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Ende der 50er-Jahre auf einer Großbaustelle
in Wartha, wo ein großer Industriekomplex
entsteht. Hierher, zu einem Jugendobjekt, wird Tom
Breitsprecher aus Berlin delegiert. Er ist ein ausgezeichneter
Ingenieur, aber seine politische Haltung und sein
Privatleben lassen zu wünschen übrig.
Er ist großspurig, zynisch, sein Frauenverschleiß
enorm. Und hier verliebt er sich ausgerechnet in
die FDJ-Sekretärin Grit, die auch noch verheiratet
ist. Grit erwidert seine Liebe. Als das Verhältnis
der beiden an den Tag kommt, sind die Kollegen empört,
vor allem wegen des unmoralischen Verhaltens ihrer
Genossin Grit. Für Grit und Tom aber ist die
Liebe etwas ganz Neues, Großes, das sie beide
verändert. Sie brauchen einander und Grit entscheidet
sich, klare Verhältnisse zu schaffen und sich
von ihrem Mann zu trennen - auch, um die Achtung
des Kollektivs wiederzugewinnen.
"Beschreibung eines Sommers" entstand
nach dem gleichnamigen, 1960 erschienenen Roman
von Karl-Heinz Jakobs, der großen Erfolg bei
jungen Leuten hatte. Vor allem wohl durch die Figur
des Ingenieurs Tom, eines Individualisten, der mit
Kritik an ideologischen Phrasen nicht hinterm Berg
hält. Gespielt wird er von Manfred Krug - "die
Wucht einer ostdeutschen Marlon-Brando-Variante
ohne die bittersüße Melancholie des Originals"
- wie Bärbel Dalichow schreibt.
Für Krug war es der Vorgänger seiner großen
Balla-Figur in "Spur der Steine". Auch
für Christel Bodenstein, die heute ihren 70.
Geburtstag feiert, war die Grit, eine handfeste
Gegenwartsfigur, eine Traumrolle. 1956 entdeckt
kein Geringerer als der renommierte DEFA-Regisseur
und damalige Rektor der Babelsberger Filmhochschule,
Prof. Kurt Maetzig, die knapp 18-jährige Leipzigerin.
Dann aber besetzt er sie doch nicht in seinem Projekt
"Schlösser und Katen", dafür
aber der berühmte Slatan Dudow in "Der
Hauptmann von Köln" (1956).
Christel Bodenstein beginnt im gleichen Jahr ein
Schauspielstudium an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg
und wird nebenbei mit den Märchenfilmen "Das
tapfere Schneiderlein" (1956) und "Das
singende, klingende Bäumchen" (1957) zur
Film-Prinzessin der DEFA. Beide Filme prägen
lange Zeit ihr Image, 1960 wird sie als beliebteste
DDR-Schauspielerin vom Jugendmagazin "Neues
Leben" ausgezeichnet. Es sind ihr Charme und
ihre Natürlichkeit, die sie zur viel engagierten
Schauspielerin jener Jahre werden lassen. Sie spielt
in der Komödie "Ein Sommertag macht keine
Liebe" (1961), sie ist die Franziska in "Minna
von Barnhelm" (1962) und die Viola in "Was
ihr wollt" (1963). Als ausgebildete Tänzerin,
die auch noch gut singen kann, wird sie die Idealbesetzung
für eine Reihe von Musik- und Revuefilmen,
die die DEFA damals produziert - in der "Maibowle"
(1959) und dem "Silvesterpunsch" (1960)
verkörpert sie die singende und tanzende Suse
Lehmann, in "Revue um Mitternacht" (1962)
spielt sie neben Manfred Krug die Produktionsassistentin
Claudia Glück.
Der Film wird in der DDR ein Kassenerfolg, Christel
Bodenstein und Manfred Krug avancieren zum beliebten
Filmpaar. 1963 folgt "Beschreibung eines Sommers".
Mitte der 70er-Jahre bleiben die Rollenangebote
aus. Die Schauspielerin geht mit literarisch-musikalischen
Programmen auf Tournee, ab 1976 wird sie Mitglied
des kleinen Theaters "Das Ei" im Friedrichstadtpalast
Berlin. Nach dessen Abwicklung Anfang der 90er-Jahre
ist sie als Regieassistentin für die Abendregie
im Friedrichstadtpalast verantwortlich, seit 1994
auch als Regisseurin, u.a. bei einem Claire-Waldorff-Abend
und bei der Revue "Sommernachtsträume".
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