|
Stahlwerker Martin Hoff, "Star" der Laienspielgruppe,
wird von seinem Betrieb zur Leipziger Schauspielschule
delegiert. Doch sein Bleiben ist nicht von langer
Dauer - begabt ja, aber zu überheblich und
zu aufmüpfig. Für Martin keine Tragödie,
denn die Ausbildung findet er sowieso nervend. Auf
seiner Abschiedsparty trifft Martin eine bezaubernde
junge Frau. Doch die zeigt dem erfolgsgewohnten
Casanova die kalte Schulter. Nicht nur die Wette
mit seinen Freunden, sondern auch eine "innere
Stimme" treibt ihn, die schöne Unbekannte
zu suchen.
Irgendwo auf einer Baustelle soll sie sein, und
dort trifft er sie: Ottilie Zinn, Bauleiterin und
nun Martins Vorgesetzte. Ein zusätzlicher Reiz,
Ottilie zu erobern. Als jedoch alle seine bewährten
Casanova-Tricks bei ihr nicht ankommen, muss Martin
umdenken. Allmählich kommt aus der rauen Schale
der wahre Charakter hervor - die Arroganz war nur
selbstauferlegte Show. Nun finden seine jazzigen
Liebeslieder auch zum Herzen von Ottilie.
25 Jahre jung war Manfred Krug, als der Film - für
ihn maßgeschneidert - 1961 von der DEFA produziert
wurde. Heute feiert er seinen 70. Geburtstag. Als
Hommage an den großen Schauspieler, der "in
seiner sympathischen, unelitären Berufsauffassung
dem soliden Schauspieler stets näher war als
dem Edelmimen" ("Die Zeit", 11.03.1988),
zeigt das MDR FERNSEHEN sieben seiner Filme. Für
Manfred Krug, der ab 1957 in der DDR für das
Fernsehen und Kino arbeitet, ist Ralf Kirstens gelungene
Gegenwartskomödie "Auf der Sonnenseite",
die Anfang 1962 in die Kinos kommt, der künstlerische
Durchbruch. Vorher noch ein "Geheimtipp"
für Insider, wird er mit der Gestaltung des
Martin Hoff zum Publikumsliebling Nr. 1. Die Rolle
des eigenwilligen jungen Mannes ähnelt Krugs
persönlicher Biografie. Genau wie Hoff war
auch er Stahlschmelzer und Schauspielstudent, wie
der Filmheld hat er "die Faxen dicke"
und schmeißt das Handtuch.
Und - wer weiß das nicht - Manfred Krug singt
ebenso gern. Der Titelsong "Stell die Sorgen
in die Ecke, nimm dir deinen Hut ..." wurde
zum DDR-Hit der frühen Sechzigerjahre. Manfred
Krugs Schaffen in der DDR, das mit seiner Unterschrift
unter die Biermann-Resolution 1976 jäh beendet
wird, wovon u.a. der Film "Abgehauen"
(1998) erzählt, ist außerordentlich vielseitig.
Als Vorbildfigur wird er in sozialistischen und
antifaschistischen Heldenrollen besetzt, so in den
TV-Romanen "Wege übers Land" und
"Die Verschworenen", aber auch als Abenteuerheld
in DEFA-Filmen wie "Mir nach Canaillen!"
(1964) und "Hauptmann Florian von der Mühle"
(1968). In der Komödie "Mit mir nicht,
Madam!" (1969) darf er gleich in elf unterschiedlichen
Rollen und Verkleidungen seinem Affen Zucker geben.
Darüber hinaus etabliert Krug sich als Jazzinterpret
und Chansonsänger. Bis 1976 sind es 40 Filme,
20 Fernsehspiele und zahlreiche Shows, in denen
er mitwirkt.
Als er 1977 die Ausreise aus der DDR beantragt und
nach West-Berlin zieht, kann er sich in der Bundesrepublik
schnell etablieren. In der Vorabendserie "Auf
Achse" begeistert er ab 1977 als Trucker das
Publikum, später spielt er den Anwalt Robert
Liebling in der ARD-Erfolgsserie "Liebling
Kreuzberg" und wird Tatortkommissar Stoever.
Aber Krug ist nicht nur Serienstar, er dreht Kinofilme,
spielt Theater, schreibt Bücher. Mit dem Tatort
"Tod vor Scharhörn" nimmt er 2000
seinen Abschied vom Fernsehen. Gleichzeitig hat
er sein Comeback als Sänger und tourt seither
durchs Land, oft gemeinsam mit Tochter Fanny.
|