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Die 26-jährige Arzttochter Catherine Sloper
könnte sich eigentlich für ein privilegiertes
Mädchen halten. Sie ist in einem wohlhabenden
Haushalt aufgewachsen, gehört im New York des
19. Jahrhunderts zur besseren Gesellschaft und kann
auf ein ansehnliches Erbe vertrauen. Aber ihr Leben
ist überschattet vom gespannten Verhältnis
zu ihrem Vater. Dr. Sloper ist nie über den
Verlust seiner Frau hinweggekommen, die bei Catherines
Geburt gestorben ist. Er macht seine Tochter für
das Unglück verantwortlich und behandelt sie
mit einer verdächtigen Strenge, die er selbst
für angemessene Fürsorge hält.
Unter seinem Regime ist aus Catherine eine introvertierte,
ungeschickte, im Umgang mit Menschen völlig
hilflose junge Frau geworden. Als der attraktive
und charmante, aber mittellose Morris Townsend sich
um Catherine bemüht, glaubt niemand außer
ihr selbst und ihrer Tante Lavinia, dass es sich
hier um Liebe handelt. Schon gar nicht Dr. Sloper:
Er hält den jungen Mann, dem eine bewegte Vergangenheit
nachgesagt wird, für einen Erbschleicher und
versucht mit allen Mitteln, eine Verbindung zu verhindern.
Catherine begreift allmählich, wie sehr sie
jahrelang unter dem Hass ihres Vaters gelitten hat.
Und sie trifft zum ersten Mal eine eigenständige
Entscheidung.
In bewusster Abgrenzung vom opulenten Stil neuerer
Literaturverfilmungen hat die polnische Regisseurin
Agnieszka Holland aus dem Roman "Washington
Square" eine moderne Geschichte herauskristallisiert.
Intelligent, psychologisch dicht und wohltuend zurückhaltend,
entfaltet Holland das Porträt einer Frau, die
sich von einem übermächtigen Familienideal
lösen und zu einem neuen Selbstverständnis
finden muss. In den Hauptrollen geben Jennifer Jason
Leigh, Albert Finney und Ben Chaplin bemerkenswert
subtile Vorstellungen. Der Stoff wurde schon einmal
von William Wyler verfilmt; für den Part der
Catherine in "The Heiress" erhielt Olivia
de Havilland einen Oscar.
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