, ein temperamentvoller
Regisseur vieler DEFA-Filme, der politisch in Ungnade
gefallen war. Aus dem opulenten Darstellerensemble
sind noch Rolf Ludwig als Kellner Mager und Jutta
Hoffmann als Adele Schopenhauer hervorzuheben. Der
Film wurde nach Cannes eingeladen, der erhoffte
Festspielerfolg blieb aus. Verständlich für
einen Film, der im Wesentlichen von seinen Dialogen
lebt, wie der westdeutsche Filmkritiker Heinz Kersten
seinerzeit meinte. Er lobte Egon Günthers Inszenierung,
in der "manches von Mann'scher Ironie (steckt),
die durch indirekte Anspielungen noch eine DDR-spezifische
Dimension erhält" (Heinz Kersten "So
viele Träume").
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