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Ralf Päschke, Regiestudent an der einzigen
Filmhochschule der DDR, erhält den Auftrag,
einen Dokumentarfilm über eine Frauenbrigade
des VEB NARVA in Berlin zu drehen. Der junge Mann
ist wenig erfreut, denn wer will das schon sehen?
Doch dann lernt er die fünf jungen Frauen und
ihre erfahrene Meisterin kennen: Susi, die schnoddrige,
kesse, immer in irgendwen Verliebte; Kerstin, die
ein braves Kind, eine brave Oberschülerin war
und nun nach einem Diebstahl auf Bewährung
im Betrieb ist; Anita, die selbstbewusste, aber
einsame; Ella, die sich an ihr jahrelanges Verhältnis
mit einem verheirateten Mann gewöhnt hat; die
kontaktarme, unsichere Gertrud. Und dazu die souveräne,
alle Situationen beherrschende Meisterin Marie.
Die sechs sind ein ausgezeichnetes Arbeitskollektiv,
und doch merkt Ralf bald, dass es unter der Oberfläche
Spannungen und Probleme gibt.
Vor allem Kerstin, die Abiturientin, hat es nicht
leicht in der Gruppe, zu groß sind die Vorbehalte
der anderen ihr gegenüber. Und dann kommt es
zum großen Krach: Als die Mädchen von
der beschlossenen Umrüstung ihrer Produktionsstrecke
erfahren, über die niemand mit ihnen gesprochen
hat, wendet sich ihr Unmut gegen die Meisterin.
Die kontert mit einer heimlich geführten Liste
über Fehlzeiten. Die Mädchen sind empört,
worauf Marie ihrerseits so verletzt reagiert, dass
sie mit einem Nervenzusammenbruch ins Sanatorium
eingeliefert werden muss. Die folgenden Wochen lassen
zwischen den jungen Frauen und in ihrem Verhältnis
zu Ralf ein neues Verständnis aufkeimen. Ralf
ist mittendrin und muss sich fragen, wie viel er
von den Problemen in seinem Film preisgeben darf.
Doch für Ralf ist die Brigade, sind die sechs
Frauen - und von ihnen besonders Kerstin - längst
wichtiger als sein Film.
Iris Gusner, eine der wenigen Regisseurinnen der
DEFA, zeichnet gemeinsam mit Szenaristin Gabriele
Kotte ein realitätsnahes Frauengruppenporträt
Ende der 70er-Jahre in der DDR. Sie erzählen
genau bis ins Detail, freundlich und liebevoll,
nie schönfärberisch glättend. So
repräsentiert "Alle meine Mädchen"
ein wesentliches Stück DDR-Alltag. Ein interessantes
Zeitdokument, dessen sehr lebendige Ausstrahlung
es neben der stimmigen Geschichte vor allem den
schauspielerisch überzeugenden Mädchen
(unter ihnen Barbara Schnitzler als DEFA-Debüt)
und Lissy Tempelhof als Meisterin verdankt. Für
diese Rolle erhält sie den Jury- und Publikumspreis
beim Nationalen Spielfilmfestival der DDR. Lissy
Tempelhof feierte am 17.3.2009 ihren 80. Geburtstag.
In Berlin, in einer Arbeiterfamilie geboren, arbeitet
Lissy Tempelhof nach dem Krieg u.a. als Sekretärin
und Straßenbahnschaffnerin. In einer Laienspielgruppe
und in einem Kabarett sammelt sie erste Schauspielerfahrungen.
Ihr erstes Engagement erhält sie 1947 am Landestheater
Anklam, von 1950-1953 holt sie ihre Schauspielausbildung
an der Schauspielschule Berlin nach. Es folgen Engagements
in Senftenberg, Dresden und Berlin. Ab 1963 gehört
sie zum Ensemble des Deutschen Theaters Berlin und
spielt dort mehr als 35 Jahre. Ihre erste Filmrolle
bekommt sie 1954 in "Der Ochse von Kulm"
bei Martin Hellberg, ihre erste tragende Rolle gibt
ihr Konrad Wolf als Ärztin Inge Rudloff in
"Professor Mamlock" (1961).
Ihren berühmtesten Film dreht sie mit "Die
besten Jahre" 1965. Als Lehrerin Hilde nimmt
sie einen Kriegsheimkehrer auf und unterstützt
ihn, selbst Lehrer zu werden, was er ihr nicht dankt.
In der Folgezeit verkörpert sie oft selbstbewusste
und leidenschaftliche Charaktere, wie beispielsweise
die Witwe eines Parteifunktionärs in Helmut
Dziubas "Erscheinen Pflicht" (1984). Lissy
Tempelhof ist ebenso in zahlreichen TV-Filmen und
-Serien zu sehen, besonders häufig im "Polizeiruf
110". Sie macht sich als Chanson-Sängerin
einen Namen und unterrichtet an einer Berliner Spezialmusikschule.
Bis heute ist sie als Schauspielerin aktiv.
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