|
Juli 1944. An einer faschistischen Frontschule im
besetzten Griechenland hält Hauptmann Weirauch,
im Zivilstand Professor der klassischen Gräzistik,
einen Vortrag über Schuld und Sühne in
Sophokles' Tragödie vom König Ödipus.
Das mystische Geschehen um den legendären Königssohn,
der unwissentlich den Vater erschlug, die Mutter
schändete und sich schließlich selbst
blendete, erfährt in der anschließenden
Diskussion unterschiedlichste Deutungsversuche.
Unter den Diskutierenden sind der Oberfunker Pauli
und der Obergefreite Sühlke. Wie die anderen
jungen Männer auch, wurden sie von ihren Einheiten
delegiert. Auf Weisung des Führers waren diese
Fronthochschulen in den besetzten Gebieten eingerichtet
worden. Sie sollten der Welt beweisen, dass der
Nationalsozialismus fremde Kunst und Kultur achtet.
Angesichts der heranrückenden Front und der
Konfrontation mit griechischen Partisanen werden
die Fronthochschulen als "Inseln der Humanität"
zu einer Farce. Das antike Drama um König Ödipus
gestaltet sich zum erschreckend aktuellen Gleichnis.
Erschüttert muss Hauptmann Weirauch erleben,
dass er mit seiner halbherzigen Erziehung und seinem
fehlenden Mut, das, was er wusste auch auszusprechen,
dazu beigetragen hat, dass sich bei Pauli und Sühlke
nazistisches Gedankengut wieder manifestiert hat.
Weirauch schießt sich eine Kugel in den Kopf
und da seine Hand zittert, blendet er sich ...
|