Das Beil von Wandsbek

Spielfilm aus der DDR von 1951
Regie Falk Harnack
Drehbuch Hans Robert Bortfeld, Erich Conradi und Falk Harnack, nach dem Roman von Arnold Zweig
Musik Ernst Roters
Kamera Robert Baberske
Darsteller Albert Teetjen - Erwin Geschonneck
Stine Teetjen - Käthe Braun
Dr. Käthe Neumeier - Gefion Helmke
Hans Peter Footh - Willy A. Kleinau
Annette Koldewey - Ursula Meissner
Lene Prestow - Erika Dannhoff
Dr. Heinrich Koldewey - Arthur Schröder
Siegfried Mengers - Fritz Wisten
Otto Merzenich - Albert Garbe
Friedrich Timme - Hermann Stövesand
und andere

Seit sich in der Nachbarschaft ein Warenhaus mit moderner Fleischwarenabteilung etabliert hat, wachsen beim Schlachtermeister Teetjen in Hamburg-Wandsbek die Sorgen. Sein Laden floriert nicht mehr. Teetjens Frau Stine drängt ihn, sich an seinen ehemaligen Kriegskameraden Hans Peter Footh zu wenden, der es als Reeder und SS-Standartenführer zu einem Mann mit großem Einfluss in Hamburg gebracht hat. Aber selbst Footh hat Sorgen: Im Zuchthaus Fuhlsbüttel sitzen vier zum Tode verurteilte Kommunisten, deren Hinrichtung immer wieder verschoben werden muss, weil der Scharfrichter erkrankt ist. Von den oberen Behörden wird jedoch auf Urteilsvollstreckung gedrängt, weil der "Führer" demnächst Hamburg besuchen will und zuvor muss "reiner Tisch" gemacht werden. So kommt Footh der Hilferuf des Schlachtermeisters gerade recht, und Teetjen, der kleinbürgerlich-biedere, brave Geschäfts- und Ehemann, übernimmt tatsächlich für einen Judaslohn von 2.000 Mark das Henkersamt. Er trägt zwar während der Exekution eine Maske, doch die Ärztin Dr. Käthe Neumeier, die der Hinrichtung mit anderen Beobachtern beiwohnt, findet heraus, dass Teetjen der Henker war. Sie sorgt dafür, dass sich seine Tat herumspricht. Der Schlachtermeister und sein Laden werden - selbst von Nazi-Mitläufern - angeekelt gemieden. Der wirtschaftliche Ruin und die moralische Verurteilung treiben das Ehepaar Teetjen in den Freitod.

Falk Harnack (1913-1991), der mit diesem Film sein Regiedebüt gab, verfilmte den gleichnamigen von Arnold Zweig im Exil in Haifa geschriebenen, erstmals 1943 herausgekommenen Roman. Zweig verarbeitete darin eine tatsächliche Begebenheit aus Hamburg-Altona im Jahr 1937. Der Film konzentriert sich geschickt auf das Porträt des Kleinbürgers Teetjen, den Erwin Geschonneck sehr eindringlich und nuanciert spielt. Das führte eine Woche nach dem Start des Films zu dem Vorwurf, das Spiel Geschonnecks erwecke Mitgefühl für den Henker und die Rolle der Arbeiterklasse werde vernachlässigt. Erst 1962 kam "Das Beil von Wandsbek" in einer gekürzten Fassung wieder in die Kinos, 1983 in der Originalfassung.

Falk Harnack (15. Todestag am 11. September 2006), gehörte selbst zu jenen, die aktiv Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet haben. Sein zwölf Jahre älterer Bruder Arvid, Mitglied der von der Gestapo "Rote Kapelle" genannten Schulze-Boysen-Harnack-Organisation, wurde 1942 hingerichtet. Falk Harnack arbeitete von 1937 an als Schauspieler, Dramatiker und Regisseur am Weimarer Deutschen Nationaltheater. Mit seiner Kunst verband er schon früh ein gesellschaftliches Engagement. Nach dem Krieg wirkte er am Bayerischen Staatsschauspiel in München, am Deutschen Theater Berlin, am Theater am Schiffbauerdamm. Er prägte, so die Süddeutsche Zeitung, "im Verborgenen die Nachkriegskultur ... in einer Vielfalt wie wenig andere". Von 1949 bis 1952 war er künstlerischer Leiter der DEFA, ab 1952 arbeitete er im Westen Deutschlands. Es entstanden so wichtige Filme wie "Der 20. Juli" (1955), die Geschichte des Attentats auf Adolf Hitler, "Jeder stirbt für sich allein" (1962) nach Hans Fallada und "Arzt ohne Gewissen" (1959).

Der Film konzentriert sich geschickt auf das Porträt des Kleinbürgers Teetjen, den Erwin Geschonneck spielt. Seinen falschen Freund, den SS-Standartenführer Footh, stellt Willy A. Kleinau dar - ein großartiger Charakterdarsteller.

Willy A. Kleinau begann seine Theaterkarriere 1932. Er arbeitete als Schauspieler, Dramaturg und Regisseur, u.a. in Meiningen, München, Potsdam und Hamburg. 1949 holte ihn Brecht nach Berlin, wo er auch seinen Einstand bei der DEFA gab: In "Die blauen Schwerter" spielte er August den Starken. Mit weiteren Rollen vermochte er sich im Fach des schweren Helden in der Nachfolge eines Heinrich George zu etablieren. So gab Kleinau den zynischen Despoten Vautrin in "Karriere in Paris" (1957) nach Balzacs "Vater Goriot" oder den mordenden Goldschmied Cardillac in "Das Fräulein von Scuderi" (1955) nach A. T. Hoffmann. Aber auch als Komödiant war er faszinierend, erinnert sei nur an seinen Bürgermeister in "Zar und Zimmermann" (1955). Er war auch im bundesdeutschen Kino der 50er Jahre ein gefragter Mime. Damit war Willy A. Kleinau "wohl der einzig wirkliche Star, der in der schlimmsten Zeit des Kalten Krieges in beiden Teilen Deutschlands herausragende Filmrollen spielt" (Das große Lexikon der DDR-Stars). Ein Autounfall bei Merseburg setzte seinem Leben am 18. Oktober 1957, drei Wochen vor seinem 50. Geburtstag, viel zu früh ein Ende.
   

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