Eine Dame verschwindet

Spielfilm aus Großbritannien von 1938
Regie Alfred Hitchcock
Drehbuch Sidney Gilliat und Frank Launder
Musik Louis Levy und Charles Williams
Kamera Jack Cox
Darsteller Iris Matilda Henderson - Margaret Lockwood
Gilbert Redman - Michael Redgrave
Dr. Egon Hartz - Paul Lukas
Miss Froy - Dame May Whitty
Charters - Basil Radford
Caldicott - Naunton Wayne
Eric Todhunter - Cecil Parker
Margaret - Linden Travers
Die Baronin - Mary Clare
und andere

Eine Lawine, die die Bahnschienen blockiert, zwingt die Reisenden des Interkontinentalexpresses in einem Gasthof eines abgelegenen Städtchens im Land Bandrika auf dem Balkan zu übernachten. Dort lernt die junge Engländerin Iris Henderson Miss Froy kennen, eine freundliche ältere Dame, die ebenfalls nach England zurück möchte, und sich als Gouvernante und Musiklehrerin vorstellt. Am nächsten Morgen besteigen die beiden gemeinsam ein Zugabteil. Iris, der am Bahnhof ein Blumentopf auf den Kopf gefallen war, schläft ein. Als sie aufwacht, ist Miss Froy verschwunden. Iris fragt die anderen Passagiere und das Zugpersonal nach ihr, doch alle leugnen, sie je gesehen zu haben. Nur der charmant-freche Volksliedforscher Gilbert Redman, mit dem Iris im Gasthof einen heftigen Streit hatte, glaubt ihr und hilft bei der Suche.

Unter den Befragten ist auch der Prager Hirnspezialist Dr. Hartz. Beschwichtigend meint er, alles deute bei Iris darauf hin, dass sie Halluzinationen habe und Miss Froy ihr Fantasieprodukt sei. An der nächsten Bahnstation nimmt Dr. Hartz einen bandagierten Patienten in Begleitung einer Nonne in Empfang. Wenig später sitzt eine fremde Frau in Miss Froys Kleidung in Iris' Abteil, die angeblich schon mit eingestiegen sein will: Miss Kummer. Doch Iris und Gilbert geben die Suche nach Miss Froy nicht auf. Bald schon vermuten sie, dass die Nonne mit den schicken Schuhen gar keine Nonne ist und der total bandagierte Patient - Miss Froy. Zu ihrer Verblüffung bestätigt Dr. Hartz ihren Verdacht und gesteht sogar, Mitglied einer Verschwörung zu sein und Miss Froy töten zu wollen. Das alles in dem Glauben, dass die Nonne dem Pärchen ein Betäubungsmittel verabreicht habe, was sie nicht tat. So können Gilbert und Iris Miss Froy von ihren Bandagen befreien und gegen Miss Kummer austauschen. Dr. Hartz bemerkt zu spät seinen Irrtum, kann aber seine Gefolgsleute noch anweisen, die drei zu töten. Iris, Gilbert und Miss Froy wiegen sich in Sicherheit, bis sie bemerken, dass der Teil des Zuges, in dem sie und weitere Landsleute sitzen, abgekoppelt wurde. Sie fahren auf einem Nebengleis in ein Wäldchen, wo Militärs und Dr. Hartz auf sie warten.

Die Engländer im Zug verbünden sich und leisten Widerstand gegen den Beschuss. Miss Froy weiht Iris und Gilbert in ihre Geheimdienstmission ein. Für den Fall, dass sie nicht überlebt, bittet sie Gilbert, sich eine Melodie einzuprägen, die - natürlich codiert - einen wichtigen Punkt in einem Geheimpakt zweier europäischer Länder enthält und dem Foreign Office zugespielt werden muss. Miss Froy entschwindet in den Wald und den anderen gelingt es, verfolgt und beschossen, mit dem Zug zu entkommen und sich nach London durchzuschlagen.

"Der in der Komik fast einzigartige Thriller (...) zählt zu Hitchcocks bekanntesten und beliebtesten Filmen. Er ist ein großartiges Kleinod aus Situationskomik, exzentrischen und außergewöhnlichen Charakteren sowie witzig-frechen Dialogen" (Enzyklopädie des Kriminalfilms). Als der Film 1938 in die Kinos kam, entwickelte er sich schnell zum Kassenrenner. Er war besonders in den USA sehr erfolgreich, wo er den New Yorker Kritikerpreis bekam. Der amerikanische Produzent David O. Selznick wurde auf Alfred Hitchcock aufmerksam, er holte ihn nach Hollywood, wo Hitchcock 1940 mit "Rebecca" seinen ersten amerikanischen Film drehte.

Aufgewachsen in einer streng katholischen Londoner Familie, liebt Hitchcock früh das damals noch sehr junge Kino. 1920 sichert er sich beim neu gegründeten Studio Lasky einen Job als Titelzeichner und darf 1925 seinen ersten Film inszenieren - in den Babelsberger UFA-Studios. Sein Talent für "Suspense" wird schnell sichtbar, mit zehn Stumm- und 15 Tonfilmen wird er in England zum unbestrittenen Regiestar, bevor er 1939 kurz vor Ausbruch des Krieges mit seiner Familie nach Hollywood geht. Hitchcock steigt schnell zum weltweit führenden Regisseur auf - neben seinem hoch entwickelten Sinn für Dramaturgie und Bilder ist es vor allem sein psychologisches Gespür, das ihn zu einem Regie-Genie werden lässt. Der Perfektionist lässt sich von seiner Frau Alma beraten. 54 Jahre ist er mit ihr glücklich verheiratet, Experten sehen in dieser Stabilität eine der Grundlagen für "Hitchs" außergewöhnliches Schaffen. Er dreht fast jedes Jahr einen Film. Zu seinen besten zählen "Das Fenster zum Hof" (1954), "Vertigo" (1958), "Der unsichtbare Dritte" (1959), "Psycho" (1960) und "Die Vögel" (1963). Obwohl Alfred Hitchcock zu den innovativsten und erfolgreichsten Regisseuren der Filmgeschichte zählt, hat er zeitlebens nie einen Oscar erhalten.

   

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