Der Fall Gleiwitz

Spielfilm aus der DDR von 1961
Regie Gerhard Klein
Drehbuch Wolfgang Kohlhaase, Günther Rücker
Musik Kurt Schwaen
Kamera Jan Curík
Darsteller Helmut Naujocks - Hannjo Hasse
Gestapochef Müller - Herwart Grosse
KZ-Häftling - Hilmar Thate
Volksdeutscher Wyczorek - Georg Leopold
Volksdeutscher Kraweit - Wolfgang Kalweit
Volksdeutscher Bieratzki - Rolf Ripperger
Volksdeutscher Sitte - Christoph Beyertt
Volksdeutscher Tutzauer - Rudolf Woschick
Volksdeutscher Kühnel - Manfred Günther
SS-Arzt - Rolf Ludwig
und andere

"Ich werde propagandistischen Anlass zur Auslösung des Krieges geben, gleichgültig ob glaubhaft", so Adolf Hitler am 22. August 1939 vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht. Zur gleichen Zeit spricht Hitler der Welt gegenüber noch von der Rettung des Friedens.

"Der Fall Gleiwitz" liefert den Beweis der faschistischen Doppelzüngigkeit. Im oberschlesischen Gleiwitz, nahe der polnischen Grenze, befindet sich ein Rundfunksender. Seine Zerstörung durch deutsche Soldaten in polnischen Uniformen ist der Vorwand für den Überfall auf Polen, für den Beginn des 2. Weltkrieges, der sich 2004 zum 65. Mal jährte.

Dem Film liegt eine genaue Detailkenntnis (Buch: Wolfgang Kohlhaase, Günther Rücker) zugrunde. Er wurde gekonnt mit der kühlen Präzision, mit der auch das ungeheuerliche Komplott geschmiedet wurde, von Regisseur Gerhard Klein (u.a. "Berlin - Ecke Schönhauser") und seinem Kameramann Jan Curík 1961 in Szene gesetzt. In den Hauptrollen Hannjo Hasse, Herwart Grosse und Hilmar Thate. Mehr als interessant der Umgang mit dem Film. Nach einer glanzvollen "staatlichen Abnahme" wurde es merkwürdig still um ihn. Nicht wie erwartet DDR-Beitrag im Wettbewerb der IFF von Moskau, sondern nur Beitrag einer Informationsschau.

Nach einer Kritik im "Neuen Deutschland" ("scheußlicher Naturalismus und perverser Formalismus") verschwand der Film aus den Kinos. Der Grund der DDR-Führung: Eine viel zu objektive und zu wenig politische Darstellung. Anfragen des Auslands brachten ihn aber in kleineren Spielstätten zum Wiedereinsatz. "Der Fall Gleiwitz" gehört zu den wesentlichen Filmen der DEFA und der antifaschistischen Filmkunst.

31. August 1939. Aus einer SS-Schule fahren sechs ehemalige Volksdeutsche aus Polen nach Gleiwitz, um einen Mann namens Helmut Naujocks zu treffen. Am gleichen Tag in Berlin, um 12:40 Uhr, erlässt Adolf Hitler die Weisung Nr. 1: Der Angriff gegen Polen ist nach den für den "Fall Weiß" getroffenen Vorbereitungen durchzuführen. Angriffstag: 1. September 1939, Angriffszeit: 4:45 Uhr. In seiner Gleiwitzer Villa beschließt, ebenfalls um die Mittagszeit des gleichen Tages, SS-Hauptsturmführer und Gestapomann Naujocks, ins Kino zu gehen. Durch SS-Führer Müller weiß er um die Ereignisse der nächsten Stunden. Es beunruhigt ihn überhaupt nicht. Beunruhigt dagegen ist der namenlose KZ-Häftling, der gerade seine Suppe löffelt. Sie ist gut, und er weiß, es ist seine Henkersmahlzeit. Danach wird er an das Kommando "Birke" überstellt und am 1. September 1939 das tote Beweisstück der "polnischen Provokation" sein. 1. September 1939, 4:45 Uhr. Polnische Soldaten, deutsche SS in polnischen Uniformen, stürmen den Sender Gleiwitz. Für die deutsche Wehrmacht Anlass, die Grenze nach Polen zu überschreiten. Es ist der Beginn des II. Weltkrieges.

An Hilmar Thate will das MDR FERNSEHEN mit "Der Fall Gleiwitz" besonders erinnern. Er feierte am 17. April 2011 seinen 80. Geburtstag. Geboren in Dölsau bei Halle/Saale kann Hilmar Thate auf eine außergewöhnlich lange und erfolgreiche Karriere als Theater-, Fernseh- und Filmschauspieler zurückblicken. Bis zu seiner "Ausreise" 1980 aus der DDR spielt er aufsehenerregende Rollen am Berliner Ensemble (1959 - 1970) und am Deutschen Theater Berlin (1971 - 1979), wo er u.a. als "Richard III." brilliert und zum Schauspieler des Jahres gewählt wird. Das Publikum liebt ihn in der Titelrolle des Fünfteilers "Daniel Druskat" (1976), und er spielt u.a. in den DEFA-Filmen "Wahlverwandtschaften" (1974) und "Der geteilte Himmel" (1964). Gemeinsam mit seiner Frau, der Schauspielerin Angelica Domröse, gehört er zu den Erstunterzeichnern des Protestes gegen die Biermann-Ausweisung, für beide gibt es daraufhin kaum Arbeit in der DDR. Im "Westen" kann er seine Arbeit "mit neuen Kompliziertheiten" (Thate) fortsetzen. Er spielt an den verschiedensten Theatern - u.a. am Westberliner Schillertheater, in Bochum, bei den Salzburger Festspielen in der "Don Juan"-Inszenierung von Ingmar Bergman. Im Fernsehen ist er u.a. im Film "Hurenglück" (1991), in Dieter Wedels Sechsteiler "Der König von St. Pauli" (1998) und in Andreas Kleinerts "Wege in die Nacht" (1999) zu sehen. Für die Rolle des Walter erhält er den Grimme-Preis und den Darstellerpreis des Festivals in Karlovy Vary. Der Deutsche wie der Bayerische Fernsehpreis wird ihm für den BKA-Chef Richard Wolf im TV-Film "Operation Rubikon" (2002) verliehen. Weitere Filme sind Volker Schlöndorffs "Der neunte Tag" (2004) und "Hitlerkantate" (2004).

   

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