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Man schreibt das Jahr 1940. Disziplin und Pflichtbewusstsein,
unbedingte Treue zu den Maximen der Partei und überlebensgroße
Stalinporträts gehören zum Alltag der
Klasse 9b eines sowjetischen Provinzstädtchens.
Spiegel in den Mädchenwaschräumen sind
für ihre Klassenlehrerin Valendra bereits eine
ideologische Entgleisung. Um wie viel schwerer wiegt
es da, dass in einer Geburtstagsrunde Verse des
"Kulakendichters" Jessenin rezitiert werden.
Die Geschichte wird ruchbar. Geschickt weiß
die Valendra die naive Sina auszuhorchen und die
zarte Vika Ljuberezki wird als Übeltäterin
abgemahnt. Der Umgang mit Vika und ihrem Vater beeinflusst
indes auch Iskras Denken. Mehr und mehr hinterfragt
sie und gerät zunehmend in Widerspruch zu der
linientreuen Auffassung ihrer Mutter.
Es gibt nicht den Menschen allgemein, es gibt nur
den Bürger unseres Staates und der hat die
Pflicht, diesem zu dienen, erklärt die Mutter
ihrer Tochter. Diese Pflichterfüllung veranlasst
die Poljakowa mit Parteifunktionären über
Ljuberezki, einen angesehenen Flugzeugkonstrukteur,
zu sprechen. In der Nacht darauf wird er, ungeachtet
seiner Bürgerkriegsverdienste, verhaftet. Vika
droht der Ausschluss aus dem Komsomol und sie soll
ihrem Vater, einem Feind des Volkes, abschwören.
Vika bringt sich um. Tief betroffen nehmen ihre
Mitschüler am Grab Abschied und Iskra hält
trotz des Verbotes ihrer Mutter für die Freundin
eine Abschiedsrede. Auch der von allen verehrte
Schuldirektor spricht. Seine Worte, "nicht
nur die Kugel tötet, auch Niedertracht, Feigheit,
Gleichgültigkeit und Bürokratismus",
haben dramatische Folgen. Er wird suspendiert und
aus der Partei ausgeschlossen.
Der Fall Vika verändert die 9b und die Schüler
fragen sich, ob das kommende Jahr besser wird. Doch
es ist Krieg und viele von ihnen werden dann schon
nicht mehr am Leben sein ...
"Und morgen war Krieg" ist das vielfach
preisgekrönte Debüt des 1954 geborenen
Juri Kara und gehört zu den Schlüsselwerken
der frühen Glasnost-Zeit. Basierend auf der
gleichnamigen Erzählung von Boris Wassiljew
schildert Kara die Suche junger Menschen nach persönlichem
Glück und der eigenen Identität, die in
einer Zeit des Dogmatismus und der Denunziation
tabu sind. In der ehemaligen DDR wurde der Film
nach kurzer Kinolaufzeit mit weiteren kritischen
sowjetischen Filmen Anfang 1989 verboten und kam
erst nach der politischen Wende wieder zum Einsatz.
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