Babij Jar - Das vergessene Verbrechen

Spielfilm aus Deutschland und Weißrussland von 2002
Regie Jeff Kanew
Drehbuch Stephen Glantz
Musik Walter Werzowa
Kamera Sergej Bondarev, Tatjana Loginova und Alexander Rud (schwarz/weiß)
Darsteller Genadij Lerner - Michael Degen
Lena Onufrienko - Katrin Saß
Oberst Paul Blobel - Axel Milberg
Natalja Lerner - Barbara De Rossi
Sascha Lerner - Evklidis Kiourtzidis Kyriakos
Stepan Onufrienko - Gleb Porschnew
Gleb Onufrienko - Anatolij Guriev
Franka - Olga Erokhovets
Jakob - Alexander Martschenko
Mundek - Michael Zuy
und andere
und andere

September 1941: Immer weiter stoßen deutsche Truppen ins Landesinnere von Russland vor. In Kiew herrscht Angst, denn die sechste deutsche Armee wird einmarschieren, und besonders die jüdischen Einwohner hören beunruhigende Gerüchte über Massenliquidationen. Wie viele andere jedoch kann sich auch die jüdische Familie Lerner, die am Stadtrand von Kiew seit 20 Jahren zusammen mit der befreundeten Familie Onufrienko ein Doppelhaus bewohnt, das kommende Grauen nicht vorstellen.

Als sich Großvater Genadij widerstrebend ein Pferdefuhrwerk für die Flucht kauft, wird er betrogen. Sein Sohn Sascha, der beide Beine verloren hat, fleht seine nichtjüdische Frau Natalja vergeblich an, ihn zu verlassen und mit den Kindern zu flüchten. Auch der Sohn der Onufrienkos, der 15-jährige Stepan, will seinen Nachbarn helfen, zumal er sich in das jüdische Flüchtlingsmädchen Franka verliebt hat, das die Lerners verstecken.

Seine Mutter Lena jedoch, zunächst mitfühlend, betrachtet nicht nur diese zarte Liebesgeschichte, sondern auch die verzweifelte Situation der Lerners bereits mit scheelen Augen: Die Haushälfte der Lerners wäre eine feine Mitgift für ihre Tochter. Bald schon bricht sich Lenas von Habgier und Neid gespeister Antisemitismus Bahn, und während die Lerners mit Hilfe Stepans verzweifelt die Flucht organisieren, denunziert Lena ihre Nachbarn als Partisanen. Parallel schildert der Film, wie der zynisch-joviale Standartenführer Blobel einen Plan entwirft, um alle Juden in Babij Jar ohne Aufsehen zu deportieren und zu töten.

Selten hatte ein Film so viel Mut, das Unbegreifliche begreifbar zu machen und die alle Vorstellungskraft sprengende Perfidie und Grausamkeit so klar und ohne Umschweife zu zeigen wie "Babij Jar". Mit Katrin Saß, Michael Degen und Axel Milberg prominent besetzt, ist dieses Holocaust-Drama weniger lehrbuchhafte Geschichtsstunde als der Versuch, die intimen mitmenschlichen Umstände und die Atmosphäre von Angst und Demütigung, die den Massenerschießungen vorausging, erlebbar zu machen. In Babij Jar (russisch: Großmütterchenschlucht), einer Talsenke bei Kiew, wurden ab dem 29. September 1941 innerhalb von zwei Tagen 33.771 Juden erschossen.

Die Zahl ist so exakt dokumentiert wie der verwaltungstechnische Vorgang dieser fabrikmäßigen Auslöschung von Menschenleben und gehört zu den furchtbarsten Gräueltaten der Nationalsozialisten. Die an der Produktion beteiligten Historiker haben das Massaker anhand von Einsatzbefehlen und den Protokollen der Nürnberger Prozesse rekonstruiert. In schwarz/weiß gedreht und mit "Wochenschau"-Ausschnitten versehen, ist die Handlung zweigeteilt in Streiflichter auf die technokratischen und nur allzu "normalen" Schreibtischtäter und ihre Vollstrecker; andererseits wird mit einer anrührenden Familiengeschichte gezeigt, wie die jüdische Bevölkerung in den Tod ging.
   

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