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34 Jahre hat der Eisenbahner Friedrich Wilhelm Georg
Platow seinen Dienst auf dem kleinen Bahnhof Luege
versehen. Hier hatte er vor dem Krieg mit seiner
Familie ein bescheidenes Glück gefunden. Hier
starben bei einem Luftangriff seine Frau und zwei
seiner Kinder, nur Sohn Georg überlebte. Auch
er wurde Eisenbahner. Nun, in den 1970er-Jahren,
wird das Stellwerk nebst Schranke und Signal elektrifiziert.
Platow, der sich der neuen Technik nicht gewachsen
zeigt, soll auf eine Nebenstrecke geschickt werden.
Sein Sohn Georg, der bisher dort das Handstellwerk
bediente, soll sich auf einem Lehrgang qualifizieren.
Doch Georg will nicht, und so fasst Vater Platow
einen ebenso kühnen wie absurden Entschluss.
Er verwandelt sich mit Lederjacke und Sonnenbrille
in seinen 20 Jahre jüngeren Sohn und nimmt
an dessen Stelle am Lehrgang teil. Sein Verjüngungsprozess
geht soweit, dass er sich in die viel jüngere
Journalistin Malwine verliebt, die gerade eine Ehekrise
durchlebt.
Sein Dozenten Dr. Schildt macht ihm die Gunst von
Malwine streitig, und auch sonst wird er ihm gefährlich,
denn der kennt den "alten Platow". Und
irgendwann, nach reichlich Alkohol, kommt ihm Schildt
doch auf die Schliche. Platow flieht von der Schule
und liefert mit einer kühnen Draisinenfahrt
durch das verzweigte Schienennetz den Beweis, dass
er das Prinzip der neuen elektronischen Schaltung
doch bestens begriffen hat. Einer zweiten Eisenbahnerkarriere
steht so nichts mehr im Wege.
"Ein tief menschlicher Film, heute noch anrührend
und nachdenklich machend, heute sogar auf damals
nicht gedachte Weise", schreibt Klaus Wischnewski
1994 in "Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg".
Viele Kritiker zählen den Film zum besten Streifen
des DEFA-Regisseurs Siegfried Kühn. So meint
Heinz Kersten 1973 in der "Frankfurter Rundschau":
"Mit erfrischender Unbekümmertheit durchbricht
der Film eingefahrene Schemata (...) verbindet Komisches
mit Tragischem und erfasst so die Komplexität
des Lebens". Eine in der DDR-Filmgeschichte
seltene Gegenwartssatire, an der vor allem auch
der Hauptdarsteller Fritz Marquardt großen
Anteil hat.
Fritz Marquardt wurde im Warthebruch in der Neumark
geboren, arbeitet er zunächst als Landarbeiter,
Traktorist und Neubauer, dann studiert er Philosophie
und Ästhetik bei Wolfgang Heise in Berlin,
danach wurde er unter anderem Dorfzeitungsredakteur,
Kreissekretär für Jugendweihe und Bauhilfsarbeiter.
Mitte der 1960er-Jahre findet er zum Theater. Er
wird einer der wichtigsten Regisseure zu DDR-Zeiten
an der Berliner Volksbühne, später inszeniert
er auch im Westen. Nach der Wende übernimmt
er gemeinsam mit Heiner Müller und Peter Zadek
die Leitung des Berliner Ensembles.
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