Musterknaben

Spielfilm aus der DDR von 1959
Regie Johannes Knittel
Drehbuch Gerhard Bengsch und Johannes Knittel
Musik Günter Hörig
Kamera E. W. Fiedler
Darsteller Edwin Schüch - Rolf Herricht
Bassi Horn - Hartmut Reck
Thea Willinger - Brigitte Krause
Susi Wedel - Gudrun Wichert
Arthur Wedel - Erwin Geschonneck
Hugo Kaiser, Meister - Peter Marx
Karl Scholz, Brigadier - Paul R. Henker
Kollege Weber - Fritz Dietz
Eduard Grimm - Hans Klering
und andere

Die jungen Bauarbeiter Bassi und Edwin sind die ständig verschlafenden schwarzen Schafe ihrer Brigade. Die Brigade wiederum vernachlässigt ihre Paten-Hausgemeinschaft. Und wie der Zufall es will, begegnen Bassi und Edwin zwei netten Mädchen: Thea und Susi, die in eben dieser Hausgemeinschaft leben. Als die beiden Jungen den Mädchen ihre Aufwartung machen wollen, geraten sie in eine turbulente Hausversammlung.

Der Vorsitzende Wedel ist mit untauglichen Methoden dabei, die inaktiven Kleinbürger aufzurütteln und erwartet zur Unterstützung einen Funktionär. Bassi und Edwin übernehmen spaßeshalber dessen Funktion und geraten unversehens in die Pflicht. Sie hatten nicht gewusst, dass es sich um "ihre" Hausgemeinschaft handelt. So wandelt sich das Liebesabenteuer nicht nur privat in eine ernste Angelegenheit.

Ein munterer, nicht gerade tiefschürfender Gegenwartsschwank der DEFA aus dem Jahre 1959, der sich aber seinen besonderen Reiz durch sein populäres Darstellerensemble bewahrt hat. Rolf Herricht als Edwin - einer der beiden "Musterknaben" - gab hier sein Filmdebüt, damals 31 Jahre alt. Regisseur Johannes Knittel hatte sich nach unzähligen Probeaufnahmen für den Neuling vor der Filmkamera entschieden.

"Der Spaßmacher der leisen Töne, der Humorist der Sonderklasse", wie ihn der Autor Lothar Kusche später loben wird, ist zu diesem Zeitpunkt am Theater seiner Heimatstadt Magdeburg engagiert. Dort beginnt auch seine Bekanntschaft mit Hans-Joachim Preil, der als Oberspielleiter beschäftigt ist. Daraus erwächst eine langjährige Arbeitsbeziehung, die beiden erobern sich als Duo die Herzen der Fernsehzuschauer der DDR. Im Film kann Rolf Herricht seinen ersten größeren Erfolg an der Seite von Manfred Krug in "Auf der Sonnenseite" (1962) feiern.
Sein komisches Potenzial kann er dann endlich 1964 in "Geliebte weiße Maus" in der Regie von Gottfried Kolditz ausleben, erstmals ist die Rolle ganz auf die liebenswerte Tollpatschigkeit des Komikers zugeschnitten. 1964 ist auch das Jahr seines Engagements am Metropol-Theater in Berlin, dem er bis zu seinem Tod angehört. Von nun an geht es mit seiner Karriere gleichzeitig im Film, im Theater und im Fernsehen voran. An seine Beliebtheit beim DDR-Publikum reichte kein anderer Schauspieler heran.

Die Darstellerin der Thea, Brigitte Krause (ihr 80. Geburtstag wäre am 9. März 2009 gewesen), hatte hingegen mit DEFA-Filmen wie ihrem Debüt "Die Buntkarierten" (1949), "Rotation" (1949) und "Sonnensucher" (1958) bereits beachtliche Erfolge aufzuweisen.

Ihr schauspielerisches Rüstzeug bekam die 1929 in Berlin Geborene im Nachwuchsstudio der DEFA von 1948 bis 1950. Anfangs spielte sie hauptsächlich junge Mädchen voller Natürlichkeit und Einfachheit, später sind patente Frauen ihre Domäne. Ein Kritiker beschrieb sie 1984 so: "Brigitte Krause - jung, frisch und munter - in Richtung Herz mit Schnauze; lieb, lakonisch, frech, auch kratzbürstig". Letzteres konnte sie gut in der größten und längsten Rolle ihres Lebens zur Perfektion bringen - als Kabarettistin der berühmten Berliner "Distel", der sie mehr als 20 Jahre angehörte. Ihr privates Glück fand sie übrigens während der Dreharbeiten zu "Musterknaben", Gerd Biewer alias Benno und sie wurden ein Paar fürs Leben.

Den Hausvertrauensmann Arthur Wedel spielt Erwin Geschonneck, damals 43 Jahre alt. Er, der als einer der erfolgreichsten und profiliertesten Schauspieler der DDR gilt, starb am 12. März 2008. Auch an ihn will das MDR FERNSEHEN erinnern. Geschonneck war Theaterschüler von Bertolt Brecht und spielte in mehr als 100 Kino- und Fernsehfilmen mit. In der DDR wurde er vor allem durch seine Rollen in den Antikriegsdramen "Nackt unter Wölfen" (1963) und "Jakob der Lügner" (1974) bekannt. Als Holländer-Michel im Märchenfilm "Das kalte Herz" (1950) erschreckt er bis heute Generationen von Kindern. Ein großer Publikumserfolg war auch der Streifen "Karbid und Sauerampfer" (1963) mit Geschonneck in der Hauptrolle. Das letzte Mal vor der Kamera stand er 1995 in dem Kinofilm "Matulla und Busch" unter der Regie seines Sohnes Matti.
   

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