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September 1941: Immer weiter stoßen deutsche
Truppen ins Landesinnere von Russland vor. In Kiew
herrscht Angst, denn die sechste deutsche Armee
wird einmarschieren, und besonders die jüdischen
Einwohner hören beunruhigende Gerüchte
über Massenliquidationen. Wie viele andere
jedoch kann sich auch die jüdische Familie
Lerner, die am Stadtrand von Kiew seit 20 Jahren
zusammen mit der befreundeten Familie Onufrienko
ein Doppelhaus bewohnt, das kommende Grauen nicht
vorstellen.
Als sich Großvater Genadij widerstrebend ein
Pferdefuhrwerk für die Flucht kauft, wird er
betrogen. Sein Sohn Sascha, der beide Beine verloren
hat, fleht seine nichtjüdische Frau Natalja
vergeblich an, ihn zu verlassen und mit den Kindern
zu flüchten. Auch der Sohn der Onufrienkos,
der 15-jährige Stepan, will seinen Nachbarn
helfen, zumal er sich in das jüdische Flüchtlingsmädchen
Franka verliebt hat, das die Lerners verstecken.
Seine Mutter Lena jedoch, zunächst mitfühlend,
betrachtet nicht nur diese zarte Liebesgeschichte,
sondern auch die verzweifelte Situation der Lerners
bereits mit scheelen Augen: Die Haushälfte
der Lerners wäre eine feine Mitgift für
ihre Tochter. Bald schon bricht sich Lenas von Habgier
und Neid gespeister Antisemitismus Bahn, und während
die Lerners mit Hilfe Stepans verzweifelt die Flucht
organisieren, denunziert Lena ihre Nachbarn als
Partisanen. Parallel schildert der Film, wie der
zynisch-joviale Standartenführer Blobel einen
Plan entwirft, um alle Juden in Babij Jar ohne Aufsehen
zu deportieren und zu töten.
Selten hatte ein Film so viel Mut, das Unbegreifliche
begreifbar zu machen und die alle Vorstellungskraft
sprengende Perfidie und Grausamkeit so klar und
ohne Umschweife zu zeigen wie "Babij Jar".
Mit Katrin Saß, Michael Degen und Axel Milberg
prominent besetzt, ist dieses Holocaust-Drama weniger
lehrbuchhafte Geschichtsstunde als der Versuch,
die intimen mitmenschlichen Umstände und die
Atmosphäre von Angst und Demütigung, die
den Massenerschießungen vorausging, erlebbar
zu machen. In Babij Jar (russisch: Großmütterchenschlucht),
einer Talsenke bei Kiew, wurden ab dem 29. September
1941 innerhalb von zwei Tagen 33.771 Juden erschossen.
Die Zahl ist so exakt dokumentiert wie der verwaltungstechnische
Vorgang dieser fabrikmäßigen Auslöschung
von Menschenleben und gehört zu den furchtbarsten
Gräueltaten der Nationalsozialisten. Die an
der Produktion beteiligten Historiker haben das
Massaker anhand von Einsatzbefehlen und den Protokollen
der Nürnberger Prozesse rekonstruiert. In schwarz/weiß
gedreht und mit "Wochenschau"-Ausschnitten
versehen, ist die Handlung zweigeteilt in Streiflichter
auf die technokratischen und nur allzu "normalen"
Schreibtischtäter und ihre Vollstrecker; andererseits
wird mit einer anrührenden Familiengeschichte
gezeigt, wie die jüdische Bevölkerung
in den Tod ging.
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