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Paris um 1900. Ein kleiner spießiger Buchhalter
versetzt die Habseligkeiten seiner aparten Frau
Madeleine, die nach einem Selbstmordversuch im Sterben
liegt. Mit dem Erlös will er ihr Leben retten.
Dabei erweist sich ein vermeintlich wertloses Perlenketten-Imitat
als kostbares Original aus der Goldschmiede des
ersten Juweliers von Paris. Der Juwelier hat das
teure Stück an den weltmännischen Komponisten
Michael verkauft, aus dessen Sicht der Weg der Kette
nun weiterverfolgt wird. Madeleines Lächeln
hat den Komponisten zu einer "Romanze in Moll"
inspiriert.
Aus Liebe und Dankbarkeit schenkt er ihr die Kette.
Zögernd erwidert Madeleine die Liebe des Komponisten
und entflieht dadurch ihrem duldsamen bürgerlichen
Leben. Weil sie ihren pflichtbewussten, soliden
Ehemann trotzdem noch achtet, verschweigt sie ihm
die Affäre und führt ein Doppelleben.
Viktor Martin, der neue Vorgesetzte ihres Mannes,
erkennt in Madeleine die Geliebte seines Freundes
Michael und verliebt sich in sie. Rasend vor Leidenschaft
nutzt Viktor seine Mitwisserschaft aus und erpresst
Madeleine, sich ihm hinzugeben. Um die Ehre ihres
Mannes zu schützen, nimmt Madeleine Gift, legt
die Kette um, und stirbt in Gedanken an ihren Geliebten
Michael.
"Romanze in Moll" ist ein mit sensiblem
Blick auf die Feinzeichnung der Charaktere inszeniertes
Gesellschaftsmelodram, das von zwei Kurzgeschichten
Guy de Maupassants inspiriert ist und auf Grund
seiner durchdachten Erzählstruktur zu den besten
Filmen Helmut Käutners gehört. Um die
NS-Zensur zu umgehen, projiziert der 1943 entstandene
Film den unsittlichen Ehebruch einer schuldlos schuldig
werdenden Frau auf die "verlotterten"
Franzosen. Der Kritiker Georges Sadoul würdigte
"Romanze in Moll" als einzigen künstlerisch
wertvollen Film, der während des "Dritten
Reichs" gedreht wurde.
Marianne Hoppe und Paul Dahlke zeigen in diesem
Film ihre eindrucksvollsten Darbietungen. Marianne
Hoppe wäre am 26. April 2009 100 Jahre alt
geworden. Neben der Effi-Briest-Verfilmung "Der
Schritt vom Wege" gehört dieses Melodram
zu ihren besten Filmen. So lobte sie die französische
Zeitschrift Cahiers du cinéma damals: "Vor
allem finden wir hier Marianne Hoppe wieder, eines
der schönsten Gesichter, die die Leinwand uns
geschenkt hat ... Als eine noch engelhaftere Michèle
Morgan zeigt sie eine Sensibilität und einen
Reichtum an Empfindungen, die wirklich von innen
leuchten und die Scheinwerfer kaum noch brauchen".
Die gebürtige Rostockerin gab mit 19 Jahren
ihr Schauspieldebüt und spielte bis 1930 am
Deutschen Theater in Berlin, bis 1933 in Frankfurt
und München. Von 1935 bis Kriegsende gehörte
sie zum Ensemble des Schauspielhauses am Gendarmenmarkt
in Berlin. Nebenbei entwickelte sie sich zur populären
Filmheroine in Melodramen und Komödien ("Wenn
der Hahn kräht" 1935/1936, "Der Schimmelreiter"
1933). 1936 heiratete sie Gustaf Gründgens,
der auch bei einigen ihrer Filme Regie führte.
Die Ehe wurde 1946 geschieden, trotzdem folgte sie
Gründgens nach Düsseldorf und spielte
dort bis 1955 in seinem Ensemble.
Seit den 60er-Jahren trat sie häufiger im Fernsehen
auf, so spielte sie in drei Folgen von "Der
Kommissar" und im kleinen Fernsehspiel "Der
Tod des Vaters". Mit "Die Jagdgesellschaft"
von Thomas Bernhard begann 1974 eine Freundschaft
zwischen dem österreichischen Autor und der
Schauspielerin. Seinen Monolog "Am Ziel"
schreibt er ihr auf den Leib. Eine letzte große
Zeit hatte sie hochbetagt am Berliner Ensemble -
von 1993-1996 war sie in zwei Heiner-Müller-Stücken
zu sehen. Regisseur Werner Schröter ehrte die
große alte Dame des deutschen Theaters und
Films, die 2002 starb, in seinem authentischen Porträt
"Die Königin" (1999/2000).
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