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"Am großen Weg" heißt die
Autobus-Haltestelle, an der Louis (Antoine Hubert)
aussteigen muss. Er hat keine Lust, bei fremden
Leuten die Sommerferien zu verbringen. Doch seine
Mutter erwartet ein Baby und so muss er zu ihrer
Schulfreundin Marcelle (Anémone) und deren
Mann Pelo (Richard Bohringer) in die Bretagne. Langsam
freundet sich der Neunjährige aus Paris mit
seiner neuen Umgebung an. In der zehnjährigen
Martine (Vanessa Guedj) findet er eine tolle Freundin.
Das pfiffige Mädchen weiht den schüchternen
Jungen in die Geheimnisse des Ortes und seiner Bewohner
ein. Sie klärt ihn unkompliziert über
die Liebe auf und hilft ihm phantasievoll, seine
Angst zu überwinden, um das Dach einer Kirche
zu erklimmen. Im Laufe der Zeit versteht er auch
die strenge, verschlossene Marcelle und ihren schweigsamen
Mann Pelo besser. Der Schmerz um ihr tot geborenes
Kind hat die beiden entfremdet. Schließlich
kommt der Tag des Abschieds. Wieder steht Louis
"Am großen Weg" und die Haltestelle
ist gleichsam eine Station am Weg, der durch sein
weiteres Leben führt.
Jean-Loup Huberts 1986 gedrehter Film ist eine Reise
in die eigene Kindheit. Er sieht sie mit einem lachenden
und einem weinenden Auge. Daraus bezieht der Streifen
seine außergewöhnliche, atmosphärische
Dichte. Es gibt Zartes und Schreckliches, leise
und schrille Töne in der durchgängig liebevoll-ironischen
Milieuschilderung eines kleinen Dorfes in der Bretagne.
Episodisch gebaut, bestechen die psychologische
Auslotung der Charaktere und die Verknüpfung
unterschiedlicher Erzählebenen. Überzeugend
die Darstellerleistungen der Kinder Antoine Hubert
(Sohn des Regisseurs) und Vanessa Guedj sowie die
von Anémone und Richard Bohringer als Marcelle
und Pelo.
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