Beschreibung eines Sommers

Spielfilm aus der DDR von 1963
Regie Ralf Kirsten
Drehbuch Karl-Heinz Jakobs und Ralf Kirsten, nach dem gleichnamigen Roman von Karl-Heinz Jakobs
Musik Wolfgang Lesser
Kamera Hans Heinrich
Darsteller Thomas Breitsprecher, "Tom" - Manfred Krug
Margrit Marduk, "Grit" - Christel Bodenstein
Schibulla - Günther Grabbert
Lilo Kalmus - Johanna Clas
Regine Mechte - Marita Böhme
Anton Dschick - Peter Reusse
Joachim Grell - Horst Jonischkan
Martin Kamernus - Erik Veldre
und andere

Ende der 50er-Jahre auf einer Großbaustelle in Wartha, wo ein großer Industriekomplex entsteht. Hierher, zu einem Jugendobjekt, wird Tom Breitsprecher aus Berlin delegiert. Er ist ein ausgezeichneter Ingenieur, aber seine politische Haltung und sein Privatleben lassen zu wünschen übrig. Er ist großspurig, zynisch, sein Frauenverschleiß enorm. Und hier verliebt er sich ausgerechnet in die FDJ-Sekretärin Grit, die auch noch verheiratet ist. Grit erwidert seine Liebe. Als das Verhältnis der beiden an den Tag kommt, sind die Kollegen empört, vor allem wegen des unmoralischen Verhaltens ihrer Genossin Grit. Für Grit und Tom aber ist die Liebe etwas ganz Neues, Großes, das sie beide verändert. Sie brauchen einander und Grit entscheidet sich, klare Verhältnisse zu schaffen und sich von ihrem Mann zu trennen - auch, um die Achtung des Kollektivs wiederzugewinnen.

"Beschreibung eines Sommers" entstand nach dem gleichnamigen, 1960 erschienenen Roman von Karl-Heinz Jakobs, der großen Erfolg bei jungen Leuten hatte. Vor allem wohl durch die Figur des Ingenieurs Tom, eines Individualisten, der mit Kritik an ideologischen Phrasen nicht hinterm Berg hält. Gespielt wird er von Manfred Krug - "die Wucht einer ostdeutschen Marlon-Brando-Variante ohne die bittersüße Melancholie des Originals" - wie Bärbel Dalichow schreibt.

Für Krug war es der Vorgänger seiner großen Balla-Figur in "Spur der Steine". Auch für Christel Bodenstein, die heute ihren 70. Geburtstag feiert, war die Grit, eine handfeste Gegenwartsfigur, eine Traumrolle. 1956 entdeckt kein Geringerer als der renommierte DEFA-Regisseur und damalige Rektor der Babelsberger Filmhochschule, Prof. Kurt Maetzig, die knapp 18-jährige Leipzigerin. Dann aber besetzt er sie doch nicht in seinem Projekt "Schlösser und Katen", dafür aber der berühmte Slatan Dudow in "Der Hauptmann von Köln" (1956).

Christel Bodenstein beginnt im gleichen Jahr ein Schauspielstudium an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg und wird nebenbei mit den Märchenfilmen "Das tapfere Schneiderlein" (1956) und "Das singende, klingende Bäumchen" (1957) zur Film-Prinzessin der DEFA. Beide Filme prägen lange Zeit ihr Image, 1960 wird sie als beliebteste DDR-Schauspielerin vom Jugendmagazin "Neues Leben" ausgezeichnet. Es sind ihr Charme und ihre Natürlichkeit, die sie zur viel engagierten Schauspielerin jener Jahre werden lassen. Sie spielt in der Komödie "Ein Sommertag macht keine Liebe" (1961), sie ist die Franziska in "Minna von Barnhelm" (1962) und die Viola in "Was ihr wollt" (1963). Als ausgebildete Tänzerin, die auch noch gut singen kann, wird sie die Idealbesetzung für eine Reihe von Musik- und Revuefilmen, die die DEFA damals produziert - in der "Maibowle" (1959) und dem "Silvesterpunsch" (1960) verkörpert sie die singende und tanzende Suse Lehmann, in "Revue um Mitternacht" (1962) spielt sie neben Manfred Krug die Produktionsassistentin Claudia Glück.

Der Film wird in der DDR ein Kassenerfolg, Christel Bodenstein und Manfred Krug avancieren zum beliebten Filmpaar. 1963 folgt "Beschreibung eines Sommers". Mitte der 70er-Jahre bleiben die Rollenangebote aus. Die Schauspielerin geht mit literarisch-musikalischen Programmen auf Tournee, ab 1976 wird sie Mitglied des kleinen Theaters "Das Ei" im Friedrichstadtpalast Berlin. Nach dessen Abwicklung Anfang der 90er-Jahre ist sie als Regieassistentin für die Abendregie im Friedrichstadtpalast verantwortlich, seit 1994 auch als Regisseurin, u.a. bei einem Claire-Waldorff-Abend und bei der Revue "Sommernachtsträume".
   

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