Eine Lawine, die die Bahnschienen blockiert, zwingt
die Reisenden des Interkontinentalexpresses in einem
Gasthof eines abgelegenen Städtchens im Land
Bandrika auf dem Balkan zu übernachten. Dort
lernt die junge Engländerin Iris Henderson
Miss Froy kennen, eine freundliche ältere Dame,
die ebenfalls nach England zurück möchte,
und sich als Gouvernante und Musiklehrerin vorstellt.
Am nächsten Morgen besteigen die beiden gemeinsam
ein Zugabteil. Iris, der am Bahnhof ein Blumentopf
auf den Kopf gefallen war, schläft ein. Als
sie aufwacht, ist Miss Froy verschwunden. Iris fragt
die anderen Passagiere und das Zugpersonal nach
ihr, doch alle leugnen, sie je gesehen zu haben.
Nur der charmant-freche Volksliedforscher Gilbert
Redman, mit dem Iris im Gasthof einen heftigen Streit
hatte, glaubt ihr und hilft bei der Suche.
Unter
den Befragten ist auch der Prager Hirnspezialist
Dr. Hartz. Beschwichtigend meint er, alles deute
bei Iris darauf hin, dass sie Halluzinationen
habe und Miss Froy ihr Fantasieprodukt sei. An
der nächsten Bahnstation nimmt Dr. Hartz
einen bandagierten Patienten in Begleitung einer
Nonne in Empfang. Wenig später sitzt eine
fremde Frau in Miss Froys Kleidung in Iris' Abteil,
die angeblich schon mit eingestiegen sein will:
Miss Kummer. Doch Iris und Gilbert geben die Suche
nach Miss Froy nicht auf. Bald schon vermuten
sie, dass die Nonne mit den schicken Schuhen gar
keine Nonne ist und der total bandagierte Patient
- Miss Froy. Zu ihrer Verblüffung bestätigt
Dr. Hartz ihren Verdacht und gesteht sogar, Mitglied
einer Verschwörung zu sein und Miss Froy
töten zu wollen. Das alles in dem Glauben,
dass die Nonne dem Pärchen ein Betäubungsmittel
verabreicht habe, was sie nicht tat. So können
Gilbert und Iris Miss Froy von ihren Bandagen
befreien und gegen Miss Kummer austauschen. Dr.
Hartz bemerkt zu spät seinen Irrtum, kann
aber seine Gefolgsleute noch anweisen, die drei
zu töten. Iris, Gilbert und Miss Froy wiegen
sich in Sicherheit, bis sie bemerken, dass der
Teil des Zuges, in dem sie und weitere Landsleute
sitzen, abgekoppelt wurde. Sie fahren auf einem
Nebengleis in ein Wäldchen, wo Militärs
und Dr. Hartz auf sie warten.
Die
Engländer im Zug verbünden sich und
leisten Widerstand gegen den Beschuss. Miss Froy
weiht Iris und Gilbert in ihre Geheimdienstmission
ein. Für den Fall, dass sie nicht überlebt,
bittet sie Gilbert, sich eine Melodie einzuprägen,
die - natürlich codiert - einen wichtigen
Punkt in einem Geheimpakt zweier europäischer
Länder enthält und dem Foreign Office
zugespielt werden muss. Miss Froy entschwindet
in den Wald und den anderen gelingt es, verfolgt
und beschossen, mit dem Zug zu entkommen und sich
nach London durchzuschlagen.
"Der
in der Komik fast einzigartige Thriller (...)
zählt zu Hitchcocks bekanntesten und beliebtesten
Filmen. Er ist ein großartiges Kleinod aus
Situationskomik, exzentrischen und außergewöhnlichen
Charakteren sowie witzig-frechen Dialogen"
(Enzyklopädie des Kriminalfilms). Als der
Film 1938 in die Kinos kam, entwickelte er sich
schnell zum Kassenrenner. Er war besonders in
den USA sehr erfolgreich, wo er den New Yorker
Kritikerpreis bekam. Der amerikanische Produzent
David O. Selznick wurde auf Alfred Hitchcock aufmerksam,
er holte ihn nach Hollywood, wo Hitchcock 1940
mit "Rebecca" seinen ersten amerikanischen
Film drehte.
Aufgewachsen
in einer streng katholischen Londoner Familie,
liebt Hitchcock früh das damals noch sehr
junge Kino. 1920 sichert er sich beim neu gegründeten
Studio Lasky einen Job als Titelzeichner und darf
1925 seinen ersten Film inszenieren - in den Babelsberger
UFA-Studios. Sein Talent für "Suspense"
wird schnell sichtbar, mit zehn Stumm- und 15
Tonfilmen wird er in England zum unbestrittenen
Regiestar, bevor er 1939 kurz vor Ausbruch des
Krieges mit seiner Familie nach Hollywood geht.
Hitchcock steigt schnell zum weltweit führenden
Regisseur auf - neben seinem hoch entwickelten
Sinn für Dramaturgie und Bilder ist es vor
allem sein psychologisches Gespür, das ihn
zu einem Regie-Genie werden lässt. Der Perfektionist
lässt sich von seiner Frau Alma beraten.
54 Jahre ist er mit ihr glücklich verheiratet,
Experten sehen in dieser Stabilität eine
der Grundlagen für "Hitchs" außergewöhnliches
Schaffen. Er dreht fast jedes Jahr einen Film.
Zu seinen besten zählen "Das Fenster
zum Hof" (1954), "Vertigo" (1958),
"Der unsichtbare Dritte" (1959), "Psycho"
(1960) und "Die Vögel" (1963).
Obwohl Alfred Hitchcock zu den innovativsten und
erfolgreichsten Regisseuren der Filmgeschichte
zählt, hat er zeitlebens nie einen Oscar
erhalten.