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Seit sich in der Nachbarschaft ein Warenhaus mit
moderner Fleischwarenabteilung etabliert hat, wachsen
beim Schlachtermeister Teetjen in Hamburg-Wandsbek
die Sorgen. Sein Laden floriert nicht mehr. Teetjens
Frau Stine drängt ihn, sich an seinen ehemaligen
Kriegskameraden Hans Peter Footh zu wenden, der
es als Reeder und SS-Standartenführer zu einem
Mann mit großem Einfluss in Hamburg gebracht
hat. Aber selbst Footh hat Sorgen: Im Zuchthaus
Fuhlsbüttel sitzen vier zum Tode verurteilte
Kommunisten, deren Hinrichtung immer wieder verschoben
werden muss, weil der Scharfrichter erkrankt ist.
Von den oberen Behörden wird jedoch auf Urteilsvollstreckung
gedrängt, weil der "Führer"
demnächst Hamburg besuchen will und zuvor muss
"reiner Tisch" gemacht werden. So kommt
Footh der Hilferuf des Schlachtermeisters gerade
recht, und Teetjen, der kleinbürgerlich-biedere,
brave Geschäfts- und Ehemann, übernimmt
tatsächlich für einen Judaslohn von 2.000
Mark das Henkersamt. Er trägt zwar während
der Exekution eine Maske, doch die Ärztin Dr.
Käthe Neumeier, die der Hinrichtung mit anderen
Beobachtern beiwohnt, findet heraus, dass Teetjen
der Henker war. Sie sorgt dafür, dass sich
seine Tat herumspricht. Der Schlachtermeister und
sein Laden werden - selbst von Nazi-Mitläufern
- angeekelt gemieden. Der wirtschaftliche Ruin und
die moralische Verurteilung treiben das Ehepaar
Teetjen in den Freitod.
Falk Harnack (1913-1991), der mit diesem Film sein
Regiedebüt gab, verfilmte den gleichnamigen
von Arnold Zweig im Exil in Haifa geschriebenen,
erstmals 1943 herausgekommenen Roman. Zweig verarbeitete
darin eine tatsächliche Begebenheit aus Hamburg-Altona
im Jahr 1937. Der Film konzentriert sich geschickt
auf das Porträt des Kleinbürgers Teetjen,
den Erwin Geschonneck sehr eindringlich und nuanciert
spielt. Das führte eine Woche nach dem Start
des Films zu dem Vorwurf, das Spiel Geschonnecks
erwecke Mitgefühl für den Henker und die
Rolle der Arbeiterklasse werde vernachlässigt.
Erst 1962 kam "Das Beil von Wandsbek"
in einer gekürzten Fassung wieder in die Kinos,
1983 in der Originalfassung.
Falk Harnack (15. Todestag am 11. September 2006),
gehörte selbst zu jenen, die aktiv Widerstand
gegen den Nationalsozialismus geleistet haben. Sein
zwölf Jahre älterer Bruder Arvid, Mitglied
der von der Gestapo "Rote Kapelle" genannten
Schulze-Boysen-Harnack-Organisation, wurde 1942
hingerichtet. Falk Harnack arbeitete von 1937 an
als Schauspieler, Dramatiker und Regisseur am Weimarer
Deutschen Nationaltheater. Mit seiner Kunst verband
er schon früh ein gesellschaftliches Engagement.
Nach dem Krieg wirkte er am Bayerischen Staatsschauspiel
in München, am Deutschen Theater Berlin, am
Theater am Schiffbauerdamm. Er prägte, so die
Süddeutsche Zeitung, "im Verborgenen die
Nachkriegskultur ... in einer Vielfalt wie wenig
andere". Von 1949 bis 1952 war er künstlerischer
Leiter der DEFA, ab 1952 arbeitete er im Westen
Deutschlands. Es entstanden so wichtige Filme wie
"Der 20. Juli" (1955), die Geschichte
des Attentats auf Adolf Hitler, "Jeder stirbt
für sich allein" (1962) nach Hans Fallada
und "Arzt ohne Gewissen" (1959).
Der Film konzentriert sich geschickt auf das Porträt
des Kleinbürgers Teetjen, den Erwin Geschonneck
spielt. Seinen falschen Freund, den SS-Standartenführer
Footh, stellt Willy A. Kleinau dar - ein großartiger
Charakterdarsteller.
Willy A. Kleinau begann seine Theaterkarriere 1932.
Er arbeitete als Schauspieler, Dramaturg und Regisseur,
u.a. in Meiningen, München, Potsdam und Hamburg.
1949 holte ihn Brecht nach Berlin, wo er auch seinen
Einstand bei der DEFA gab: In "Die blauen Schwerter"
spielte er August den Starken. Mit weiteren Rollen
vermochte er sich im Fach des schweren Helden in
der Nachfolge eines Heinrich George zu etablieren.
So gab Kleinau den zynischen Despoten Vautrin in
"Karriere in Paris" (1957) nach Balzacs
"Vater Goriot" oder den mordenden Goldschmied
Cardillac in "Das Fräulein von Scuderi"
(1955) nach A. T. Hoffmann. Aber auch als Komödiant
war er faszinierend, erinnert sei nur an seinen
Bürgermeister in "Zar und Zimmermann"
(1955). Er war auch im bundesdeutschen Kino der
50er Jahre ein gefragter Mime. Damit war Willy A.
Kleinau "wohl der einzig wirkliche Star, der
in der schlimmsten Zeit des Kalten Krieges in beiden
Teilen Deutschlands herausragende Filmrollen spielt"
(Das große Lexikon der DDR-Stars). Ein Autounfall
bei Merseburg setzte seinem Leben am 18. Oktober
1957, drei Wochen vor seinem 50. Geburtstag, viel
zu früh ein Ende.
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