Das zweite Leben des Friedrich Wilhelm Georg Platow

Spielfilm DDR 1973
Regie Siegfried Kühn
Drehbuch Helmut Baierl und Siegfried Kühn
Musik Hans-Jürgen Wenzel
Kamera Roland Dressel
Darsteller Friedrich Wilhelm Georg Platow - Fritz Marquardt
Malwine - Gisela Hess
Dr. Dieter Schildt - Jürgen Holtz
Ditfurt - Volkmar Kleinert
Zolle - Hermann Beyer
Blinksiegel, Kaderchefin - Ruth Glöß
Wetzel - Wolfgang Pampel
Rennmark - Dieter Franke
Dr. Hoppe - Rolf Hoppe
Platow, 20-jährig - Hilmar Baumann
Platows Frau - Anna-Katharina Franck
Der Schauspieler - Eberhard Esche
und andere

34 Jahre hat der Eisenbahner Friedrich Wilhelm Georg Platow seinen Dienst auf dem kleinen Bahnhof Luege versehen. Hier hatte er vor dem Krieg mit seiner Familie ein bescheidenes Glück gefunden. Hier starben bei einem Luftangriff seine Frau und zwei seiner Kinder, nur Sohn Georg überlebte. Auch er wurde Eisenbahner. Nun, in den 1970er-Jahren, wird das Stellwerk nebst Schranke und Signal elektrifiziert.

Platow, der sich der neuen Technik nicht gewachsen zeigt, soll auf eine Nebenstrecke geschickt werden. Sein Sohn Georg, der bisher dort das Handstellwerk bediente, soll sich auf einem Lehrgang qualifizieren. Doch Georg will nicht, und so fasst Vater Platow einen ebenso kühnen wie absurden Entschluss. Er verwandelt sich mit Lederjacke und Sonnenbrille in seinen 20 Jahre jüngeren Sohn und nimmt an dessen Stelle am Lehrgang teil. Sein Verjüngungsprozess geht soweit, dass er sich in die viel jüngere Journalistin Malwine verliebt, die gerade eine Ehekrise durchlebt.

Sein Dozenten Dr. Schildt macht ihm die Gunst von Malwine streitig, und auch sonst wird er ihm gefährlich, denn der kennt den "alten Platow". Und irgendwann, nach reichlich Alkohol, kommt ihm Schildt doch auf die Schliche. Platow flieht von der Schule und liefert mit einer kühnen Draisinenfahrt durch das verzweigte Schienennetz den Beweis, dass er das Prinzip der neuen elektronischen Schaltung doch bestens begriffen hat. Einer zweiten Eisenbahnerkarriere steht so nichts mehr im Wege.

"Ein tief menschlicher Film, heute noch anrührend und nachdenklich machend, heute sogar auf damals nicht gedachte Weise", schreibt Klaus Wischnewski 1994 in "Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg". Viele Kritiker zählen den Film zum besten Streifen des DEFA-Regisseurs Siegfried Kühn. So meint Heinz Kersten 1973 in der "Frankfurter Rundschau": "Mit erfrischender Unbekümmertheit durchbricht der Film eingefahrene Schemata (...) verbindet Komisches mit Tragischem und erfasst so die Komplexität des Lebens". Eine in der DDR-Filmgeschichte seltene Gegenwartssatire, an der vor allem auch der Hauptdarsteller Fritz Marquardt großen Anteil hat.

Fritz Marquardt wurde im Warthebruch in der Neumark geboren, arbeitet er zunächst als Landarbeiter, Traktorist und Neubauer, dann studiert er Philosophie und Ästhetik bei Wolfgang Heise in Berlin, danach wurde er unter anderem Dorfzeitungsredakteur, Kreissekretär für Jugendweihe und Bauhilfsarbeiter. Mitte der 1960er-Jahre findet er zum Theater. Er wird einer der wichtigsten Regisseure zu DDR-Zeiten an der Berliner Volksbühne, später inszeniert er auch im Westen. Nach der Wende übernimmt er gemeinsam mit Heiner Müller und Peter Zadek die Leitung des Berliner Ensembles.
   

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