Und morgen war Krieg

Politdrama, UdSSR, 1987
Regie Juri Kara
Drehbuch Boris Wassiljew
Musik Antonio Vivaldi und diverse Aufnahmen aus den 30er Jahren
Kamera Wadim Semjonowych
Länge 84 min; teilweise s/w
Darsteller Der Direktor - Sergej Nikonenko
Valendra - Vera Alentowa
Ljuberezki - Wladimir Samanski
Poljakowa, Iskras Mutter - Nina Ruslanowa
Iskra Poljakowa - Irina Tscheritschenko
Vika Ljuberezki - Julia Tarchowa
Sina - Natalja Negoda
Artjom - Sergej Stoljarow
Landis - Radij Owtschinnikow
Stameskin - Gennadi Frolow
Ostaptschuk - Wladislaw Demtschenko
und andere

Man schreibt das Jahr 1940. Disziplin und Pflichtbewusstsein, unbedingte Treue zu den Maximen der Partei und überlebensgroße Stalinporträts gehören zum Alltag der Klasse 9b eines sowjetischen Provinzstädtchens. Spiegel in den Mädchenwaschräumen sind für ihre Klassenlehrerin Valendra bereits eine ideologische Entgleisung. Um wie viel schwerer wiegt es da, dass in einer Geburtstagsrunde Verse des "Kulakendichters" Jessenin rezitiert werden.
Die Geschichte wird ruchbar. Geschickt weiß die Valendra die naive Sina auszuhorchen und die zarte Vika Ljuberezki wird als Übeltäterin abgemahnt. Der Umgang mit Vika und ihrem Vater beeinflusst indes auch Iskras Denken. Mehr und mehr hinterfragt sie und gerät zunehmend in Widerspruch zu der linientreuen Auffassung ihrer Mutter.

Es gibt nicht den Menschen allgemein, es gibt nur den Bürger unseres Staates und der hat die Pflicht, diesem zu dienen, erklärt die Mutter ihrer Tochter. Diese Pflichterfüllung veranlasst die Poljakowa mit Parteifunktionären über Ljuberezki, einen angesehenen Flugzeugkonstrukteur, zu sprechen. In der Nacht darauf wird er, ungeachtet seiner Bürgerkriegsverdienste, verhaftet. Vika droht der Ausschluss aus dem Komsomol und sie soll ihrem Vater, einem Feind des Volkes, abschwören.

Vika bringt sich um. Tief betroffen nehmen ihre Mitschüler am Grab Abschied und Iskra hält trotz des Verbotes ihrer Mutter für die Freundin eine Abschiedsrede. Auch der von allen verehrte Schuldirektor spricht. Seine Worte, "nicht nur die Kugel tötet, auch Niedertracht, Feigheit, Gleichgültigkeit und Bürokratismus", haben dramatische Folgen. Er wird suspendiert und aus der Partei ausgeschlossen.

Der Fall Vika verändert die 9b und die Schüler fragen sich, ob das kommende Jahr besser wird. Doch es ist Krieg und viele von ihnen werden dann schon nicht mehr am Leben sein ...

"Und morgen war Krieg" ist das vielfach preisgekrönte Debüt des 1954 geborenen Juri Kara und gehört zu den Schlüsselwerken der frühen Glasnost-Zeit. Basierend auf der gleichnamigen Erzählung von Boris Wassiljew schildert Kara die Suche junger Menschen nach persönlichem Glück und der eigenen Identität, die in einer Zeit des Dogmatismus und der Denunziation tabu sind. In der ehemaligen DDR wurde der Film nach kurzer Kinolaufzeit mit weiteren kritischen sowjetischen Filmen Anfang 1989 verboten und kam erst nach der politischen Wende wieder zum Einsatz.
   

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