Betrogen bis zum jüngsten Tag

Spielfilm aus der DDR von 1957
Regie Kurt Jung-Alsen
Drehbuch Kurt Bortfeldt, nach der Novelle "Kameraden" von Franz Fühmann
Musik Günter Klück
Kamera Walter Fehdmer
Darsteller Obergefreiter Wagner - Rudolf Ulrich
Gefreiter Lick - Wolfgang Kieling
Oberschütze Paulun - Hans-Joachim Martens
Hauptmann von der Saale - Walther Süssenguth
Angelika von der Saale - Renate Küster
Lick, General der Waffen-SS - Peter Kiwitt
Divisionskommandeur - Hermann Dieckhoff
Leutnant - Kurt Ulrich
Hauptfeldwebel - Erich Brauer
und andere

Juni 1941. Zwei deutsche Soldaten erschießen an der deutsch-litauischen Grenze aus Versehen die Tochter ihres Hauptmanns. Sie verstecken die Leiche im Moor und zwingen ihren Mitwisser zum Schweigen. Tage später wird die Leiche gefunden, verstümmelt mit einem russischen Bajonett.

Der Vater eines der Soldaten, ein SS-General, hat die Szene arrangiert. Als eine Besonderheit und einen Glücksfall unter den antifaschistischen Filmen der DEFA bewerten Kritiker Kurt Jung-Alsens Verfilmung der Novelle "Kameraden" von Franz Fühmann.

"Das Sujet wird nicht mit agitatorischem Pomp aufbereitet, sondern sachlich, dialogarm, lakonisch und zugleich mit großem Gedankenbogen. Der schließt Friedrich Nietzsches Theorie vom Übermenschen ... ebenso ein wie die Pervertierung der Begriffe Kameradschaft und Gemeinschaft. Die Schuld des einzelnen Soldaten ist untrennbar mit der Schuld des deutschen Volkes verknüpft" (Ralf Schenk).

Kurt Jung-Alsen (1915 - 1976) erzählt die Geschichte in einprägsamen, suggestiven Bildern mit erstklassigen Darstellern, unter ihnen Wolfgang Kieling (1924 - 1985), an dessen 80. Geburtstag (März 2004) das MDR FERNSEHEN mit diesem Film erinnern will. Mit sechs ist der in Berlin geborene Kieling ein Schallplattenstar, mit zwölf gibt er sein Filmdebüt, später spielt er in der Provinz Theater. Der Krieg unterbricht seine Karriere, 1949 erst wird er aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Seine ersten Nachkriegsfilme macht er als Star bei der DEFA, u.a. auch in Konrad Wolfs "Genesung" (1956). In dieser Zeit hat er eine Beziehung mit der Schauspielerin Ingrid Rentsch, die Sohn Florian 1958 zur Welt bringt. Später heiratet sie Regisseur Hans Joachim Martens. Florian Martens, heute auf dem Weg zu einem der führenden deutschen Schauspieler, erfährt erst mit 10, wer sein leiblicher Vater ist.

Seit 1957 spielt Kieling wieder in der Bundesrepublik Theater und wird zum geachteten Darsteller im deutschen Film - als Komiker ebenso wie als Schurke. "Mit seinem bleichen Gesicht und einem schlaffen Zug um den Mund wirkte er wie ein deutscher Beamter, aber besonders in dankbaren Fernsehrollen konnte Wolfgang Kieling sein darstellerisches Können entfalten", urteilt das Internationale Starlexikon. Zugleich wird er populär als Synchronsprecher, u.a. für Kirk Douglas, Paul Newman und Bert in der Sesamstraße. Zu seinen wichtigsten Filmen gehören "Das Haus in der Karpfengasse" (1965) und "Der zerrissene Vorhang" (1966).
   

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