Auf der Sonnenseite

Spielfilm aus der DDR von 1962
Regie Ralf Kirsten
Drehbuch Heinz Kahlau, Gisela Steineckert und Ralf Kirsten
Musik André Asriel
Kamera Hans Heinrich
Darsteller Martin Hoff - Manfred Krug
Ottilie Zinn - Marita Böhme
Brigadier Felix Schnepf - Heinz Schubert
Jens Krüger - Fred Mahr
Brigadier Matthias Wind - Gert Andreae
Planierraupenfahrer - Günter Naumann
Intendant Pabst - Peter Sturm
Sprecherziehungsdozentin - Carola Braunbock
Schauspieldozent - Gerd E. Schäfer
Direktor des VEB Spezialbau - Werner Lierck
Zunft, LVB-Abteilungsleiter - Horst Friedrich
Direktor der Schauspielschule - Willi Schwabe
Schauspielstudent - Rolf Herricht
Schauspielstudent - Rolf Römer
Brigademitglied - Willi Neuenhahn
Kulturhausleiter - Werner Senftleben
und andere

Stahlwerker Martin Hoff, "Star" der Laienspielgruppe, wird von seinem Betrieb zur Leipziger Schauspielschule delegiert. Doch sein Bleiben ist nicht von langer Dauer - begabt ja, aber zu überheblich und zu aufmüpfig. Für Martin keine Tragödie, denn die Ausbildung findet er sowieso nervend. Auf seiner Abschiedsparty trifft Martin eine bezaubernde junge Frau. Doch die zeigt dem erfolgsgewohnten Casanova die kalte Schulter. Nicht nur die Wette mit seinen Freunden, sondern auch eine "innere Stimme" treibt ihn, die schöne Unbekannte zu suchen.

Irgendwo auf einer Baustelle soll sie sein, und dort trifft er sie: Ottilie Zinn, Bauleiterin und nun Martins Vorgesetzte. Ein zusätzlicher Reiz, Ottilie zu erobern. Als jedoch alle seine bewährten Casanova-Tricks bei ihr nicht ankommen, muss Martin umdenken. Allmählich kommt aus der rauen Schale der wahre Charakter hervor - die Arroganz war nur selbstauferlegte Show. Nun finden seine jazzigen Liebeslieder auch zum Herzen von Ottilie.

25 Jahre jung war Manfred Krug, als der Film - für ihn maßgeschneidert - 1961 von der DEFA produziert wurde. Heute feiert er seinen 70. Geburtstag. Als Hommage an den großen Schauspieler, der "in seiner sympathischen, unelitären Berufsauffassung dem soliden Schauspieler stets näher war als dem Edelmimen" ("Die Zeit", 11.03.1988), zeigt das MDR FERNSEHEN sieben seiner Filme. Für Manfred Krug, der ab 1957 in der DDR für das Fernsehen und Kino arbeitet, ist Ralf Kirstens gelungene Gegenwartskomödie "Auf der Sonnenseite", die Anfang 1962 in die Kinos kommt, der künstlerische Durchbruch. Vorher noch ein "Geheimtipp" für Insider, wird er mit der Gestaltung des Martin Hoff zum Publikumsliebling Nr. 1. Die Rolle des eigenwilligen jungen Mannes ähnelt Krugs persönlicher Biografie. Genau wie Hoff war auch er Stahlschmelzer und Schauspielstudent, wie der Filmheld hat er "die Faxen dicke" und schmeißt das Handtuch.

Und - wer weiß das nicht - Manfred Krug singt ebenso gern. Der Titelsong "Stell die Sorgen in die Ecke, nimm dir deinen Hut ..." wurde zum DDR-Hit der frühen Sechzigerjahre. Manfred Krugs Schaffen in der DDR, das mit seiner Unterschrift unter die Biermann-Resolution 1976 jäh beendet wird, wovon u.a. der Film "Abgehauen" (1998) erzählt, ist außerordentlich vielseitig. Als Vorbildfigur wird er in sozialistischen und antifaschistischen Heldenrollen besetzt, so in den TV-Romanen "Wege übers Land" und "Die Verschworenen", aber auch als Abenteuerheld in DEFA-Filmen wie "Mir nach Canaillen!" (1964) und "Hauptmann Florian von der Mühle" (1968). In der Komödie "Mit mir nicht, Madam!" (1969) darf er gleich in elf unterschiedlichen Rollen und Verkleidungen seinem Affen Zucker geben. Darüber hinaus etabliert Krug sich als Jazzinterpret und Chansonsänger. Bis 1976 sind es 40 Filme, 20 Fernsehspiele und zahlreiche Shows, in denen er mitwirkt.

Als er 1977 die Ausreise aus der DDR beantragt und nach West-Berlin zieht, kann er sich in der Bundesrepublik schnell etablieren. In der Vorabendserie "Auf Achse" begeistert er ab 1977 als Trucker das Publikum, später spielt er den Anwalt Robert Liebling in der ARD-Erfolgsserie "Liebling Kreuzberg" und wird Tatortkommissar Stoever. Aber Krug ist nicht nur Serienstar, er dreht Kinofilme, spielt Theater, schreibt Bücher. Mit dem Tatort "Tod vor Scharhörn" nimmt er 2000 seinen Abschied vom Fernsehen. Gleichzeitig hat er sein Comeback als Sänger und tourt seither durchs Land, oft gemeinsam mit Tochter Fanny.
   

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