Romanze in Moll

Deutscher Spielfilm von 1943
Regie Helmut Käutner
Drehbuch Willy Clever, Helmut Käutner, nach Motiven der Erzählung "Les bijoux" von Guy de Maupassant
Musik Lothar Brühne und Werner Eisbrenner
Kamera Georg Bruckbauer
Darsteller Madeleine - Marianne Hoppe
Madeleines Mann - Paul Dahlke
Michael - Ferdinand Marian
Viktor - Siegfried Breuer
Michaels Bruder - Eric Helgar
Michaels Diener - Karl Platen
Portiersfrau - Elisabeth Flickenschildt
u. a.

Paris um 1900. Ein kleiner spießiger Buchhalter versetzt die Habseligkeiten seiner aparten Frau Madeleine, die nach einem Selbstmordversuch im Sterben liegt. Mit dem Erlös will er ihr Leben retten. Dabei erweist sich ein vermeintlich wertloses Perlenketten-Imitat als kostbares Original aus der Goldschmiede des ersten Juweliers von Paris. Der Juwelier hat das teure Stück an den weltmännischen Komponisten Michael verkauft, aus dessen Sicht der Weg der Kette nun weiterverfolgt wird. Madeleines Lächeln hat den Komponisten zu einer "Romanze in Moll" inspiriert.

Aus Liebe und Dankbarkeit schenkt er ihr die Kette. Zögernd erwidert Madeleine die Liebe des Komponisten und entflieht dadurch ihrem duldsamen bürgerlichen Leben. Weil sie ihren pflichtbewussten, soliden Ehemann trotzdem noch achtet, verschweigt sie ihm die Affäre und führt ein Doppelleben. Viktor Martin, der neue Vorgesetzte ihres Mannes, erkennt in Madeleine die Geliebte seines Freundes Michael und verliebt sich in sie. Rasend vor Leidenschaft nutzt Viktor seine Mitwisserschaft aus und erpresst Madeleine, sich ihm hinzugeben. Um die Ehre ihres Mannes zu schützen, nimmt Madeleine Gift, legt die Kette um, und stirbt in Gedanken an ihren Geliebten Michael.

"Romanze in Moll" ist ein mit sensiblem Blick auf die Feinzeichnung der Charaktere inszeniertes Gesellschaftsmelodram, das von zwei Kurzgeschichten Guy de Maupassants inspiriert ist und auf Grund seiner durchdachten Erzählstruktur zu den besten Filmen Helmut Käutners gehört. Um die NS-Zensur zu umgehen, projiziert der 1943 entstandene Film den unsittlichen Ehebruch einer schuldlos schuldig werdenden Frau auf die "verlotterten" Franzosen. Der Kritiker Georges Sadoul würdigte "Romanze in Moll" als einzigen künstlerisch wertvollen Film, der während des "Dritten Reichs" gedreht wurde.

Marianne Hoppe und Paul Dahlke zeigen in diesem Film ihre eindrucksvollsten Darbietungen. Marianne Hoppe wäre am 26. April 2009 100 Jahre alt geworden. Neben der Effi-Briest-Verfilmung "Der Schritt vom Wege" gehört dieses Melodram zu ihren besten Filmen. So lobte sie die französische Zeitschrift Cahiers du cinéma damals: "Vor allem finden wir hier Marianne Hoppe wieder, eines der schönsten Gesichter, die die Leinwand uns geschenkt hat ... Als eine noch engelhaftere Michèle Morgan zeigt sie eine Sensibilität und einen Reichtum an Empfindungen, die wirklich von innen leuchten und die Scheinwerfer kaum noch brauchen".

Die gebürtige Rostockerin gab mit 19 Jahren ihr Schauspieldebüt und spielte bis 1930 am Deutschen Theater in Berlin, bis 1933 in Frankfurt und München. Von 1935 bis Kriegsende gehörte sie zum Ensemble des Schauspielhauses am Gendarmenmarkt in Berlin. Nebenbei entwickelte sie sich zur populären Filmheroine in Melodramen und Komödien ("Wenn der Hahn kräht" 1935/1936, "Der Schimmelreiter" 1933). 1936 heiratete sie Gustaf Gründgens, der auch bei einigen ihrer Filme Regie führte. Die Ehe wurde 1946 geschieden, trotzdem folgte sie Gründgens nach Düsseldorf und spielte dort bis 1955 in seinem Ensemble.

Seit den 60er-Jahren trat sie häufiger im Fernsehen auf, so spielte sie in drei Folgen von "Der Kommissar" und im kleinen Fernsehspiel "Der Tod des Vaters". Mit "Die Jagdgesellschaft" von Thomas Bernhard begann 1974 eine Freundschaft zwischen dem österreichischen Autor und der Schauspielerin. Seinen Monolog "Am Ziel" schreibt er ihr auf den Leib. Eine letzte große Zeit hatte sie hochbetagt am Berliner Ensemble - von 1993-1996 war sie in zwei Heiner-Müller-Stücken zu sehen. Regisseur Werner Schröter ehrte die große alte Dame des deutschen Theaters und Films, die 2002 starb, in seinem authentischen Porträt "Die Königin" (1999/2000).
   

Copyright © Jürgen Oellerich - All Rights Reserved