Der Hauptmann von Köpenick

Deutscher Spielfilm von 1956
Regie Helmut Käutner
Drehbuch Carl Zuckmayer und Helmut Käutner, nach dem Bühnenstück von Carl Zuckmayer
Musik Bernhard Eichhorn
Kamera Albert Benitz
Darsteller Wilhelm Voigt - Heinz Rühmann
Mathilde Obermüller - Hannelore Schroth
Dr. Obermüller, Bürgermeister - Martin Held
Hauptmann von Schlettow - Erich Schellow
Friedrich Hoprecht, Voigts Schwager - Willy A. Kleinau
Marie Hoprecht, Voigts Schwester - Ilse Fürstenberg
Adolph Wormser, Uniformschneider - Leonard Steckel
Willi Wormser, sein Sohn - Walter Giller
Auguste Viktoria Wormser, seine Tochter - Maria Sebaldt
Zuchthausdirektor - Friedrich Domin
u. a.

Nach 23 Jahren wird der Schuhmacher Wilhelm Voigt aus dem Gefängnis entlassen. Ein halbes Leben hat er wegen Urkundenfälschung, Irreführung der Behörden und Passvergehen in einer Zelle des Berliner Gefängnisses Plötzensee verbracht. Der Entlassungsschein ist das einzige Papier, das er vorweisen kann. All seine Versuche, eine bürgerliche Existenz aufzubauen, scheitern. Denn ohne Papiere bekommt er keine Arbeit, ohne Arbeit keine Papiere. Bei dem verzweifelten Versuch, ein Passformular zu stehlen, wird er erwischt. Wieder schließen sich die Tore des Zuchthauses hinter ihm - diesmal für zehn Jahre.

In der Gefängnisbibliothek studiert er mit Feuereifer die "preußische Felddienstordnung". Ein Satz prägt sich ihm ein: "Der Offizier wird allein durch seine Rangabzeichen legitimiert. Ein Kommando unter Gewehr verleiht ihm absolute Befehlsgewalt." Nach seiner Entlassung versucht es Wilhelm Voigt noch einmal auf ehrliche Weise. Seine Schwester Marie gewährt ihm Kost und Logis, obwohl ihr Mann, ein Beamter, Bedenken hat, einen identitätslosen Ex-Häftling zu beherbergen. Als die Behörden Voigts Ausweisung aus Deutschland verfügen, entsinnt sich der Schuster der bedeutungsvollen Definition aus der Militärgesetzgebung.

Mithilfe einer Offiziersuniform aus einem Trödelladen verwandelt er sich auf der Toilette des Schlesischen Bahnhofs in Berlin in einen preußischen Hauptmann. Mit einer Handvoll Soldaten, auf der Straße aufgelesen, startet er seinen großen Coup.

Im Rathaus von Köpenick fällt Bürgermeister Obermüller aus allen Wolken, als ein zackiger Hauptmann mit einem kleinen Kommando anrückt und sie alle kurzerhand für verhaftet erklärt. Besagter Hauptmann allerdings erlebt ebenfalls einen kleinen Schock, als er hört, dass es im Köpenicker Rathaus gar keine Passstelle gibt, denn schließlich wollte er sich mit seinem abenteuerlichen Unternehmen nur einen Pass beschaffen. So beschlagnahmt er lediglich die Stadtkasse und verschwindet wieder. Tags drauf lacht ganz Berlin über den "Hauptmann" und die Polizei sucht nach dem Übeltäter.

Am 17. Oktober 1906 meldet das Berliner Tageblatt unter der Schlagzeile "Geniestreich eines Hauptmanns: Eine sehr mysteriöse Gaunergeschichte, die in ihrer Art und für unsere Verhältnisse geradezu einzigartig ist, hat sich gestern im benachbarten Köpenick ereignet." 25 Jahre später wurde die Berliner Uraufführung des Bühnenstücks "Der Hauptmann von Köpenick" für Carl Zuckmayer zum größten Triumph seiner Dramatiker-Karriere. Er machte nicht nur den kleinen Schuster unsterblich, sondern er brachte in die deutsche Sprache einen neuen Begriff ein - den der Köpenickiade.

Wenige Monate später kam Richard Oswalds Filmversion mit Max Adalbert in der Titelrolle in die Kinos. 25 Jahre später wagte Helmut Käutner das Remake. Die Titelrolle spielte diesmal Heinz Rühmann und wurde dafür mit unzähligen Preisen bedacht. Schließlich wagte sich 1997 Frank Beyer an den Zuckmayer-Stoff und besetzte die Rolle seines Wilhelm Voigt, der als Hauptmann von Köpenick Geschichte schrieb, mit Harald Juhnke.
   

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